Gericht: Pleitier soll seinen Ex-Buchhalter erpresst haben

03.05.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Angeklagter nach dem anderen wurde von Richter, Staatsanwältin und Verteidigung befragt. VN/GS

Prozess voller Rätsel dreht sich um Freiheitsberaubung, Kokain, drei Angeklagte und ein Opfer.

Feldkirch Als der 59-jährige, den Doktortitel tragende Unterländer als Geschäftsführer mit einem türkischstämmigen Bekannten per Telefon über Kokain sprach, hörte ein Dritter mit: die Polizei. Von 300 Gramm des Stoffs war die Rede. Doch die Telefonüberwachung brachte noch mehr ans Licht, nämlich Dialoge, die die lauschenden Fahnder stutzig machten. Es ging um einen Termin mit dem Ex-Buchhalter des Unternehmers. Sätze wie „Komm am Montag ins Büro, denn da ist der Buchhalter bei mir, und bring noch zwei Leute mit. Es muss dodelsicher sein, denn sonst bin ich am A …!“

Um den Lohn geprellt

Diese Äußerungen waren Bestandteil in der Anklageschrift, mit der Staatsanwältin Karin Dragosits bei der Verhandlung am Landesgericht den Vorarlberger Geschäftsführer, seinen Gesprächspartner am Telefon und einen weiteren Türken als Angeklagte konfrontierte. Alle drei wurden der Erpressung und der Freiheitsentziehung beschuldigt. Konkret: Der unter dem Damoklesschwert des drohenden Konkurses stehende Unternehmer habe seinen Buchhalter zwar acht Monate lange beschäftigt, jedoch keinen Lohn ausbezahlt. Abgesehen von einem einmaligen Almosen in Höhe von 3000 Euro. Der ehemalige Angestellte klagte über das Arbeitsgericht 35.000 Euro ein.

Folgendes soll sich dann laut Anklage am besagten Termin im Büro abgespielt haben: Dem Buchhalter sei von den drei Männern nahegelegt worden, eine Verzichtserklärung bezüglich seiner Forderungen zu unterschreiben. Ansonsten würde er das Büro nicht mehr verlassen. Das angebliche Opfer (52) schilderte den Vorfall vor Gericht als Zeuge so: „Erst weigerte ich mich zu unterschreiben, doch mir wurde mit Gewalt gedroht. Einer hat mir mit dem Finger die Brille aus dem Gesicht geschlagen. Nach dem Desaster habe ich aus Angst unterschrieben und anschließend sofort Anzeige bei der Polizei erstattet!“

„Nach dem Desaster habe ich aus Angst unterschrieben.“

Zeugenausage des angeblichen Opfers

Die drei Angeklagten versuchen einhellig, das Blatt zu wenden. Der türkischstämmige Erstangeklagte habe nur deshalb Verstärkung zum Termin mitgebracht, weil er seinen Freund, den Geschäftsführer, vor dem Buchhalter schützen wollte, denn: „Ich kenne den. Der ist relativ schnell auf 180! Außerdem war er schon um 9.30 Uhr stockbesoffen und ist ausgeflippt. Wir haben ihn nicht festgehalten, wir wollten vielmehr, dass er geht. Er ist ein Freak!“

Zeugin beantragt

Nichts ist wirklich klar. Die von beiden Seiten so energischen wie völlig konträren Aussagen stellen das Gericht vor Rätsel. Staatsanwalt und Verteidigung beantragen schlussendlich die Vernehmung einer Frau, die damals Zeugin des Vorfalls gewesen sein soll. Richter Michael Fruhmann vertagt den Prozess deshalb auf Juli.