Werden wir auf dem Mars außerirdischem Leben begegnen, Frau Weratschnig ?

03.05.2019 • 07:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Vor 50 Jahren, am 21. Juli 1969, betrat der erste Mensch den Mond. NASA

Davor fürchten müssen wir uns jedenfalls nicht, sagt die Vorarlberger Astrophysikerin Julia Weratschnig.

Geraldine Reiner

Schwarzach, Scheffau Julia Weratschnig ist stellvertretende Obfrau des Österreichischen Weltraumforums. Heute, Freitagabend, nimmt sie die Zuhörer bei einem Vortrag in Dornbirn mit auf eine Reise zum Mond. Mit den VN sprach sie außerdem über außerirdisches Leben und Schwarze Löcher.

Seit Jänner 2018 ist  Julia Weratschnig  stellvertretende Obfrau des Österreichischen Weltraumforums. Privat
Seit Jänner 2018 ist Julia Weratschnig stellvertretende Obfrau des Österreichischen Weltraumforums. Privat

Was hat Sie dazu inspiriert, Weltraumforscherin zu werden?

Mich hat von Kindesbeinen an fasziniert, was mit den Sternen los ist. Ich habe mir gedacht, wieso leuchten die, was sind das für Glitzerpünktchen da am Himmel? Das hat sich dann eigentlich durch die Jugend gezogen. Ich war Science-Fiction-Fan und bin es noch immer und es ist dann irgendwie ganz natürlich dazu gekommen, dass ich Physik studiert habe, mich auf Astronomie/Astrophysik spezialisiert habe und in dem Fachgebiet hängengeblieben bin.

Vor 50 Jahren, am 21. Juli 1969, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Erinnern Sie sich an den Augenblick, als Sie die Bilder erstmals sahen?

Es war einerseits die Zeit, in der der Apollo-13-Film in die Kinos gekommen ist. Außerdem hatte ich das große Glück, dass ich zum 30-jährigen Jubiläum in den USA im Space Camp war. Da war ein Saturn-5-Raketenmodell aufgebaut, da waren Astronauten und Ingenieure dabei. Das war sicher ein sehr eindrückliches Erlebnis.

Welche Bedeutung messen Sie dieser Mission rückblickend bei?

Einerseits war es für die USA natürlich eine politische Entscheidung, das zu tun. Ich glaube aber, dass es dadurch, dass sich dieser Apollo-Moment so in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingebrannt hat, etwas ist, auf das nicht nur die Amerikaner stolz sind. Es ist auch etwas, das uns Menschen stolz sein lässt. Ich finde es immer wieder total spannend, mit Menschen zu reden, die das alles live miterlebt haben. Irgendwie kann sich jeder erinnern, wo er war, bei wem er es angeschaut hat und wer alles mit im Raum war. Ganz, ganz viele Leute haben auch gesagt, das Gefühl war: Wenn wir das schaffen, packen wir alles. Ich finde, das ist etwas ganz, ganz Wichtiges, das wir vielleicht gerade zum 50-Jahr-Jubiläum wieder dringend notwendig haben. Dass wir auf der Welt das Gefühl haben, wenn wir uns anstrengen, wenn wir zusammenarbeiten, dann können wir wirklich Großartiges leisten.

Das Österreichische Weltraumforum führt regelmäßig Mars-Simulationen durch. Warum?

Der Mars ist so ein bisschen der logische nächste Schritt, den man als Mensch machen kann, aber er ist unsagbar weit weg. Wenn man diese Mission macht, dann muss alles so gut wie möglich klappen. Deshalb ist es auch enorm wichtig, dass man viele Techniken und Arbeitsabläufe schon jetzt hier auf der Erde unter möglichst realistischen Bedingungen erproben kann, damit es dann im Ernstfall nicht zu einem Problem kommt. Auch wenn der erste bemannte Marsflug sicher noch mindestens 15 Jahre entfernt ist.

Werden wir dort auch außerirdischem Leben begegnen?

Sagen wir so, die Wahrscheinlichkeit, dass man auf dem Mars zumindest fossile Spuren von Leben findet, ist sicherlich nicht gering. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man gerade in ausgetrockneten Flussläufen, irgendwo im Sedimentgestein, Fossilien von Mikroorganismen entdeckt. Ob es jetzt auf dem Mars noch Leben gibt, ist an und für sich möglich, vor allem wenn es unterirdisch ist.

Müssen wir uns davor fürchten?

Ich habe auch schon mit einem Mikrobiologen geredet, der gesagt hat, die Bakterien, vor denen wir auf der Erde Angst haben müssen, die mussten sich im Laufe der Jahrmillionen ja auch an uns evolutionär anpassen, damit sie uns überhaupt erst einmal krank machen konnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns ein Lebenwesen, das vom Aufbau her ganz anders wäre als wir, gefährlich werden könnte, ist sehr, sehr gering.

Und dann gibt es noch die Schwarzen Löcher. Was würde passieren, wenn ich in eines reinfalle?

Wenn man in die Nähe kommt, wird man wahrscheinlich von der starken radioaktiven Strahlung verstrahlt und daran schon sterben können. Je näher man an das Schwarze Loch kommt, umso stärker spürt man den Einfluss der Gravitation. Da ist es dann so, dass die Beine stärker angezogen werden als der Kopf. In Summe führt es dazu, dass der Mensch so richtig gestreckt wird. Man spricht da wirklich von der Spaghettifizierung, weil die Materie in ganz lange, dünne Fäden gestreckt wird, bis man fast nur noch eine Kette hat, die einatomig ist. Was das Schwarze Loch auch so besonders macht, ist die Tatsache, dass die Schwerkraft so groß, dass man es nicht verlassen kann. Man weiß nicht, was passiert, wenn man diese Grenze überschreitet. Da bricht unsere Physik zusammen.

Würden Sie gerne ins All fliegen? ?

Wenn ich die Möglichkeit hätte, auf einen Mondflug mitzugehen, wäre das sicher ein total tolles Erlebnis. Ganz, ganz  spannend finde ich es, wenn man mit Leuten redet, die im All waren. Sie alle sagen, die Erde von außen zu sehen ist etwas ganz Besonderes, weil einem plötzlich bewusst wird, wie klein die Welt eigentlich ist.

Zur Person

Julia Weratschnig

Geboren 2. Juni 1982

Wohnort Scheffau am Wilden Kaiser, aufgewachsen in Bregenz

Ausbildung Doktorat in Physik mit Schwerpunkt beobachtende Kosmologie

Laufbahn u.a. United Kingdom Hydrographic Office in Somerset, seit September 2015 Gymnasiallehrerin für Informatik, Physik und Mathematik in St. Johann/Tirol 

Familie in einer Beziehung, ein Kind

Vortrag von Dr. Julia Weratschnig: „Die Reise zum Mond“, Freitag, 3. Mai, 20 Uhr, ORF-Landesfunkhaus, Eintritt frei, Anmeldung: karten.vbg@orf.at, Tel. 05572 301.

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