100 Jahre an einem Tag

06.05.2019 • 18:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Modelleisenbahnbesitzer Harald Möller weiß viel über die Wälderbahn. vn/hrj
Modelleisenbahnbesitzer Harald Möller weiß viel über die Wälderbahn. vn/hrj

Wie die Film-Doku über Bregenz-Vorkloster, Rieden und Weidach entstanden ist.

Heidi Rinke-Jarosch

bregenz Geschafft. Er ist fertig. Nach mehr als einem Jahr intensiver Arbeit ist der Dokumentarfilm „100 Jahre an einem Tag – Geschichten über Bregenz-Vorkloster, Rieden, Weidach“ abgedreht, geschnitten und vorführbereit.

Die Landeshauptstadt feiert heuer die 100-jährige Geschichte der Vereinigung von Bregenz, Rieden und Vorkloster mit auf das ganze Jahr verteilten Veranstaltungen und Projekten. Dazu zählt der Dokumentarfilm, der bei einer Stadtteilversammlung im November 2017 vorgeschlagen worden war. Initiator war Erich Langeder. Der 56-jährige Versicherungsfachmann hat das Filmprojekt realisiert, er ist Drehbuchautor und Regisseur. Mit Kameramann Matthias König (Königsfreunde Bewegtbildkommunikation) sammelte Langeder Erinnerungen der Protagonisten – Vorklöstner Bürger – und fasste das Material in der 53-Minuten-Dokumentation zusammen. Die Beteiligten wirkten ehrenamtlich mit.

„Es war sehr aufwendiges Projekt, das viel Zeit in Anspruch genommen hat“, sagt Langeder. Seine Arbeitgeberin, die Uniqa Versicherung, habe ihm jedoch viel Raum gelassen. „Trotzdem war es nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen“, gibt Langeder zu. Zeitweise habe er sich gewundert, was es alles zu bedenken gibt. Einen solchen Film zu produzieren, ist nämlich auch mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. „Wir haben aber alles generalstabsmäßig geplant und durchgeführt“, sagt Langeder.

Den Filmtitel habe er gleich im Kopf gehabt: „100 Jahre an einem Tag“. Dieser Titel hatte jedoch Tücken. „Denn bei allen Szenen, die ja an verschiedenen Tagen gedreht wurden, musste das Wetter immer gleich sein, die Darsteller mussten immer gleich angezogen sein.“ Kurzum: Alles musste zeitmäßig aneinanderpassen.

Am schwierigsten seien die Dreharbeiten im Strandbad gewesen. An jenem Wochenende waren an die 80 Mitwirkende am Set. Darunter eine Gruppe Tänzer von Monika Mayer-Pavlidis Ballettschule mit einer Tanzeinlage zu einem Song von George Nussbaumer. „Die Leute mussten von 16 Uhr bis 21.30 Uhr ausharren“, erzählt Langeder. „Bei der letzten Sequenz waren alle völlig fertig, doch alle haben sich zusammengerissen. Die Szene wurde top.“ Schlussendlich sei der Strandbad-Dreh dank der Unterstützung von Stadtwerkedirektor Wolfgang Winkler „super gut gelaufen“, betont Langeder.

Zu den Hauptdarstellern zählt Trudi Thurnher. Die demnächst 100-jährige Witwe aus Rieden hat sofort zugesagt mitzumachen: „Ich habe mich nicht geziert.“ Der Drehtag habe sie in ihre Kindheit und Jugend zurückversetzt, auch in die Zeit im und nach dem Krieg. „Ich wurde daran erinnert, dass ich schon sehr alt bin“, sagt sie und lacht. Gedreht wurde im und vor ihrem Haus, insgesamt sechs Stunden. War das anstrengend? „Nein“, versichert Frau Thurnher. „Es hat mir Spaß gemacht. Das war einmal etwas anderes in meinem Alltag.“

Harald Möller erinnert im Doku-Film an die Bregenzerwaldbahn, die von 1902 bis 1983 Bregenz mit Bezau verbunden hatte. Möller sei durch seine Nachbarin Elfriede Bork – die Pensionistin kommt auch im Film vor – dazugekommen, „weil ich eine Modelleisenbahn besitze und beim Modelleisenbahnclub bin“. Auch Möller ist in Rieden aufgewachsen, lebt aber seit 20 Jahren in Vorkloster. Die Wälderbahn ist ihm vor allem durch seine Großmutter im Gedächtnis: „Sie wohnte in einem Haus in Kennelbach direkt neben dem Bahngleis. Da sah ich oft den Zug vorbeifahren.“ Als der Wälderbahnbetrieb eingestellt wurde, studierte Harald Möller in Wien. Nach seiner Rückkehr nach Bregenz habe sich der 55-jährige Informatiker intensiv mit der Wälderbahn auseinandergesetzt. „So kann ich viel darüber erzählen.“

Vorführung im Metro-Kino

Weitere Protagonisten in der Doku sind Hubert Rhomberg (Rhomberg Bau), Andreas Neuhauser (VKW) sowie Birgit Thünauer, die durch den Film führt. “Und zwar per Fahrrad“, informiert Erich Langeder. Beim Radeln durch die Stadtteile Vorkloster, Rieden und Weidach trifft Birgit Thünauer Menschen, die ihr ihre Geschichten erzählen.

Eine wichtige Rolle spielt Peter Pienz. Der 72-jährige Vorklöschner ist Prokurist des Metro Kinos und hat für die Dokumentation unvergessene Geschichten aus dem Alltag des 1952 eröffneten Kinos zum Besten gegeben. Außerdem wird der Film dort vorgeführt.

Matthias König, Erich Langeder und Birgit Thünauer bei Dreharbeiten mit Trude Thurnher (r.) und Tochter Inge. langeder
Matthias König, Erich Langeder und Birgit Thünauer bei Dreharbeiten mit Trude Thurnher (r.) und Tochter Inge. langeder

Der Doku-Film ist im Metro-Kino Bregenz am 15. und 16. Mai 2019, jeweils um 18 und 19.30 Uhr zu sehen. Reservierungen: www.metrokinobregenz.at, T. 05574 71843.