Kreditbetrügerin aus Verzweiflung

07.05.2019 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die geständige und reumütige Frau hatte sich wegen ihrer hohen Verschuldung unlauterer Methoden bedient. Eckert
Die geständige und reumütige Frau hatte sich wegen ihrer hohen Verschuldung unlauterer Methoden bedient. Eckert

Geldstrafe für Schuldnerin, die bei Bank Darlehen zu erschleichen versuchte.

Feldkirch Rund 30.000 Euro Schulden, unter anderem aus Handyverträgen, dazu ständig neue Rechnungen, Verbindlichkeiten, Miete, Strom, Wasser, Exekutionen. Die 20-Jährige war verzweifelt, ihr war die Situation längst über den Kopf gewachsen, ihren Lebensgefährten wollte sie offenbar nicht einweihen. Da kam die junge Frau auf dumme Gedanken und versuchte unter falschen Identitäten Kredite zu erschleichen. Legal bekam sie kein Geld mehr von den Banken. Ein Warnvermerk machte einen regulären Kredit unmöglich.

Internet als Chance

Via Internet versuchte sie ihren Geldbedarf über einen Online-Kreditvertrag zu decken. Doch auch dort muss man Daten eingeben, um an Geld zu kommen. Und der potentielle Kreditnehmer muss sich selbstverständlich ausweisen. Die Oberländerin nahm die Papiere ihres Freundes zur Hand, benutzte gefälschte Lohn- und Gehaltsabrechnungen und versuchte bei mehreren Kreditinstituten ihr Glück. Vier Mal insgesamt, doch die Wunschsummen in der Höhe von jeweils rund 30.000 Euro blieben in weiter Ferne. Es kam nie zu einer Auszahlung. Noch bevor Geld floss, flog der Schwindel auf.

Die junge Frau, die zumindest einen Job hat und jetzt nach Leibeskräften versucht, ihre Schulden loszuwerden, ging damals äußerst frech vor. An ihrem Arbeitsplatz zog sie einer Arbeitskollegin den Führerschein aus der Handtasche und glaubte, damit zu Geld zu kommen. Die Kollegin bekam anschließend Post von dem Kreditinstitut zugeschickt, war äußerst verdutzt und ging zur Polizei, wo sie Anzeige gegen unbekannt erstattete. Der Betrügerin lag die Sache mittlerweile selbst schwer im Magen. Doch ein letztes Mal wollte sie noch versuchen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Selbst angebliches Opfer

Die hoch Verschuldete ging ebenfalls zur Polizei und behauptete, ihr sei dasselbe „passiert“ wie ihrer Arbeitskollegin. Ein Fremder müsse ihre Daten missbraucht haben.

Doch auch dieser Versuch, von der wahren Täterschaft abzulenken, schlug fehl, vier Stunden später legte sie die Karten auf den Tisch und gestand alles, auch den Versuch, mit fremden Papieren ein Leasingauto zu ergattern, und dass sie den fremden Führerschein vernichtet hatte. „Man muss bedenken, dass bei den Kreditanträgen kein Schaden entstanden ist, die Taten blieben alle beim Versuch“, setzt sich Verteidigerin Andrea Concin für ihre bislang unbescholtene Mandantin bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch ein. Diese weint und macht den Eindruck, dass ihr die Angelegenheit sehr leidtut. Jetzt hat sie eine professionelle Schuldenberatung zur Seite. An Strafe muss sie 1080 Euro bezahlen, weitere 1080 Euro gibt es auf Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig. EC