„Bis 19.30 Uhr Bürgermeister“

Vorarlberg / 08.05.2019 • 18:53 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Bürgermeisterablöse in Schwarzach: Manfred Flatz geht, Thomas Schierle kommt.

Schwarzach Heute, Donnerstagabend, beginnt in Schwarzach eine neue Ära: Im VN-Interview sprechen Noch-Bürgermeister Manfred Flatz (65) und sein Nachfolger Thomas Schierle (48) über ihre Pläne in der Pension und in der Gemeinde.

 

Herr Flatz, heute ist alles vorbei. Was löst das in Ihnen aus?

Flatz Ich bin zweigeteilt. Auf der einen Seite habe ich ein weinendes Auge, weil es für mich doch eine sehr schöne, spannende Zeit war. Es ist auch die Ungewissheit, was jetzt wirklich auf mich zukommt. Irgendwie kann ich es mir noch nicht richtig vorstellen. Aber ich denke, ich finde da schon eine Aufgabe und wenn ich sie nicht finde, dann findet sie sicher meine Frau (lacht). Ich habe inzwischen ja auch sechs Enkelkinder. Da hat man ebenfalls Beschäftigung.

 

Wenn Sie auf die letzten neun Jahre zurückblicken, was waren die schönsten Momente?

Flatz Ich habe sehr viele schöne Momente erlebt. Die Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Auch die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden war sehr erfolgreich. Das Highlight ist sicher das Altstoffsammelzentrum, aber auch das Sozialkonzept gemeinsam mit Wolfurt und Kennelbach. Und dann natürlich die Entwicklung in Schwarzach. Wir konnten die Anzahl der Betriebe erhöhen. Die Anzahl der Arbeitsplätze hat zugenommen. Wir haben sehr viel in die Kinder- und Jugendbetreuung investiert.

 

Was hätte besser laufen können?

Flatz Als ich in das Amt eingestiegen bin, habe ich gedacht, ich erreiche jetzt sehr rasch sehr viel. Ich musste allerdings erkennen, dass in der Politik alles nicht so schnell geht. Also die Geschwindigkeit bei der Umsetzung hätte ich gerne ein bisschen beschleunigt, das ist mir aber nicht gelungen (lacht).

 

Herr Schierle, haben Sie mit der Entscheidung, Bürgermeister zu werden, lange gerungen?

Schierle Wir haben vor ziemlich genau einem Jahr angefangen mit der Frage, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe viele Gespräche geführt mit Manfred und mit vielen anderen Leuten, die einen Einblick in die Gemeindearbeit haben. Es hat natürlich auch das Gespräch mit der Familie gegeben, das überraschend positiv war. Im Sommer ist die Entscheidung dann gereift.

 

Was waren Ihre größten Bedenken?

Schierle Die Vielfalt der Tätigkeiten. Es ist quasi ein Unternehmen. Da gibt es viele Verant-

wortlichkei-

ten, da gibt es Mitarbeiter. Bei vielen Bereichen mache ich mir aufgrund meiner beruflichen Erfahrung überhaupt keine Sorgen und in alles andere muss ich jetzt rasch hineinfinden.

 

Herr Flatz, welche Ratschläge haben Sie für Ihren Nachfolger?

Flatz Ich habe ihn als einen Menschen mit Handschlagqualität kennengelernt und er bringt natürlich auch die besten Voraussetzungen mit. Thomas hat Raumplanung studiert, was momentan das große Thema ist, und er war Projektentwickler bei Sutterlüty, weiß also wie man umgehen muss, wenn größere Bauvorhaben notwendig sind. Was ich ihm mitgeben kann, ist, dass er authentisch bleibt und er nicht vergessen darf, dass er auch eine Familie und einen Freundeskreis hat.

 

Das Büro haben Sie noch nicht ausgeräumt . . .

Flatz Ich bin dran (lacht). Das Problem ist, dass ich bei der Bekanntgabe der Entscheidung gesagt habe, ich bin Bürgermeister bis 9. Mai, um 19.30 Uhr und erst nachher überlege ich mir, wie es weitergeht. Bei mir geht es also wirklich bis zur letzten Sekunde, danach ist aber fertig.

 

Es gibt also noch keinen Plan, was Sie am ersten Pensionstag machen?

Flatz Das wird auch davon abhängen, wie der heutige Abend abläuft (lacht). Aber was ich ab Freitag mache, ist eigentlich schon vorgegeben, weil die Termine nicht sofort aufhören. Das sind zum Teil halböffentliche Termine und so lange der Architekturwettbewerb für das Kindergartenhaus läuft, bin ich auch noch dabei. Ich glaube, ich habe genug zu tun, aber was ich am ersten Tag mache, habe ich mir noch nicht genau überlegt. Das ergibt sich dann.

 

Was wird Ihre erste Amtshandlung sein, Herr Schierle?

Schierle Damit ich einen tieferen Einblick in die Verwaltungstätigkeit bekomme, werde ich am Anfang sicher mit den Mitarbeitern Gespräche führen. Es wird nicht am Freitag ein Fallbeil herunterfallen und alles anders sein. Da gibt es keinen Stilwechsel.

 

Wie lange wollen Sie Bürgermeister bleiben?

Schierle Das hängt natürlich auch ganz stark damit zusammen, was andere wollen. Aber ich plane schon langfristig. In der Position kann man auch nur langfristig etwas bewegen.

 

Wo sehen Sie Schwarzach in zehn Jahren?

Schierle Liebenswerter, lebenswerter. Ich möchte einfach weiterentwickeln, was man in den letzten Jahren ins Laufen gebracht hat. vn-ger

Zur Person

Thomas Schierle

Laufbahn Raumplanungsstudium an der Technischen Universität Wien, zuletzt Projektentwickler beim Lebensmittelhändler Sutterlüty

Geboren 16. August 1970

Familie verheiratet, zwei Töchter

Hobbys Tennis spielen