Ein Berufsleben lang auf dem Beifahrersitz

09.05.2019 • 18:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der leidenschaftliche Hobbymusiker Luis de Bon bildete als Fahrlehrer an die 7000 Fahrschüler aus. VN/Stiplovsek
Der leidenschaftliche Hobbymusiker Luis de Bon bildete als Fahrlehrer an die 7000 Fahrschüler aus. VN/Stiplovsek

Nach 40 Jahren als Fahrlehrer verabschiedet sich Luis de Bon in den Ruhestand.

Bürs Schon als Bub wusste der heute 61-jährige Luis de Bon, dass er einmal klassische Musik und Jazz studieren möchte. „Die Musik war meine Erfüllung.“ Der Sohn eines Kapellmeisters hatte an der Musikschule Trompete und Akkordeon gelernt. Orgel, Klavier und E-Bass brachte er selbst bei.

Nach einem folgenschweren Unglücksfall musste der junge Bürser seinen Traum vom Studieren jedoch begraben. „Ich habe damals eine Rakete gebastelt. Und die ging plötzlich los. Dabei erlitt ich einen Lungendurchschuss.“ Der damals 14-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. „Der Pfarrer gab mir schon die letzte Ölung.“ Luis de Bon überlebte. Die Wucht der Explosion hatte ihm aber auch einen Teil des einen Zeigefingers abgesprengt. Ein Schock. Der Vater sagte: „Jetzt kann Luis nicht mehr musizieren.“ Doch Luis gab nicht auf und entwickelte eine eigene Technik fürs Instrumentenspiel.

Sein Leben nahm trotzdem eine andere Wendung. Er absolvierte eine Mechanikerlehre und arbeitete sechs Jahre lang im erlernten Beruf. Der Bürser gibt aber zu: „Ich war nie ein leidenschaftlicher Automechaniker.“ Sein Herz schlug einfach für die Musik. So schloss er sich den „Lords“ an und zog mit der Band in seiner Freizeit durch die Lande. Vorbei war die Zeit dann auch als Automechaniker. 1979 bewarb er sich auf ein Inserat der Bludenzer Fahrschule Mallin hin als Fahrlehrer und wurde prompt eingestellt.

Begeisterter Musiker

„Ich hab´ mir überlegt, dass ich das vorübergehend mache.“ Dass daraus aber dann letztendlich 40 Jahre werden, das hätte Luis de Bon niemals gedacht. „Der Job gefiel mir auf Anhieb gut, der Umgang mit jungen Menschen machte richtig Spaß. Dazu kam auch das prima Fahrschulteam.“ Außerdem ließ sich der Job mit der Musikleidenschaft gut kombinieren. Der Oberländer trat fortan in seiner Freizeit als Alleinunterhalter auf. „Ich habe alle Musikrichtungen gespielt.“

Luis de Bon unterrichtete in den vergangenen 40 Jahren an die 7000 Fahrschüler. Sein Fazit: „Ein Drittel fährt gut. Ein Drittel schwimmt mit. Und bei einem Drittel fährt das Auto.“ Rund 15 Prozent aller Fahrschüler seien irgendwie talentfrei. Ein spezieller Fall zaubert dem erfahrenen Fahrlehrer noch heute ein Lächeln ins Gesicht. „Der Kandidat trat zur Motorradprüfung an und hatte den Sturzhelm verkehrt auf dem Kopf. Der Mann sah zwar nichts, hatte aber einen Meterstab dabei. So wollte er herausfinden, wo der Schleifpunkt anfange. Ich habe ihm bekundet, dass das so nicht funktionieren kann.“

Die Prüfungsfahrt wurde zum Fiasko. „Erst hat er mich fast über den Haufen gefahren, dann kehrte er in vollem Tempo um und ist gestürzt“, erinnert sich Luis de Bon. Schon Tage vorher ging eine Lernfahrt mit dem talentfreien Fahrschüler völlig daneben. Das Motorrad geriet außer Kontrolle und landete in einem Blumenbeet, Fahrlehrer und Fahrschüler kamen bei dem Zwischenfall mit dem Schrecken davon. „Ich hab´ ihm einfach sagen müssen, dass er das Motorradfahrer sicher nie lernen wird“, erzählt der 61-Jährige.

Luis de Bon hat aber auch schon ganz viele begabte junge Menschen ausgebildet. „Mädchen fahren gut und in der Regel vernünftiger als Burschen, die risikobehafteter unterwegs sind. Eine Frau denkt voraus, der Mann denkt bis zur Motorhaube“, lautet seine Erkenntnis. Der Erfolg seiner Fahrschüler war auch immer sein Erfolg. „Das Schönste ist, wenn sie nach der Prüfung mit Freudentränen aus dem Büro gehen.“ Manche Führerscheinneulinge sind so glücklich und dankbar, dass sie ihrem Fahrlehrer sogar ein Geschenk machen. „Einmal bekam ich eine Flasche Wein geschenkt, auf dem Etikett stand: ,Der beste Fahrlehrer der Welt.‘“

Aber selbst der beste Fahrlehrer ist vor Pleiten, Pech und Pannen nicht gefeit. „Ich war selbst schon einige Male in Auffahrunfälle verwickelt.“ Andererseits war auch das Glück ein paar Mal auf der Seite des Fahrexperten. „Einmal kam uns bei einer Ausbildungsfahrt auf der S 16 ein Pick-up auf unserer Fahrbahn entgegen, dessen Fahrer am Steuer eingeschlafen war. Nur wenige Meter vor uns kam der Wagen von der Straße ab und krachte in den Wald.“ Jetzt, kurz vor Ruhestand, überkommen den Fahrlehrer die Erinnerungen. Mit Dankbarkeit blickt der 61-Jährige auf sein Berufsleben zurück. „Trotz des Unfalls im Alter von 14 Jahren hatte ich ein erfülltes Leben.“ VN-KUM