Ein Blick hinter die Klostermauern

Vorarlberg / 09.05.2019 • 18:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Zimmer im Kloster sind einfach ausgestattet. 
Die Zimmer im Kloster sind einfach ausgestattet. 

Das Salvatorianerkloster in Hörbranz steht vor großer Veränderung.

Hörbranz Am Tisch brennt eine Kerze, das Kreuz mit Jesus an der Wand, daneben ein gesticktes, gerahmtes Bild „Das Gebet ist die größte Weltmacht“. Die Räumlichkeiten sind aufgeräumt, einfach gehalten. Pater Wolfgang Sütterlin lebt hier seit fünf Jahren. Durch Leiderfahrungen im Umfeld und im eigenen Leben sowie die Begegnung mit engagierten Christen fand der heute 61-Jährige wieder zum Glauben und trat schließlich in den Orden der Salvatorianer ein. „Ich bin heute sehr glücklich mit meiner Wahl“, erzählt er. „Ich möchte eigentlich nicht mehr weg.“ „Weg“ muss er aber, denn das Kloster steht vor Veränderungen.

Kein Nachwuchs

Das Salvatorianerkloster in Hörbranz gehört zur Deutschen Provinz des Ordens und diese muss sich aus personellen Gründen von Standorten trennen – auch von dem in Hörbranz. Zwischenzeitlich hat sich ein Verein zur nachhaltigen Nutzung des Salvatorkollegs gegründet. Sechs Arbeitsgruppen aus Fachpersonen sind intensiv damit beschäftigt, den Dialog mit dem Orden, der Region und potenziellen Nutzern zu führen, um bis 2020 Lösungen für eine Nachnutzung bieten zu können. Noch bis Ende 2021 geht das Klosterleben seinen gewohnten Gang. Fünf Patres und zwei Brüder, alle aus Deutschland, leben hinter den Klostermauern und führen ein „ganz normales Leben“, wie Pater Wolfgang versichert. Los geht es um 6.30 Uhr mit dem Beten des Morgenlobs. Gefolgt von der 7-Uhr-Messe, die von Montag bis Samstag recht gut besucht ist. Am Sonntag kommen dann meist ein fester Besucherstamm und ein paar neue Gesichter zur 8 und 10.30-Uhr- Messe.

„Da muss man viel verarbeiten“

Am Mittag folgt nach dem Gebet das Essen. Abends wird in der Kirche die Vesper gebetet. Aber was macht man dazwischen? Seelsorge ist das Hauptaugenmerk des Salvatorianerklosters. Neben Pater Wolfgang ist Pater Viktor für Einzelseelsorge zuständig. Da geht es um Ehe- oder Familienprobleme, persönliche Schwierigkeiten oder Krankheit. Die Leute fixieren Termine und kommen oft über einen langen Zeitraum. Manchmal arbeiten die Patres mit Therapeuten zusammen. „Oft gibt es Termine von früh bis abends, da muss man viel verarbeiten“, so Pater Wolfgang. Dann ist es auch wieder sehr still im Kloster. Abwechslung gibt es, wenn Jugendgruppen vorbeikommen oder Veranstaltungen stattfinden.

Wie geht es jetzt weiter?

Bei all den spannenden Aufgaben und dem doch recht weltoffenen Leben stellt sich die Frage, warum es an Nachwuchs mangelt. Pater Wolfgang schließt auf den Wohlstand der Gesellschaft, „die Leute haben andere Ideen als ins Kloster zu gehen, sie wollen ihr Leben planen und es sich gut gehen lassen“. Sowohl in Europa als auch in den USA mangelt es an klösterlichem Interesse, Asien und Afrika hingegen explodieren förmlich. Man könnte natürlich die Menschen hierher holen, aber sie aus ihrer Kultur zu reißen und aus dem Land, in dem sie gebraucht werden, will gut überlegt sein. Die Zukunft Pater Wolfgangs ist gewiss, für ihn geht es zurück nach Deutschland. Was aus dem Kloster wird, steht aktuell in den Sternen. lai

Pater Wolfgang Sütterlin im Schlafsaal. D. Lais
Pater Wolfgang Sütterlin im Schlafsaal. D. Lais
Der Speisesaal im Salvatorianerkloster in Hörbranz.
Der Speisesaal im Salvatorianerkloster in Hörbranz.