„Wandel der Bauernkultur augenscheinlich machen“

09.05.2019 • 15:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Wohlgenannt stellt im Kulturhaus sein Buch vor. stp
Martin Wohlgenannt stellt im Kulturhaus sein Buch vor. stp

Martin Wohlgenannt stellt sein Buch über Dornbirner Bauerntum vor.

Dornbirn Er lebt seit mehr als zehn Jahren in Hohenweiler – seiner Heimatstadt Dornbirn ist Martin Wohlgenannt aber nach wie vor eng verbunden und widmet ihr jetzt ein neues Buch, das sich mit der „Entwicklung des Bauerntums in Dornbirn“ auseinandersetzt. Kommenden Dienstag, 14. Mai, um 19.15 Uhr, wird die Dokumentation im Dornbirner Kulturhaus präsentiert.

Es ist nach einer Dokumentation über die Alpwirtschaft (2002) das zweite Werk, das der Autor in jahrelanger Recherche erarbeitet hat. Das erste Buch ist längst vergriffen und dessen Erfolg hat ihn nun ermutigt, sich neuerlich mit einem großen landwirtschaftlichen Thema zu befassen.

Motivation dazu fand er schon beim ersten Buch in seiner tiefen Verbundenheit mit der Landwirtschaft, wie er im Vorwort erläutert. „Anlass für die Verfassung dieses Werkes ist meine tiefe Verbundenheit mit dem Bauerntum, die mir in meinem bäuerlichen Elternhaus, wo ich als jüngstes von acht Kindern aufwuchs, in die Wiege gelegt wurde. Das Zusammenleben unter einem Dach mit unseren Braunviehkühen war wohl auch ausschlaggebend dafür, dass von den acht Kindern fünf ihre Erfüllung auf einem eigenen Bauernhof fanden.“

Der Autor setzt sich mit dem Thema grundsätzlich auseinander. Dazu zitiert er den britischen Historiker Eric Hobsbawn: „Der dramatische und weitreichendste soziale Wandel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der uns für immer von der Welt der Vergangenheit getrennt hat, war der Untergang des Bauerntums.“ Wohlgenannt folgert daraus, dass „der Blick auf die Zahlen der bäuerlichen Bevölkerungsstatistiken von Dornbirn dem Historiker recht zu geben scheint und das unaufhaltsame Dahinschrumpfen dieses Berufsstandes bestätigt“.

Breiten Raum gewidmet

Auch deshalb widmet Wohlgenannt dem landwirtschaftlichen Strukturwandel in Dornbirn von den Ursprüngen bis zur Gegenwart und der Rolle, die die Bauern dabei spielten, breiten Raum. Dabei sind Veränderungen, Brauchtum, Arbeitstechniken und Denkweisen anhand von Dokumentationen reichlich dargestellt und mit 440 Bildern festgehalten. „Auf 352 Seiten bemühe ich mich, dem Leser den Wandel der Bauernkultur, der sich in den letzten Jahrhunderten vollzog, augenscheinlich zu machen. Die Themenvielfalt führt uns weit zurück bis in jene Zeit, als sich Menschen aufmachten, die Urwälder urbar zu machen und zu besiedeln“, steckt der Autor den Rahmen seiner Dokumentation ab.

Eine Lanze für die Bauern

Mit seinem Buch will Wohlgenannt auch um Verständnis für die Bauern werben und bricht im Vorwort eine Lanze für den Berufsstand: „Was momentan an kritischem Konsumverhalten einerseits und der ständigen Skandalisierung durch die Medien andererseits geschieht, sehe ich mit großer Sorge. Die wenigen noch verbliebenen Landwirte brauchen, um nicht vor lauter Frust aufzugeben, mehr denn je Vertrautheit und Stabilität, damit der Hofnachfolger eine Perspektive für die Zukunft hat.“

Dieser Einblick kann durchaus dazu angetan sein, das Bauerntum mit anderen Augen zu sehen und einen Beitrag dazu zu leisten, was sich Martin Wohlgenannt in der Schlussbemerkung wünscht: „Es gilt somit, den Familienbauernhof im Interesse der Gesellschaft für die nächsten Generationen zu erhalten.“ stp