Gerade noch nicht wohnungslos

Vorarlberg / 10.05.2019 • 18:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Anzahl der Vorarlberger in ungesicherten Wohnverhältnissen hat sich verdoppelt.

Götzis Vertreter der BAWO, der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, sowie der ARGE Wohnungslosenhilfe Vorarlberg warnten am Freitag in einer Pressekonferenz im Kolpinghaus Götzis davor, dass immer mehr Vorarlberger in ungesicherten Wohnverhältnissen leben. Das heißt, dass diese Menschen ohne ein rechtlich abgesichertes Mietverhältnis leben: viele sind beispielsweise temporär bei Freunden, Bekannten oder Verwandten untergebracht. Die Anzahl habe sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt, dazu trügen der überhitzte Wohnungsmarkt und stagnierende Einkommen bei. Sie sind überzeugt: „Leistbares Wohnen ist machbar“, und stellten ein Positionspapier mit dem Titel „Wohnen für alle“ vor.

BAWO-Obfrau Elisabeth Hammer ist überzeugt, dass die „Versäulung“ von Wohn- und Sozialpolitik aufgehoben werden müsse, beide Themen müssten gemeinsam betrachtet werden. Sie befürchtet, dass es in Zukunft zu einer dramatischen Erhöhung wohnungsloser Menschen kommen könnte, wenn nicht gegengesteuert werde. „Es gibt viele Menschen, die aktuell gerade noch nicht wohnungslos sind.“

Dass die Lage auch in Vorarlberg nicht rosig ist, zeige die Wohnungslosenerhebung, erläutert Christian Beiser von der Caritas. Die Einkommen seien zwischen 2008 und 2017 um 17 Prozent, die Wohnungsmieten aber um 34 Prozent gestiegen. Das wirke sich beim Anteil der Wohnkosten an den Haushaltsausgaben aus. 9 Prozent geben mehr als 40 Prozent des Einkommens für Wohnkosten aus, bei den armutsgefährdeten Menschen sind es 33 Prozent. „Hier geht die Schere auf“, fürchtet er. Deshalb müsse auch die finanzielle Ausstattung der Menschen erhöht werden. Sozialversicherungsleistungen müssten ausgebaut, nicht gekürzt werden, fordert Beiser. Das Aus der Notstandshilfe, „ein österreichisches Hartz IV“, wäre ein riesen Problem.

Ein wichtiger Faktor ist für Erich Ströhle vom ifs Wohnen der soziale Wohnbau. 137 Millionen würden im Jahr für Förderungen für Neubauten ausgegeben, davon 65 Millionen für den gemeinnützigen Wohnbau. „Dieser Anteil muss erhöht werden“, erklärt er. Es sei gut, dass eine Dringlichkeitsreihung vorgenommen würde, meint er. Dass aber auch die Meldedauer, also wie lange man in der Gemeinde lebt, ein Faktor ist, hält er für falsch. „Das hat nichts mit einer Dringlichkeit zu tun“, erklärt Ströhle: „Das Kirchturmdenken nach dem Motto ,Wir bauen für unsere Bürger‘, ist ein Blödsinn.“ Das im Land heute wegen des Sonderwohnbauprogramms viel mehr Sozialbauten gebaut würden, schlage sich bei den Fallzahlen nicht nieder, erklären die Experten. Die Anstrengungen müssten weiter intensiviert werden. VN-GMS

„Das Kirchturmdenken nach dem Motto ,Wir bauen für unsere Bürger‘, ist ein Blödsinn.“