Vorarlbergs Bürger entscheiden mit

Vorarlberg / 10.05.2019 • 19:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

bregenz Ob es um den Anschluss an die Schweiz, um eine Schiffstaufe, um Atomkraftnutzung oder um mehr Unabhängigkeit von der Bundeshauptstadt Wien geht – Vorarlbergs Bürger entscheiden mit. Beispiele:

 

1919 Bei der Volksabstimmung vom 11. Mai stimmten 81 Prozent für Verhandlungen um einen Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz. Es blieb allerdings bei dem Wunsch der Vorarlberger. Die Grenzen wurden nicht versetzt.

 

1956 Im Mai forderte die Landesregierung per Erlass alle Landesdienststellen auf, „im amtlichen Schriftverkehr in Hinkunft die Schreibweise ‚Montavon‘ und nicht wie bisher ‚Montafon‘ zu verwenden“. Die Bürgermeister der Montafoner Gemeinden wehrten sich heftig und erfolgreich.

 

1964 Ein neues Bodenseeschiff sollte „Karl Renner“ getauft werden. Am 21. November fanden sich Tausende Vorarlberger in der Fußacher Werft ein, wo die Schiffstaufe stattfinden sollte. Die Vorarlberger Nachrichten hatten zwar zu einer friedlichen Willenskundgebung aufgefordert, doch die Menge reagierte empört und verjagte die Wiener Ehrengäste mit Pfui-Rufen und faulen Eiern. Demonstranten tauften das Schiff eigenmächtig auf den Namen „Vorarlberg“.

1978 Nach zahlreichen Demonstrationen gegen die Nutzung des AKW Zwentendorf feierte Vorarlberg am 6. November 1978 einen Riesenerfolg. 84,4 Prozent der am Referendum teilnehmenden Bürger sagten „Nein“ zur Inbetriebnahme des Atomkraftwerks und zur Atomenergie in Österreich. Damit stellte Vorarlberg einen bedeutenden Anteil an der österreichweit knappen Mehrheit von 50,5 Prozent. Dieses Ergebnis war vor allem den Anführern der Anti-Atomkraft-Bewegung, Hildegard und Franz Viktor Breiner, zu verdanken, die heftigen Widerstand leisteten.

 

1980 Die Pro-Vorarlberg-Bewegung aus dem Jahr 1980 ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Schweizer Aktion im Rahmen der Volksabstimmung 1919. Die patriotische Bürgerinitiative „Pro Vorarlberg“ wurde 1979 ins Leben gerufen und von den Vorarlberger Nachrichten aktiv unterstützt. Die Landesregierung wurde aufgefordert, ein Referendum darüber abzuhalten, ob „Vorarlberg durch eine Vereinbarung mit dem Bund im Rahmen des österreichischen Bundesstaates mehr Selbständigkeit durch ein eigenes Statut“ erhalten soll oder nicht. Dabei ging es um mehr Rechte in Finanz- und Steuerfragen sowie um mehr Kontrolle über Schule, Rundfunk und Umweltschutz. 69 Prozent der Teilnehmer stimmten dafür.