Verena Maierhofer ist Mutter auf Abruf und trotzdem glücklich

12.05.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verena Maierhofer pflegt zu allen ihren Kindern ein inniges Verhältnis. VN/Paulitsch
Verena Maierhofer pflegt zu allen ihren Kindern ein inniges Verhältnis. VN/Paulitsch

Neben zwei eigenen gehören auch fünf Pflegekinder zur Familie.

Lingenau „Ich bin Mutter!“ Verena Maierhofer (50) sagt es mit einem Selbstverständnis, das Berge versetzen könnte. Sie würde es für ihre Kinder wohl tun. Insgesamt sieben sind es, allerdings tragen nur zwei den Nachnamen der Eltern. Fünf haben Verena und ihr Mann Wolfgang in Pflege genommen. Der Haushalt begann vor 16 Jahren zu wachsen. „Unser Traum war immer eine große Familie“, erzählt Verena Maierhofer. Doch nach zwei schwierigen Schwangerschaften wollte das Ehepaar das Glück nicht weiter strapazieren. „Wir hatten ja zwei gesunde Kinder.“ Dennoch sollte mehr Leben in das schmucke Holzhaus in Lingenau.

An Adoption gedacht

Zuerst dachten die Maierhofers an Adoption. Dann hörten sie zufällig von einem Aufruf des Vorarlberger Kinderdorfs, das dringend Pflegeeltern suchte. „Wir haben uns gemeldet, und es hat geklappt“, sagt Verena mit leuchtendem Blick auf die Kinderschar, die um den großen Holztisch in der Küche versammelt ist. Zwischen drei und 15 Jahre alt sind die Mädchen und Buben, alle kamen schon als Kleinkinder in die Familie. Ein Kind holten die Pflegeeltern direkt im Krankenhaus ab, ein anderes war erst zwei Tage alt, als es in die Obhut von Verena und Wolfgang Maierhofer kam. Der eigene Nachwuchs, inzwischen 24 und 22 Jahre alt, wurde stets in die Entscheidung einbezogen. „Bevor wir ein Kind aufnahmen, hielten wir Familienrat“, sagt die gelernte Industriekauffrau. Jeder Neuankömmling war letztlich aber immer herzlich willkommen.

Ein gutes Einvernehmen ist Verena Maierhofer auch mit den leiblichen Angehörigen ihrer Pflegekinder wichtig. Die Besuchskontakte kann sie mittlerweile selbst organisieren. „Da entstehen Vertrauen und persönliche Bindungen.“ Eine liebevoll gestaltete Holztafel an der Haustüre mit der Inschrift „Hier lebt, liebt, lacht und träumt die Familie Maierhofer“ sowie acht Herzen darunter mit den Namen der Bewohner legt beredtes Zeugnis davon ab. Der Großvater eines Buben hat sie gefertigt. „Wir unternehmen auch sonst viel zusammen“, unterstreicht Verena das gegenseitige Bemühen im Sinne der Kinder.

Im Dorf integriert

Der für den Muttertag geplante Ausflug zum eigenen Fischteich im Lecknertal muss aufgrund des Wetters allerdings entfallen. Stattdessen steht Bowling auf dem Programm. Für die siebenfache Mama ist der Muttertag aber ohnehin ein Tag wie jeder andere. „Mir ist wichtig, dass es das Jahr über passt.“ Das tut es. Die Kinder fühlen sich sichtlich wohl, nennen Verena ganz selbstverständlich „Mama“. Im Dorfleben sind die Pflegekinder ebenfalls gut verankert. Fußballklub, Trachtengruppe: Sie gehören uneingeschränkt dazu.

Verena Maierhofer ist eine glückliche Mutter. „Unsere Kinder sind unser Leben“, sagt sie ohne Pathos. Keinen Tag möchte sie mit der quirligen Schar missen. Dass sie eines schönen Tages plötzlich gehen könnten, weiß die bodenständige Bregenzerwälderin, kann damit jedoch umgehen. „Das gehört dazu.“