„Zwang zum Stehlen auf Rezept“

12.05.2019 • 20:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Tabletten hatten laut dem Beschuldigten einen Nebeneffekt. Symbol
Die Tabletten hatten laut dem Beschuldigten einen Nebeneffekt. Symbol

Medikamentensüchtiger Ladendieb erklärt seine Kleptomanie als tablettenbedingte Nebenwirkung.

dornbirn „650 Euro, wenn’s hochkommt“, beziffert der 29-jährige Beschuldigte am Bezirksgericht Dornbirn die Höhe seiner monatlichen Arbeitslosenunterstützung. Sieben Eintragungen „zieren“ bereits sein Vorstrafenregister, vier davon einschlägig wegen Diebstahls.

Was die Sache besonders tragisch macht: Der Unterländer ist verheiratet, seine Frau hochschwanger. „Glückwunsch“, sagt Richter Frank Plasinger zunächst, ehe er zum weniger Erfreulichen übergeht. Denn einmal mehr steht Ladendiebstahl im Supermarkt auf der Anklageschrift.

11,90 Euro

Es ist lapidar. Ganze 11,90 Euro hätten das Toastbrot und die Salami auf dem Kassazettel ausgemacht. Doch nein, der 29-Jährige steckte die Lebensmittel ein und entging dabei nicht den wachsamen Augen des Ladendetektivs. „Keine zwei Minuten später war die Polizei da“, schildert der Beschuldigte die unangenehmen Folgen.Doch keine Beschäftigung hieß auch kein Bares. Das Geld vom AMS hätte gerade für die Miete gereicht. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte! Es ging mir nur darum, dass wenigstens meine schwangere Frau zu essen hat“, versucht der Unterländer den vermasselten Diebstahl als eine Tat der Verzweiflung zu erklären. „Und dennoch schäme ich mich dafür. Jeden Tag, wenn ich es höre und meine Frau zu mir sagt: Schatz, mach das nie wieder!“Aber wie gesagt, es war nicht sein erster Ausrutscher in die Kleptomanie (Zwang zum Stehlen). Neben seiner Not tischt der 29-Jährige jetzt noch eine andere Erklärung auf: „Ich bin stark medikamentensüchtig und auf dem Beipackzettel der Tabletten stand klar und deutlich, dass Kleptomanie eine Nebenwirkung dieses Medikamentes ist, glauben Sie mir das.“

Schlussendlich summieren sich die nicht bezahlten 11,90 Euro für den Beschuldigten zu einer Geldstrafe in Höhe von 640 Euro in 160 Tagessätzen. Er nimmt das Urteil beinahe dankbar an, gelobt Besserung und verabschiedet sich mit den Worten: „Mein zukünftiges Kind ist mir zehnmal wichtiger als mein eigenes Leben. Deshalb ist jetzt Schluss mit dem Scheiß, den ich jahrelange durchgezogen habe!“ VN-GS

„Mein zukünftiges Kind ist mir zehn Mal wichtiger als mein eigenes Leben.“