Beunruhigend: In Vorarlberg rauchen sogar Hochschwangere

Vorarlberg / 13.05.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rauchen ist besonders in der Schwangerschaft gesundheitsschädlich. APA/Fohringer
Rauchen ist besonders in der Schwangerschaft gesundheitsschädlich. APA/Fohringer

Jede Zehnte greift in den letzten Wochen vor der Geburt zur Zigarette.

Johannes Huber

Schwarzach Rauchen ist gesundheitsschädlich, ganz besonders in der Schwangerschaft. Dann ist es für das Kind verdammt gefährlich, wie der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hans Concin, bestätigt. Im Klartext: Es erhöht das Risiko für Komplikationen und die Wahrscheinlichkeit einer Früh- oder Totgeburt. Viele Hochschwangere lassen sich jedoch nicht davon abhalten, zur Zigarette zu greifen. Das ist dem Jahrbuch der Gesundheitsstatistik zu entnehmen: Im letzten Drittel der Schwangerschaft rauchen österreichweit 10,4 Prozent der Frauen. In Wien sind es mit 17,1 Prozent viel mehr und in Vorarlberg mit 7,6 Prozent etwas weniger. Am niedrigsten ist der Anteil im Burgenland mit 5,1 Prozent.

Das mag jetzt unspektakulär klingen. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass knapp 25 Prozent aller Frauen rauchen, bedeutet das, dass es ein größerer Teil von ihnen auch in Erwartung einer Geburt weiterhin tut. Und das trotz aller Warnungen und Hinweise auf Zigarettenschachteln und anderswo.

„Ein bisschen Eigenkritik“

„Wir haben keine wirklich guten Programme, die greifen“, übt Hans Concin, der ehrenamtlich für den Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) tätig ist, zunächst „ein bisschen Eigenkritik“: „Ich weiß allerdings nicht, warum das so schwierig ist.“ Oder doch? Concin ortet bei Schwangeren eine große Bereitschaft, mit dem Rauchen aufzuhören. Gegen die Sucht sei der gute Wille jedoch zu oft chancenlos: „Viele schaffen es einfach nicht.“ Was ganz offensichtlich nachvollziehbar ist: In dieser stressigen Zeit sei es grundsätzlich schwieriger, ein solches Suchtverhalten zu ändern. Bei gut der Hälfte aller Schwangerschaften müsse zudem beachtet werden, dass sie ungeplant sind. Sprich: Eine allmähliche Umstellung im Vorfeld, die vielleicht erfolgversprechender wäre, ist dann nicht möglich.

Die Risiken, die werdende Mütter mit dem Nikotinkonsum eingehen, sind erheblich, so Concin: „Jede Zigarette reduziert nachweisbar die Leistungsfähigkeit der Plazenta.“ Über die Plazenta wird das Kind im Leib versorgt. Im schlimmsten Fall versagt sie, sodass das Kind vor der Geburt stirbt. Überlebt es, hat es eher Lungenprobleme als das Kind einer Nichtraucherin.

„Nicht gut aufgeklärt“

Michael Thaler ist als Chef der Familienberatung des Instituts für Sozialdienste (IfS) mit dem Problem konfrontiert: „Wir erleben, dass viele Frauen entgegen einer weitverbreiteten Annahme nicht besonders gut aufgeklärt sind.“ Entweder ist ihnen demnach nicht bewusst, worauf sie sich und ihr Kind einlassen. Oder sie reden es klein oder verdrängen es überhaupt. Alles ist Thaler geläufig: „Manche glauben, dass es ausreicht, den Konsum von einer Schachtel auf fünf Zigaretten pro Tag zu reduzieren.“ Andere würden verschweigen, dass sie rauchen, wieder andere würden auf Bekannte verweisen, bei denen das Rauchen nicht geschadet habe. Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung wäre da nötig, und zwar nicht nur zu Beginn, sondern auch im Verlauf der Schwangerschaft immer und immer wieder, wie Thaler betont.