Wildbisse werden teurer

Vorarlberg / 14.05.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Entschädigung bei Wildbissschäden bleibt weiterhin unregelmäßig.

Die Entschädigung bei Wildbissschäden bleibt weiterhin unregelmäßig.

Nach Intervention des Landesvolksanwalts werden Entschädigungen in Silbertal angepasst.

Silbertal Was kostet ein Wildbiss? Welchen Wert haben Bäume? Fragen, die gar nicht so einfach zu beantworten sind. Ein Montafoner Waldbesitzer versucht es schon länger, die VN berichteten. Seinen kleinen Wald hat er über eine Jagdgenossenschaft an einen Jäger verpachtet. Werden die Bäume vom Wild beschädigt, erhält der Waldbesitzer Entschädigung. Die Summe ist zwar vertraglich festgelegt, kann aber auch anders ausfallen: So existieren zum Beispiel Mindestsätze des Landesforstgartens, außerdem kann sich ein Besitzer mit einem Pächter direkt einigen oder gar vor ein Schiedsgericht und später ein Gericht ziehen.

Keine Einsicht in Vertrag

Der Besitzer wollte von seiner Jagdgenossenschaft wissen, wie viel Entschädigung in seinem Vertrag festgeschrieben ist; die Einsicht in den Vertrag wurde ihm verweigert. Bei seiner Recherche fand er heraus, dass die Jagdgenossenschaft unterschiedliche Tarife festgelegt hat, teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr indexiert. Das wiederum hat den Landesvolksanwalt auf den Plan gerufen. Jetzt steht fest: Die Beträge der betroffenen Genossenschaft in Silbertal sollen angepasst werden.

Zumindest erklärt das der Stand Montafon, der größte Waldbesitzer im Land und damit einflussreiches Mitglied diverser Jagdgenossenschaften, offiziell jedoch nicht mit mehr Rechten ausgestattet, wie dessen Forstbetriebsleiter Hubert Malin dem Landesvolksanwalt in einem Schreiben erklärt. Demnach sei ein Vertreter des Standes nur dann in den jeweiligen Jagdausschüssen vertreten, wenn er von den Mitgliedern gewählt wird, in den Ausschüssen verfüge er über eines von fünf Stimmrechten. Was die unterschiedlichen Tarife betrifft, hätten Nachforschungen ergeben, dass in Silbertal für die Jagdperiode 2013 bis 2019 die alten Sätze aus dem Vertrag von 2007 übernommen worden seien. „Im neuen Jagdpachtvertrag für die Periode 2019 bis 2025 der GJ Silbertal wird von uns auf dieses Versäumnis verwiesen und eine Anpassung der pauschalen Sätze urgiert“, erklärt Malin in einem Schreiben an Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda.

Und wie viel erhält eigentlich der Stand Montafon selbst? Gerüchten, wonach der Stand eine jährliche Wildbisspauschale erhält, wiederspricht Malin. Der Stand Montafon habe keine unterschiedliche Vereinbarung mit den Jagdgenossenschaften. „Es gelten die gleichen Verträge wie mit privaten Waldbesitzern. Allerdings wird nicht jeder Schaden geltend gemacht“, sagt Malin. Pauschalen gebe es nicht. Dass es aufgrund alter Verträge dazu kommen kann, dass unterschiedliche Preise ausbezahlt werden, hat es laut Malin schon gegeben.

Grundsätzlich könne in Vorarlberg jede Jagdgenossenschaft andere Bestimmungen ausverhandeln. Was die Sätze betrifft, müsse zwischen Pflanzenkosten und Fege- und Schälschäden unterschieden werden. Wobei auch hier zu bedenken sei, dass Fichte nicht gleich Fichte ist. „Es gibt Tief-, Mittel- und Hochlagenfichten“, führt Malin aus.

Die Kostenersätze bei Fege- bzw. Schälschäden unterliegen unterschiedlichen Einflussfaktoren wie Standzeit, Standort und Erntekosten der Pflanze. Somit hat ein Baum in der Nähe eines Forstweges einen anderen Wert als ein weit entlegener Baum. Der Wert eines Hektars Wald kann zwischen 5000 und 30.000 Euro schwanken. Der Streit des Waldbesitzers mit der Jagdgenossenschaft um die Entschädigung geht indes weiter. Er hofft nun auf ein Schlichtungsverfahren.