Causa Gemeindeinformatik: 3,1 Millionen Euro veruntreut

15.05.2019 • 17:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Wie hoch der Schaden für die einzelnen Gemeinden ist, wird derzeit noch erhoben.   Hagen
Wie hoch der Schaden für die einzelnen Gemeinden ist, wird derzeit noch erhoben.   Hagen

Die Gemeindeinformatik GmbH hat im Betrugsfall den aktuellen Ermittlungsstand bekannt gegeben. Der Schaden beläuft sich nach derzeitigem Stand auf 3,1 Millionen Euro.

Dornbirn Im Jänner erschütterte ein Betrugsfall in der gemeinnützigen Vorarlberger Gemeindeinformatik GmbH das Land. Eine langjährige Mitarbeiterin in der Buchhaltung soll Geld auf ihr Privatkonto abgezweigt haben. Damals ging man von einem zweijährigen Tatzeitraum sowie einem Schaden im sechsstelligen Bereich aus. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich jedoch heraus, dass die Frau, die sofort fristlos entlassen wurde, seit 1999 Geld abgezweigt hatte und sich der Schaden auf 3,1 Millionen Euro beläuft.

Aufwendige Erhebungen

Die Frau habe „mit hoher krimineller Energie ein trickreiches System einer Scheinbuchhaltung geschaffen, in dem die Salden von Bilanzen und Abrechnungen immer gestimmt haben“, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Gemeindeinformatik GmbH. Entsprechend aufwendig seien die immer noch andauernden Erhebungen. Die Verdächtige war nach einem Hinweis des Bankinstituts an das Landeskriminalamt aufgeflogen.

Auch die Frage, wie viel Schaden den einzelnen Gemeinden im Laufe der 20 Jahre aus dem Betrug entstanden ist, wird noch weiter überprüft. Im Vordergrund stehen laut Gemeindeinformatik GmbH außerdem die Sicherstellung von Vermögenswerten und allfällige Schadenersatzforderungen. Entsprechende rechtliche Maßnahmen seien bereits gesetzt worden, Gespräche über eine Vermögensverwertung zur Schadenswiedergutmachung seien im Gange.

Gegenstand der Ermittlungen seien zudem mögliche Haftungen weiterer Beteiligter, interne Kontrollsysteme und die freiwillige jährliche Kontrolle durch einen Wirtschaftsprüfer. Seitens der Wirtschaftsprüfer war die Veruntreuung all die Jahre hinweg unbemerkt geblieben. Ein Nebeneffekt des Betrugsfalls ist zudem der am Mittwoch gefällte Beschluss der Gemeinden, einen Aufsichtsrat für die Gemeindeinformatik GmbH zu gründen. Den Vorsitz wird der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) als bisheriger Beirat übernehmen.

Aufsichtsrat fehlte

Die Gemeindeinformatik GmbH benötigt allein aufgrund der Anzahl ihrer Gesellschafter und der Höhe ihres Stammkapitals einen Aufsichtsrat, was vor dem Betrugsfall aber niemandem aufgefallen war. Bei einer Statutenänderung im Jahr 2000 hatten weder der damals zuständige Notar noch das Gericht darauf aufmerksam gemacht. Die Gemeindeinformatik GmbH wurde 1980 als IT-Kooperation aller 96 Vorarlberger Gemeinden gegründet.