Er lebte soziale Gesinnung vor

15.05.2019 • 15:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Oskar Riedmann, langjähriger Obmann der Lebenshilfe Lustenau.
Oskar Riedmann, langjähriger Obmann der Lebenshilfe Lustenau.

Oberschulrat Oskar Riedmann (91), Verdienstzeichenträger der Marktgemeinde Lustenau, verstorben.

Ernest Enzelsberger

LUSTENAU Am 4. Mai 2019 starb mit 91 Jahren Oskar Riedmann, Sonderschuldirektor i. R. und langjähriger Obmann der Lebenshilfe Lustenau. Er hat eine wahre soziale Gesinnung vorgelebt und war gerade für jüngere Generationen ein Beispiel für Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl. Für seine herausragenden Verdienste wurde ihm 1992 das Verdienstzeichen der Marktgemeinde Lustenau verliehen.

Turbulente Jugend

Oskar Riedmann wurde am 23. Juni 1927 als zweitjüngstes von fünf Geschwistern in Lustenau geboren. Für den 14-Jährigen gab es kein Zögern, als ihm der Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Feldkirch empfohlen wurde. Er begann die Ausbildung mit Begeisterung, wurde aber von der rauen Wirklichkeit des Zweiten Weltkriegs eingeholt. Nach seiner Einberufung zum Reichsarbeitsdienst kam er beim Rückzug der deutschen Truppen zum Einsatz und geriet in russische Gefangenschaft. Mit Glück und Geschick überlebte er mehrere Arbeitslager und kam erst nach drei Jahren wieder nach Hause.

In den Kriegsjahren hatte er schon als Jugendlicher das Recht des Stärkeren und die damit verbundene Unterdrückung der Schwachen und Benachteiligten erlebt. So wurde es für ihn Zeit seines Lebens ein Bedürfnis, sich gerade für diese einzusetzen. Nach seiner Heimkehr absolvierte er die Matura an der Lehrerbildungsanstalt und war als Volksschullehrer in Hohenems, in Dornbirn und an der Volksschule Lustenau-Rheindorf tätig.

Anfänge seines Wirkens

Sehr bald begann sich Oskar Riedmann aber für die Probleme der minderbegabten Schulkinder zu interessieren und so meldete er sich zur Ausbildung zum Sonderschullehrer nach Wien. Nach dem Abschluss wurde er zehn Jahre lang in Dornbirn als Sonderschullehrer eingesetzt. Dort leitete er eine Schwerstbehindertenklasse, in der 16 Kinder aus Dornbirn und Lustenau unterrichtet wurden.

Anfang der siebziger Jahre wurde in Lustenau im Rahmen der Volksschule Rheindorf mit einer Sonderschulklasse begonnen. Als 1977 der Startschuss für eine eigene allgemeine Sonderschule Lustenau fiel, wurde Oskar Riedmann mit deren Leitung betraut, die er bis zu seinem Pensionsantritt innehatte.

Seit Beginn seiner Lehrertätigkeit hat er stets den behinderten und den lernschwachen Kindern seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses Verständnis, seine Geduld und die sichtbare Liebe im Umgang mit Kindern, die gerne an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, veranlasste die Eltern von behinderten Lustenauer Kindern, Oskar Riedmann um die Übernahme der neugegründeten Ortsgruppe der Vorarlberger Lebenshilfe zu bitten. Das war 1968, als kaum eine organisatorische Basis und schon gar keine sachlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit mit den Schützlingen vorhanden waren. Für den engagierten Sonderschullehrer gab es aber kein langes Zögern. Mit bescheidensten Mitteln begann man den Unterricht in der alten Rheindorfer Volksschule. Die Marktgemeinde Lustenau mit dem damaligen Sozialreferenten Ludwig Schelling zeigte sich gegenüber den Anliegen der neuen Vereinigung sehr aufgeschlossen und so konnten nach dem Zubau an der Volksschule Hasenfeld neue Räume bezogen werden.

Die Zeit und damit die Aufgaben blieben aber nicht stehen und als 1988 gleichzeitig mit dem 20-Jahr-Jubiläum der Neubau beim Kindergarten Augarten bezogen werden konnte, war dies der Höhepunkt in der Obmanntätigkeit von Oskar Riedmann. Über Jahrzehnte betreute er auch Ferienkinder im Ebnit und in Hittisau-Bolgenach.

Arbeit im Bewusstsein verankert

Unter seiner Obmannschaft ist es ihm gelungen, die Arbeit der Lebenshilfe positiv im Bewusstsein der Lustenauer Bevölkerung zu verankern. Damit hat er einen wesentlichen Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderung geleistet.

In seiner langen Pension kümmerte er sich liebevoll um seine vielen Enkel und Urenkel, aber auch die Ried- und Gartenarbeit bereiteten ihm viel Freude.

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