Gericht: Neun Monate Haft für rumänischen Betrüger

Vorarlberg / 15.05.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte am Landesgericht Feldkirch mit seinem Verteidiger Gernot Klocker. ECKERT

Mit Wechselgeldtrick und Diebstählen betrog er reihenweise gutmütige Menschen.

Christiane Eckert

Feldkirch „Ich schwöre bei Gott und meinen drei Kindern, ich bin ein religiöser Mann, ich würde so etwas nie tun“, behauptet der siebenfach vorbestrafte Rumäne bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Die gerichtlichen Vorstrafen ziehen sich durch ganz Europa, die Delikte sind immer dieselben: Diebstahl und Betrug. In Rumänien habe er als Fußballtrainer gearbeitet, im Schnitt 1500 Euro monatlich verdient, behauptet er. Er besitze ein Haus, das in zwei Monaten abbezahlt sei und einen eigenen Pkw. Der Mann ist Vater von drei Kindern im Alter von neun, 13 und 17 Jahren. Er macht einen höflichen, vor allem aber selbstsicheren Eindruck.

Gut getrickst

Zum einen scheint er den Wechselgeldtrick perfekt zu beherrschen. Er kaufte zum Beispiel bei einer Geschäftsfrau in der Feldkircher Innenstadt ein Glas Marmelade um fünf Euro. Er legte 50 Euro hin und steckte sie heimlich schnell wieder ein. Als er das Marmeladeglas hatte, behauptete er, er bekäme noch 45 Euro Wechselgeld zurück. Abgelenkt und getäuscht rückte so mancher Verkäufer falsches Retourgeld heraus. Ein weiterer Trick des Mannes ist es, abzulenken was das Zeug hält und inzwischen Geldscheine aus dem Portemonnaie zu ziehen. Ein Parkplatz, wo man schnell einmal in Verlegenheit kommt, weil man keine Münzen besitzt, ist beispielsweise ein geeigneter Tatort. Er sei zu den betreffenden Zeitpunkten aber gar nicht an den Tatorten gewesen, behauptet der 47-Jährige. Einige Zeugen können das jedoch widerlegen. Zwar sind sich nicht alle zu hundert Prozent sicher, denn damals trug der Mann keine Brille, keinen Bart und sprach Deutsch oder Englisch. Beide Sprachen hat der Angeklagte im Prozess komplett verlernt, er könne diese Sprachen überhaupt nicht, sagt er.

Opfer bewusst gewählt

Ein Zeuge ist sich völlig sicher. Der Pensionist vom Arlberg wurde um 200 Euro erleichtert. Aus mehreren Bildern legte er sich bereits vor der Polizei auf den Rumänen fest. Im Prozess bestätigt er seine Aussage. Der Angeklagte wusste genau, wen er sich als Opfer aussuchte, entweder im Stress befindliche Geschäftsleute oder betagte Menschen, je älter, desto höher die Beträge. Einem 84-jährigen Pensionist fehlten plötzlich 1000 Euro, einem 71-jährigen, ziemlich gebrechlichen Herrn 640 Euro. Beide kommen mit Krücken zum Prozess und sind sich nicht mehr sicher, ob der Mann der Täter war. Das Gesamtbild führt zu einem Schuldspruch, bei dem der Mann zumindest in vier Fällen verurteilt wird. Auch dieses Mal wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Diebstahls. Die Strafe beträgt neun Monate Haft, drei hat er bereits abgesessen. Die Chancen auf Entlassung nach der Hälfte stehen gut, danach würden noch eineinhalb Monate Rest verbleiben. Den Opfern muss er 2290 Euro zurückerstatten.