Nur Bewährungsstrafe für Vergewaltiger

Vorarlberg / 15.05.2019 • 22:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Andrea Concin. eckert
Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Andrea Concin. eckert

Weil Angestellter sturzbetrunken war, kommt er billig davon.

Christiane Eckert

Feldkirch Er ist 38, Angestellter und zeigt sich von Beginn an geständig. Der Vater von zwei Kindern hat einiges an Alimentenrückstand, doch ansonsten ließ er sich bislang nichts zuschulden kommen.

Nun sitzt er wegen § 287 Strafgesetzbuch vor Gericht. Dabei geht es darum, dass sich jemand in einen Vollrausch versetzt hat, sodass er nicht mehr wusste, was er tat und anschließend eine Straftat verübte. Das war bei dem Angeklagten nachweislich der Fall. Das bestätigt ein Gutachten, er hatte damals zwei Promille. Doch die Expertise dauerte, 2017 war der Vorfall, erst jetzt konnte verhandelt werden.

Der Mann hatte sich an jenem Abend 2017 dermaßen mit Alkohol zugedröhnt, dass er in einem Zustand war, der bereits als Unzurechnungsfähigkeit beurteilt werden muss. Das Gesetz sieht für derart Volltrunkene – egal, welche Straftat sie begehen – eine Maximalstrafe von drei Jahren vor. Und damit hat der Mann „großes Glück“. Ihm wird nämlich eine Vergewaltigung vorgeworfen. Normaler Strafrahmen: Haft bis zu zehn Jahre.

Nicht sturzbetrunkene Vergewaltiger sind regelmäßig mit einer mehrjährigen unbedingten Haftstrafe konfrontiert. Nicht so der aktuelle Angeklagte. Er bekommt wegen der Rauschtat und der später erfolgten gefährlichen Drohungen neun Monate Haft auf Bewährung sowie 2700 Euro unbedingte Geldstrafe. Das Opfer erhält für seine Qualen 2500 Euro zugesprochen.

Der Mann ging in jener Winternacht 2017 derart brutal gegen seine Freundin vor, dass sie Schürfwunden davontrug. Er zog sie an den Haaren, würgte sie, dass sie Todesangst hatte, sturzbetrunken bedrohte und vergewaltigte er die damals 37-Jährige. Er zeigte ihr ein Polster, um ihr zu demonstrieren, dass er sie ersticken könne. Selbst nach dem brutalen Übergriff war der Angestellte eifersüchtig und setzte seine Drohungen gegen die Ex-Freundin und deren neuen Freund fort.

2500 Euro Schmerzensgeld

Dabei war er zurechnungsfähig. Als Opfervertreterin Eva Müller insgesamt 2500 Euro Schmerzensgeld verlangt, lehnt die Verteidigung den Betrag als überhöht ab. Doch die Richterin sieht das anders. Dem Opfer wird dieser Betrag zugesprochen.  Bei der Strafbemessung musste die Richterin mildernd berücksichtigen, dass sich der Mann geständig zeigte und bislang unbescholten war. „Sie können sich aber sicher sein, bei der nächsten Straftat werden die neun Monate widerrufen“, gibt die Richterin dem Verurteilten auf den Weg. Er hat mittlerweile eine Alkoholtherapie begonnen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.