„Stich um Stich“ in Lustenauer Industriegeschichte eingetaucht

Vorarlberg / 15.05.2019 • 20:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Markus Riedmann (Obmann Vorarlberger Stickereiwirtschaft) und Andreas Staudacher (Geschäftsführer Vorarlberger Stickereiwirtschaft).
Markus Riedmann (Obmann Vorarlberger Stickereiwirtschaft) und Andreas Staudacher (Geschäftsführer Vorarlberger Stickereiwirtschaft).

Die Geschichte der Vorarlberger Stickerei wurde im Freudenhaus präsentiert.

lustenau Die Vorarlberger Stickereiwirtschaft feiert heuer unter dem Motto „Stich um Stich“ ihr 150-jähriges Jubiläum und lädt zu drei Abendveranstaltungen mit Lesungen, Jazzmusik, Zeitzeugen sowie historischen Filmen ins Freudenhaus ein. Durch den ersten Abend am vergangenen Donnerstag führte der Schauspieler Johannes Rhomberg. Er kehrte dabei zu seinen Lustenauer Wurzeln zurück und las Geschichten aus 150 Jahren Vorarlberger Stickereigeschichte. Dabei spannte er einen Bogen von Franz Michael Felder über Beno Vetter bis hin zu Auszügen aus Protokollen des Nationalrats. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgte das Sutr-Egli-Jazzgerät.

Die Stickerei hat in Lustenau eine lange Tradition. Ursprünglich aus dem Raum St. Gallen ins Vorarlberger Rheintal importiert, werden seit 150 Jahren verschiedenste Stickereien industriell angefertigt. Begonnen hat all das in Lustenau mit den Brüdern Josef und Johann Hofer. Diese stellten 1869 in der Kapellenstraße die ersten Handstickmaschinen in Vorarlberg auf und fanden bald viele Nachahmer. In den nachfolgenden Jahrzehnten etablierte sich Lustenau als Hochburg der boomenden Maschinenstickerei.

Ganze Familien im Einsatz

Nicht vergessen sollte man jedoch die Tatsache, dass die Sticker lange Arbeitszeiten, Schichtarbeit, persönliches Risiko und eine schlechtere soziale Absicherung in Kauf nehmen mussten. Oftmals war die ganze Familie im Einsatz. Die Kinder wurden hauptsächlich zum Einfädeln eingesetzt. Die im Jahr 1968 stattgefundenen Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum der Maschinenstickerei in Lustenau mit etlichen Tanzabenden im Reichshofstadion und einem pompösen Blumenkorso spiegelten die damalige Jubelstimmung wider. Die 1970er- und 1980er-Jahre bescherten der Vorarlberger Stickereibranche sprichwörtlich goldene Zeiten: Im Zuge des nigerianischen Ölbooms fanden teure österreichische Stickereien unter dem Label Swiss Lace reißenden Absatz. LOA