Gericht: Acht Monate Haft für erfolglosen Waffendieb

16.05.2019 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte gab an, in den Wirren des Tschetschenienkriegs schwer traumatisiert worden zu sein. ECKERT

42-Jähriger versuchte, in Bregenzer Waffengeschäft eine Pistole zu stehlen.<br>

Christiane Eckert

Feldkirch Interesse für Waffen und gleichzeitig Waffenverbot – eindeutig zwei Dinge, die schlecht zusammenpassen. Der fünffach vorbestrafte Staatenlose hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Mit 15 wurde er im Tschetschenienkrieg durch einen Bauchschuss schwer verletzt, durch die Kriegswirren schwer traumatisiert. Später auf seinem Arbeitsplatz der nächste Schicksalsschlag – ein schwerer Unfall machte ihn zum Rehageld-Empfänger. Drogen säumten zusätzlich seinen Lebensweg. Zurzeit sitzt der Vater eines Kindes in Haft, erst im Dezember wurde er zum letzten Mal verurteilt. Sein Blick ist leer, das Gesicht mit Narben vom Krieg gezeichnet, zuletzt wohnte er im Kolpinghaus. So lange, bis ihn sein großes Interesse für Waffen in die Justizanstalt brachte.

Ungebetener Besucher

Immer wieder kam der Mann in das Bregenzer Waffengeschäft, sah sich diverse Dinge an und ging wieder. So auch am 25. März Jahres wieder. Dabei näherte er sich wiederholt Schaukästen, Schränken und Vitrinen und versuchte Ausstellungsstücke anzugreifen, was die Geschäftsfrau verständlicherweise nervte. Immer wieder untersagte sie ihm, Dinge zu berühren. Doch der 42-Jährige ignorierte dies.

Als Angeklagter am Landesgericht Feldkirch behauptet er selbst, er habe sich überhaupt nicht für Waffen interessiert. Viel mehr habe ein im Geschäft platziertes Bild, auf dem Enten zu sehen sind, seine Aufmerksamkeit geweckt. Der Mann, so die Zeugin, habe sich auf einen Stuhl gesetzt und alles genau beobachtet. Als sie einen Moment abgelenkt war, weil etwas zu Boden gefallen war, schlich der Mann zu einer Ablage und schnappte sich eine dort deponierte Neunmillimeterpistole.

Pistole versteckt

Er versuchte, die Faustfeuerwaffe in einem Katalog zu verstecken, der Lauf war jedoch sichtbar. Das Magazin fiel zu Boden, der Dieb wollte mit der Waffe, die einen Wert von 800 Euro hat, das Geschäft verlassen. Doch die Geschäftsfrau reagierte unverzüglich, ging auf ihn zu und forderte ihn auf: „Los, her mit der Waffe, aber sofort!“ Dann wollte der Mann weg. Die Zeugin schildert, wie sie anschließend die Polizei rief. Da kam der Dieb nochmals zurück und drohte zwei Mal mit erhobenen Fäusten: „Keine Polizei, sonst …“. Auf die Frage, ob sie Angst gehabt habe, sagt sie: „Ich habe schon viel erlebt, mein Vater wurde vor meinen Augen erschossen, ich habe halt reagiert.“ Der Angeklagte dementiert: „Ich habe in meinem Leben noch nie eine Frau bedroht.“ Bei der Hausdurchsuchung finden sich weitere Messer, ebenfalls strafbar. Alles in allem wird der Angeklagte zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.