Revolte gegen Bitschi bei den Blauen

16.05.2019 • 17:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
FP-Bundesrat Längle (l.) fährt mit schwerem Geschütz gegen Landesparteichef Bitschi auf. VN/Lerch
FP-Bundesrat Längle (l.) fährt mit schwerem Geschütz gegen Landesparteichef Bitschi auf. VN/Lerch

Götzner Freiheitliche werfen Landesparteichef Wortbruch vor und werfen Parteibuch in Papierkorb.

Götzis, Bregenz Bevorstehende Wahlen sorgen in den Parteien naturgemäß für ein Sesselrücken. Während die einen ihre gut dotierten Sitze in Gremien wie dem Landtag behalten wollen, drängen andere hinter den Kulissen auf wählbare Listenplätze. Dass im Hinblick auf die Bezirkslisten auch die Landespartei mitreden will, liegt auf der Hand. Dass dieses Kräftemessen zur Eskalation führen kann, macht die Ortsgruppe der Blauen in Götzis deutlich. Dort wollen nämlich fünfzehn Mitglieder der Ortsgruppe, darunter ein Gemeinderat und drei Mandatare, von der Landespartei mit Christof Bitschi (28) nichts mehr wissen und haben den Parteiaustritt erklärt. Als Grund für die dicke Luft werden „Unstimmigkeiten“ angeführt.

Vorrang für eine „Quotenfrau“?

„Christof Bitschi hat mich im Hinblick auf die Erstellung der Liste für die Landtagswahl belogen und Wortbruch begangen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Konsequenzen gezogen und sind aus der Partei ausgetreten“, bestätigt Christoph Längle (39), der als Bundes- und Gemeinderat jetzt ohne Parteibuch noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode tätig sein will. Dass Längle nach den Landtagswahlen nicht mehr Bundesrat sein wird, ist ihm gleichgültig. Er absolviert derzeit eine Ausbildung und will in naher Zukunft als Päda­goge in Feldkirch seine Brötchen verdienen. Ihm sei der dritte Listenplatz hinter Bitschi und Klubobmann Daniel Allgäuer(54) von Bitschi persönlich „fix versprochen worden“. Schlussendlich habe der Landesparteichef aber hinter seinem Rücken die Quereinsteigerin und Hausfrau Andrea Kerbleder (42) als „Quotenfrau“, so Längle, auf den dritten Platz gehievt. Was Längle noch mehr in Rage gebracht hat, war die Tatsache, dass ihm Bitschi ein gegenüber der Wählerschaft „unmoralisches Angebot“ unterbreitet habe.

War Wählertäuschung geplant?

„Bitschi bot mir den dritten Platz an, allerdings unter der Voraussetzung, dass ich schon vor der Wahl schriftlich zusage, dass ich nach der Wahl im Herbst auf den Stuhl im Landtag verzichte und wieder in den Bundesrat gehe. Das wäre aus meiner Sicht Wählertäuschung, daraus habe ich dann die Konsequenzen gezogen.“ Längle, der die Mandatsstärke der Blauen in Götzis in den letzten zehn Jahren verdoppeln konnte und sich seit rund 22 Jahren für die Partei engagiert, überlegt sich derzeit, ob er bei den Gemeindewahlen 2020 mit seinen Mitstreitern als Bürgerliste an den Start geht. Fazit des ganzen Wirbels: Die FP existiert am Kummenberg praktisch nicht mehr und wird sowohl im EU-Wahlkampf als auch im Landtagswahlkampf keine Mitstreiter in Götzis haben.

Landes-FP für neue Ortsgruppe

Bitschi selbst war für die VN nicht erreichbar. Dafür meldete sich Christian Klien (39) als Landesgeschäftsführer der Freiheitlichen. Er sei, so beteuert Klien, für die Organisation der Partei zuständig. „Den Vorwurf des Wortbruchs weisen wir strikt zurück. Es gab Debatten über die Listenplätze zur Landtagswahl. Weil Christoph Längle sich nicht auf dem von ihm gewünschten Platz wiederfand, ist er zurückgetreten“, sagt Klien. Längles langjährige Lebensgefährtin Kornelia Ender (53), die sich bisher für die Landespartei ins Zeug geworfen hat, hat übrigens ebenso gekündigt. „Für die Landespartei ist das Ganze sehr bedauerlich. Wir werden aber bereits in den nächsten Wochen eine neue Ortsgruppe in Götzis auf die Beine stellen“, geht der Landesgeschäftsführer davon aus, dass er trotz der Abgänge in der Kummenberggemeinde neue Sympathisanten finden kann.

„Christof Bitschi hat Wortbruch begangen und ich habe die Konsequenzen gezogen.“