Freiheitliches Tohuwabohu

17.05.2019 • 17:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Klubchef Allgäuer (l.) will „Verbindendes vor Trennendes“ stellen, Lorünser OG-Chef Schuh tritt vom Rücktritt zurück.  VN
Klubchef Allgäuer (l.) will „Verbindendes vor Trennendes“ stellen, Lorünser OG-Chef Schuh tritt vom Rücktritt zurück.  VN

Rumoren bei Vorarlbergs Blauen dauert an, Rücktritt vom Rücktritt in Lorüns.

Bregenz, Götzis, Lorüns In den Reihen der Vorarlberger Freiheitlichen rumort es weiterhin. Nach der Ortsgruppe Götzis, wo sämtliche Gemeindemandatare samt Bundesrat Christoph Längle ihre Parteimitgliedschaft niederlegten, meldete sich am Freitagmittag die Ortsgruppe Lorüns mit Obmann  Otto Schuh zu Wort. Schuh teilte den geschlossenen Austritt aller Gemeindevertreter mit. Die Gründe dafür: „Bedauerlicherweise entwickelt sind die Landes-FP in den letzten Jahren in eine Richtung, die für uns nicht mehr tragbar ist. Jene Vorgänge, die sich im Vorfeld der Landtagswahl 2014 im Oberland abgespielt haben, scheinen sich in ähnlicher Weise im Vorarlberger Unterland zu wiederholen.“

Alarmglocken in der Landespartei

In der Landespartei schrillten die Alarmglocken. Parteichef Christof Bitschi griff zum Handy und rief den gegen die Partei rebellierenden Schuh an. Dieser ruderte daraufhin zurück: Kurz vor 14 Uhr teilte Schuh den Rücktritt vom Rücktritt mit. „Kritikpunkte und Missverständnisse aus der ferneren Vergangenheit“, so der Ortsparteichef wörtlich, seien in einem Gespräch mit Bitschi ausgeräumt worden. Die Lorünser Freiheitlichen würden die Landespartei deshalb im Landtagswahlkampf „mit ganzer Kraft unterstützen“, beteuerte Schuh in seiner Erklärung an die Medien. Und was sagt eigentlich Landesparteichef Bitschi zum Vorwurf des Wortbruchs von Bundesrat Längle, den Parteiaustritten und dem laufenden Tohuwabohu in seiner Partei? „Klar ist, dass es bei notwendigen Erneuerungen und bei Listenerstellungen immer auch manche gibt, die unzufrieden und enttäuscht sind. Wenn sich diese dazu entschließen, sich aus der Partei zurückzuziehen, dann finde ich das nicht gut, aber es ist zu akzeptieren. Ich bin aber keiner, der Personen anpatzt, das ist nicht mein Stil“, versucht Bitschi die Wogen zu glätten.

„Listenerstellung ist sensible Zeit“

Er konzentriere sich mit seinem Team auf die politische Arbeit, sagt Bitschi und will naturgemäß wieder zur Tagespolitik übergehen: „Wir geben in Vorarlberg in den letzten Monaten die Themen vor. Diese Bewegung spüren auch die Menschen bei uns im Land. Und von diesem Weg werden wir uns auch von niemandem abbringen lassen.“ Dass Christoph Längle als einstiger Blauer nach der Landtagswahl nicht mehr im Bundesrat sitzen wird, lässt er durchblicken: „Wir werden nach der Landtagswahl im September den Weg der Erneuerung auch was die Nominierung für die Länderkammer betrifft, weitergehen und werden auch da gemeinsam eine gute Entscheidung treffen.“

Daniel Allgäuer schlägt als Klub- und Bezirksparteichef von Feldkirch in eine ähnliche Kerbe: „Listenerstellungen sind für alle Parteien eine sensible Zeit. Man denke nur an den Quasi-Rücktritt von Adi Gross als Klubchef oder an die Kampfabstimmung zwischen Daniel Zadra und Vahide Aydin, die ja Landtagskollegen bei den Grünen sind. Der Entschluss Längles zum Austritt ist zu akzeptieren“, betont Allgäuer, der nach dem abrupten Abgang aller vier Mandatare in Götzis möglichst rasch ein neues Team aufbauen will. „Grundsätzlich möchte ich aber immer das Verbindende vor das Trennende stellen.“

„Wenn sich Unzufriedene zurückziehen, finde ich das nicht gut, muss es aber akzeptieren.“