Vorarlberger Kuhküsser sorgt für Furore

17.05.2019 • 17:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zahlreiche Internetnutzer wollen derzeit nur eines: Kühe küssen. Auch Castl-CEO Marnus Flatz (oben) stürzt sich ins Rennen. OBS/CASTL AG

Internetnutzer küssen Kühe, Behördenvertreter sind empört.

Geraldine Reiner

Schwarzach Im Internet ist der Rinderwahnsinn ausgebrochen. „Küss eine Kuh – mit oder ohne Zunge“ lautet die Herausforderung, der sich Nutzer der Community-App Castl derzeit stellen. Damit sollen „Frühlingsgefühle der besonders tierischen Art“ verbreiten werden und gleichzeitig Geld für gemeinnützige Projekte und Organisationen gesammelt werden. Medien von Australien bis China berichten darüber. Behördenvertreter zeigen sich empört. Castl-CEO Marnus Flatz (42), ein gebürtiger Vorarlberger, will sich den Spaß allerdings nicht verbieten lassen.

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (40, ÖVP) hat bereits vor der „Kuh-Kuss-Challenge“ gewarnt. „Das ist kein Spaß und kann im schlimmsten Fall zu Verletzungen bzw. erneuten Zwischenfällen mit Mutterkühen auf Almen führen“, polterte die Ministerin und kündigte an, Kontakt mit den Initiatoren aufnehmen. Auch für Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (52) und den Vorarlberger Amtstierarzt und Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz Erik Schmid (62) geht das Kühe küssen auf keine Kuhhaut.

„Immer absurder“

„Es wird immer absurder mit welch verrückten und gefährlichen Aktionen Gelder für diverse Zwecke gesammelt werden. Dass dabei wieder einmal die Landwirtschaft und deren Bemühungen um die Alpsicherheit ins Lächerliche gezogen werden ist bedauerlich. Die Kühe sind keine Kuscheltiere und diese Art von Kuschelkurs-Challenge ist abzulehnen“, ärgert sich Moosbrugger gegenüber den VN.

Erik Schmid schlägt in eine ähnliche Kerbe. „Ganz nüchtern betrachtet, ist es eine ganz geschmacklose Instrumentalisierung von Tieren und einfach würdelos“, unterstreicht der Tierschutzexperte. Es sei eine ganz unnatürliche Annäherung von Mensch und Tier. Im Schweizer Tierschutzgesetz sei beispielsweise auch der Schutz der Tierwürde verankert, gibt Schmid zu bedenken. 

Marnus Flatz
Marnus Flatz

„Panikmache“

Castl-CEO Marnus Flatz möchte sich „die Panikmache von Leuten, die noch nie eine Kuh geküsst haben“ verbitten: „Es werden Hunde geküsst, es werden Katzen geküsst, es werden Pferde geküsst und ausgerechnet die Kuh, die uns so viel gibt, die soll nicht geküsst werden. Wie kommt es, dass die Kuh als nicht küssenswert erachtet wird“, fragt sich der 42-Jährige, der auf der Fluh aufgewachsen ist und dadurch laut eigenen Angaben über „sehr viel Expertise im Umgang mit Kühen“ verfügt. „Für mich ist es ein Riesengegacker um gar nichts“, sagt Flatz im VN-Gespräch. In den bisher erschienen Videos, seien die Kühe stets super knuffig, süß und harmlos gewesen. Wie bei allem müsse man auch hier ein gewisses Verhalten an den Tag legen. „Ich gehe natürlich nicht mit einem Hund Kühe küssen“, ergänzt er. Außerdem gäbe es so etwas wie eine persönliche Freiheit. „Es gibt Bergunfälle und ich darf trotzdem in die Berge gehen. Genauso wollen wir uns nicht verbieten lassen, die eine oder andere Challenge auszurichten“, betont der CEO, der neben dem Castl-Büro in der Schweiz auch ein Büro (Soundworks FM) in Wolfurt hat.

Bis nach China

Die Aktion zieht Kreise. Mittlerweile hätten unter anderem die „South China Morning Post“, „The New Zealand Herald“, „The Sun“, die „Huff Post“ und „The Guardian“ über die „Kuh-Kuss-Challenge“ berichtet oder Anfragen gestellt, heißt es aus dem Castl-Büro. Am Freitagvormittag ist auch eine E-Mail von Umweltministerin Elisabeth Köstinger eingetroffen, in der die Verantwortlichen „eindringlich ersucht“ werden, die Aktion zu beenden. Marnus Flatz denkt gar nicht daran: „Wir lassen uns den Spaß nicht verbieten, von Leuten die selber keinen Spaß haben. Wir küssen, wen wir wollen“, lässt er wissen.