Haft für diebische Altenpflegerin

Vorarlberg / 23.05.2019 • 08:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Haft für diebische Altenpflegerin
Die Angeklagte wurde am Landesgericht Feldkirch zu zwölf Monaten Haft verurteilt, drei davon unbedingt. ECKERT

33-Jährige stahl Schmuck und Geld und tischte die tollsten Mitleidstorys auf.

Feldkirch Es ist eine ganze Liste von Opfern, die angeben, bestohlen worden zu sein. Doch der Zeitraum, der überprüft werden muss, ist lang. Oft waren mehrere Pflegerinnen in den Familien, die Betroffenen sind alt, zum Teil dement oder verstorben. Nicht überall gelingt der Beweis, dass die 33-jährige, bislang unbescholtene Rumänin die Täterin ist. Doch in einigen Fällen wird sie am Landesgericht Feldkirch dennoch schuldig gesprochen und zu insgesamt zwölf Monaten Haft verurteilt. Drei davon muss sie sitzen, neun werden auf Bewährung ausgesprochen. Die Schadenssumme beträgt bei den Diebstählen 2800 Euro, beim Betrug über 3000 Euro. Seit März sitzt die Frau in U-Haft.

Quer durchs Land

Die Taten ziehen eine Spur durch fast alle Bundesländer. Die Frau wurde durch eine Agentur vermittelt. Je nach Pflegestufe des Betroffenen erhielt sie monatlich zwischen 1400 und 2100 Euro netto. Nach vier Wochen verließ sie die betreute Person und kehrte entweder wieder zur selben Stelle zurück oder wurde anderswo eingesetzt. Die Betreuten waren oft an die 90 Jahre alt, brauchten Hilfe und waren froh, eine Unterstützung gefunden zu haben. Als immer wieder Wertsachen verschwanden, erstatteten die Opfer Anzeige gegen Unbekannt. Als jedoch gehäuft dort Geld verschwand, wo die Frau im Einsatz war, begann man gegen die Rumänin zu ermitteln. Einige der Senioren konnten dann doch konkrete Angaben machen und so zog sich das Netz immer enger zusammen.

Auch was Darlehen betrifft, war die Frau um Geschichten nicht verlegen. Einmal war es ihre bevorstehende Hochzeit, für die sie Menschen um Geld bat, dann wieder Unkosten wegen ihres angeblich schwer erkrankten Mannes. Und schlussendlich war der Gatte laut Märchenerzählerin sogar verstorben und sie brauchte Geld für dessen Beerdigung. Man wollte die Frau nicht alleine lassen, lieh ihr Geld. Geld, das die Frau nie vorhatte, zurück zu zahlen.

Widersprüche

Die Frau versucht vor Gericht ihre Lügengeschichten zu rekonstruieren und als glaubwürdig zu schildern. Doch sie strauchelt und verliert selbst den Faden. Das Gericht sieht die bisherige Unbescholtenheit als wichtigsten Milderungsgrund an. „Ihre Taten sind jedoch besonders verwerflich“, so Richterin Sabrina Tagwercher in der Begründung. Die Rumänin wird wegen Diebstahl, gewerbsmäßigem Betrug und Veruntreuung schuldig gesprochen und zu zwölf Monaten, drei davon unbedingt, verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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