Gericht: Büro des Psychiaters im Wutanfall verwüstet

Vorarlberg / 24.05.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der großgewachsene junge Mann wurde zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt und wird weiter betreut. ECKERT

Psychisch Behinderter muss Strafe zahlen, Gefängnis oder Anstalt bleiben ihm erspart.

Christiane Eckert

Der Mann, um den es bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch geht, ist 22 Jahre alt. 2013 wurde er bereits einmal nach einer gefährlichen Drohung bedingt eingewiesen. Jetzt arbeitet in einer speziellen Betreuungseinrichtung fleißig in der Gärtnerei, wohnt gleich nebenan und hat einen strukturierten Tag. Regelmäßig nimmt er seine Medikamente, ist, so Gerichtspsychiater Reinhard Haller, optimal betreut. Doch Ende 2017 und im März 2018 war das noch nicht so. Damals klappte es mit der Impulskontrolle weit weniger gut und der junge Mann stellte einiges an und verletzte sogar zwei Polizisten.

Knapp verfehlt

Auch ein Bregenzer Psychiater, der seitens der Staatsanwaltschaft mit der Gutachtenerstellung beauftragt worden war, bekam die plötzlichen Stimmungsschwankungen des Patienten in seinem Büro zu spüren. „Der stellte so komische Fragen, das hat mich ganz wütend gemacht. Ein bisschen verletzen wollte ich ihn schon, schwer aber nicht“, gab der junge Mann vor der Polizei zu.

Heute kann sich der großgewachsene korpulente Angeklagte an nichts mehr erinnern und das scheint glaubwürdig. Er ist seit Geburt psychisch behindert und kann mit manchen Dingen schlecht umgehen.

Schwere Geschosse

Bei der Gutachtenserstellung warf der junge Mann plötzlich mit einer 20 Kilo schweren Stehlampe nach dem zuständigen Psychiater. Ein schwerer Sessel folgte, dann noch ein Buch, ein Ordinationshocker, ein Diktiergerät und eine schwere Glaskugel, die als Briefbeschwerer diente. Getroffen hat nur das Buch, wodurch der Mediziner einen blauen Fleck und ein paar Kratzer davontrug. Doch er hatte großes Glück. „Die Stehlampe kam wie aus dem Nichts, also völlig überraschend. Die Glaskugel verfehlte mich wirklich ganz knapp“, erzählt der Facharzt im Zeugenstand.

In einem Elektrogeschäft warf der Angeklagte Kaffeemaschinen und andere Haushaltsgeräte zu Boden, wodurch etliches zu Bruch ging. Schaden: 400 Euro. Als er bei einem geschlossenen Gasthaus für Ärger sorgte, kam die Polizei. Doch das Schwergewicht wehrte sich, Glas ging zu Bruch, ein Beamter schnitt sich, zwei Beamten erlitten kleinere Verletzungen. Dazu noch ein Diebstahl in einem Supermarkt. Alles in allem vier Monate bedingte Haft, 960 Euro Strafe, 2300 Euro Schadenswiedergutmachung. Laut Gericht muss sich der junge Mann weiterhin in dem Ausmaß betreuen lassen, wie es derzeit erfolgt.