Wahlsonntag in Vorarlberg: Warum den Vorarlbergern Europa wichtig ist

Vorarlberg / 26.05.2019 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Miriam Walla mit ihrem kleinen Felix. Die Dornbirnerin sieht die Europawahl auch als Akt für ihr Baby.VN/Steurer
Miriam Walla mit ihrem kleinen Felix. Die Dornbirnerin sieht die Europawahl auch als Akt für ihr Baby.VN/Steurer

Ob allein, mit Partner, mit Baby oder gar umsonst: Viele Menschen zog es am Sonntag zu den Wahlurnen.

Lustenau, Dornbirn, Schwarzenberg Wo ist Europa? In Lustenau findet man den Kontinent um acht Uhr früh in der noch verschlafenen kleinen Nebenstraße Am Schlatt. Dort steht der Mini des Kandidaten Christian Zoll vor dessen Elternhaus. Die Wahlwerbung für den 26-Jährigen dekoriert das Automobil breitflächig. Grinsend tritt Zoll vor die Tür. „Ich konnte erst um zwei Uhr nachts einschlafen“, lässt er wissen. Von Müdigkeit jedoch keine Spur. Federnden Schritts marschiert er mit seinem Wahlhelfer Daniel Mauch zu seinem Wahlsprengel in der Volksschule Rotkreuz. Auf dem Weg dorthin trifft er zwei Pensionisten, die ihn freundlich begrüßen. Wenig später begegnet ihm eine ältere Frau. „Kennen Sie den?“, fragt ein anderer Begleiter. „Eigentlich nicht“, sagt die Frau, „aber ich wähle ihn. Er ist ja hier überall auf den Plakaten.“ Zoll lacht, geht wählen und anschließend mit Freunden frühstücken.

Hätten gerne gewählt, aber durften nicht und waren deswegen verärgert: Tarkan Cili und Adriana Balazova.VN/Steurer
Hätten gerne gewählt, aber durften nicht und waren deswegen verärgert: Tarkan Cili und Adriana Balazova.VN/Steurer

Danach fliegt er nach Wien in die ÖVP-Zentrale. Dort wird er den Wahlkampf im Kreise seiner politischen Freunde mitverfolgen.

Zur Wahl nicht zugelassen

Kurze Zeit später in Dornbirn. Anja (28) und Lucas Hopfner (30) betreten das Wahllokal. „Nicht wählen bringt doch nichts“, begründet Anja ihren Auftritt an der Wahlurne. „Wir sind klare EU-Befürworter“, macht Lucas Hopfner klar. Nicht wählen zu gehen stand für uns gar nicht zur Debatte.“

Einen Steinwurf entfernt vor einem anderen Wahllokal: Schlecht gelaunt verlassen Tarkan Cil (45) und Adriana Balazova (30) das Lokal. „Wir durften nicht wählen. Ich bin Deutscher, Adriana Slowakin. In der Wahlinformation der Stadt Dornbirn stand nicht drin, dass wir als Nicht-Österreicher eine Wahlkarte unserer Heimatländer brauchen würden. Das finde ich nicht gerecht“, lässt Cil seinem Unmut freien Lauf.

Zufriedener ist da schon Miriam Walla (30). Die Dornbirnerin hat mit ihrem zwei Monate alten Baby Felix in der Babytrage soeben ihre Wahl getätigt. „Ich finde es wichtig, das man seine Stimme erhebt. Das gilt prinzipiell und in Zeiten wie diesen im Besonderen“, sagt Walla. Sie zeigt auf ihr Baby und fügt an. „Ich tu‘ das auch für ihn und seine Generation. Ich möchte, dass er in einem lebenswerten Europa leben kann.“

„Speziell in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dass man an der Urne seine Stimme erhebt.“

Miriam Walla, Wählerin

Europa in Schwarzenberg

Europa ist vor allem in Schwarzenberg. Dort leitet Bürgermeister Markus Flatz (52) im Wahllokal der Volksschule sein Wahlhelferteam, bestehend aus vier munteren Damen. „Hier ist viel Europa. Denken wir nur an Angelika Kauffmann. Die war ja auch eine Europäerin“, betont eine der Wahlhelferinnen nicht ohne Stolz.

Noch mehr Europa-Flair gibt es im Hirschen. Aus gutem Grund: Inhaber Peter Fetz ist der Lebenspartner der Neos-Kandidatin Claudia Gamon. Was sagt er zur Europawahl? „In Schwarzenberg heute gar nichts. Der Chef ist in Wien“, lässt eine Mitarbeiterin wissen.

Jassen und politisieren

Im Ochsen vis-à-vis ist Europa heute am Stammtisch ein nicht totzuschweigender Mitspieler der traditionellen Jasserrunde. Wie jeden Sonntag nach dem Kirchgang sitzen dort Herbert, Josef, Werner, Emil und Eduard beim Vorarlberger Spiel der Spiele zusammen.

Die Freunde politisieren. „Schon letzten Sonntag war die Politik mit am Tisch. Da haben die Kollegen über die dramatischen Ereignisse von Ibiza samt Folgen geredet. Bis ich gesagt habe: So, jetzt wird wieder gejasst“, erzählt Herbert.

Doch der politische Virus lässt sich dieser Tage nicht aus der Runde verbannen. Wie fast überall anders auch dreht sich in der Herrenrunde jedoch fast alles um die Innenpolitik. „Die Schwarzen werden im September zulegen, wenn die anderen jetzt den Kurz abwählen“, ist Josef überzeugt.

Und Europa? „Wir waren alle wählen, klar“, sagt Eduard. Viel mehr gibt es zum europäischen Urnengang für das Quintett nicht zu sagen. Da wird lieber noch eine Runde gejasst, ehe sich die fünf wie jeden Sonntag als letzte Gäste über den Hinterausgang von Wirt Alexander verabschieden.

Die Jasser vom Ochsen können sich derzeit nicht ausschließlich auf ihren liebsten Zeitvertreib konzentrieren.VN/Steurer
Die Jasser vom Ochsen können sich derzeit nicht ausschließlich auf ihren liebsten Zeitvertreib konzentrieren.VN/Steurer