Mehr Jäger-Engagement für den Naturschutz

Vorarlberg / 27.05.2019 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Landesjägermeister Christof Germann und sein Stellvertreter Sepp Bayer präsentierten die Vorarlberger Jägerschaft im Steinwildgehege des Feldkircher Wildparks. VN/Schweigkofler
Landesjägermeister Christof Germann und sein Stellvertreter Sepp Bayer präsentierten die Vorarlberger Jägerschaft im Steinwildgehege des Feldkircher Wildparks. VN/Schweigkofler

Vorarlberger Jägerschaft wirft zum 100-Jährigen Blick in die Zukunft.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Die Vorarlberger Jägerschaft ist die Interessenvertretung der aktuell rund 2500 Vorarlberger Jäger und Jägerinnen. Der Verein feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen, aus diesem Anlass wurde zu einem Pressegespräch in den Feldkircher Wildpark geladen. Die Aufgaben des Vereins sind die Organisation und Koordination sämtlicher Themen und Aufgaben im Zusammenhang mit der Jagd in Vorarlberg. Dazu gehören etwa die Aus- und Weiterbildung sowie Informationen und Serviceleistungen. Bekannt ist die Jägerschule, jedes Jahr machen rund hundert Personen die mehrmonatige Ausbildung zum Jäger, die sogenannte „Grüne Matura“.

Die Jägerschaft verstehe sich aber auch als Interessenvertretung der Wildtiere, betont Landesjägermeister Christof Germann. Er macht sich Sorgen um die Lebensräume des Wildes. Früher sei beispielsweise der Walgau für das Rotwild ein Sommerstandort gewesen, heute erreichen die Tiere das Tal gar nicht mehr. Und auch in den Bergen werde der Druck auf das Wild immer größer, so etwa durch Tourengeher oder auch E-Mountainbiker. „Wenn die Jagd eine Zukunft haben soll, müssen wir uns aktiv für die Lebensräume der Tiere einsetzen“, hält Germann fest. Deshalb werde die Jägerschaft in Zukunft viel stärkeres Engagement in Richtung Naturschutz setzen. „Wir Jäger sind die Anwälte und Botschafter der Wildtiere“, meint der oberste Jäger. „Der Sinn der zeitgemäßen Jagd liegt in der Nachhaltigkeit.“ Neben dem Naturschutz liege der Vorarlberger Jägerschaft auch das Tierwohl am Herzen. Deshalb gehe man auch gegen unethisches Verhalten, wie jüngst eine umstrittene Treibjagd im Großen Walsertal, vor. „Jäger sollten eine Vorbildfunktion in allen Fragen der Jagdethik und des Umgangs mit der Natur ausüben“, betont Germann. Zudem werde man verstärkt mit der Universität für Bodenkultur zusammenarbeiten, hier will man sich fachliches Wissen für die Weiterentwicklung der Jägerschaft holen. „Aggressiven“ Naturschutz wird die Jägerschaft wohl nicht betreiben. „Es gibt keine eindimensionale Sichtweise, alle Seiten müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten“, betont der Landesjägermeister.

Das Gamswild sei aktuell das Sorgenkind der Jägerschaft. 1100 Gämsen wurden im Vorjahr erlegt, man liege hier 30 Prozent oberhalb der Abschussplanung. Besonders junge Böcke würden geschossen, weil diese oft weiter herunter in Nutzwälder kommen, und dann wird von der Forstwirtschaft der Abschuss gefordert. „Das stellt einen Eingriff in die Geschlecht- und Altersstruktur des Gamswildes dar“, sorgt sich Germann.

Jagd wird weiblicher

Es gibt neue Trends. So gebe es zunehmend Absolventen der Jägerschule, die nicht aktiv Jäger würden, sondern die Ausbildung aus Interesse an Natur und ökologischen Zusammenhängen machen würden. Außerdem werde die Jagd weiblicher. Ein Drittel der Teilnehmer an der Jägerschule sind Frauen, heute ist jeder zehnte Jäger eine Frau. „Bei den Jägerinnen beobachte ich einen besonders umsichtigen und bedachten Umgang mit den Tieren“, streut Germann Rosen.

„Wenn die Jagd Zukunft haben soll, müssen wir uns für die Lebensräume der Tiere einsetzen.“

Landesjägermeister Christof Germann und sein Stellvertreter Sepp Bayer präsentierten die Vorarlberger Jägerschaft im Steinwildgehege des Feldkircher Wildparks. VN/Schweigkofler
Landesjägermeister Christof Germann und sein Stellvertreter Sepp Bayer präsentierten die Vorarlberger Jägerschaft im Steinwildgehege des Feldkircher Wildparks. VN/Schweigkofler