Claudia Gamon im Porträt: Mut zu großen Visionen

27.05.2019 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wenn man etwas wirklich wolle, dann müsse man das einfach tun, sagt Gamon. APA
Wenn man etwas wirklich wolle, dann müsse man das einfach tun, sagt Gamon. APA

Die Nenzingerin Claudia Gamon wird EU-Parlamentarierin.

wien „Dass ich die Möglichkeit bekommen werde, europäische Politik mitzugestalten, ist ein unglaubliches Gefühl“, sagt Claudia Gamon, die als neue Abgeordnete ins Europäische Parlament einzieht. Die 30-jährige Neos-Politikerin aus Nenzing ist davon überzeugt: „Die großen Fragen können nur auf EU-Ebene behandelt werden.“

Klare Ansage

Als österreichische Spitzenkandidatin holte Gamon 8,7 Prozent für ihre Partei (Ergebnis inklusive Briefwahlprognose von SORA vom Sonntagabend). Sie blickt auf einen fordernden Wahlkampf zurück. Die Vereinigten Staaten von Europa – mit dieser Zukunftsvision warb die Politikerin um Stimmen. Eine klare Ansage sei wichtig, sagt sie. Das würden auch Menschen schätzen, die anderer Meinung als sie seien. Mehr als einmal habe sie das schon im Wahlkampf erlebt. „Es gibt zu viele Parteien, die nicht aussprechen, was sie glauben und für was sie eintreten.“

„Will einen Beitrag leisten“

Sie selbst ist sich sicher: „Die Europäische Union ist das beste, was uns je passiert ist.“ Deshalb sei für sie der Wechsel ins Europäische Parlament in Brüssel beziehungsweise Straßburg auch so reizvoll. „Ich will einen Beitrag leisten, um dieses Projekt weiterzuentwickeln.“ Und wenn man wirklich etwas wolle, dann müsse man es einfach tun, glaubt die Neos-Politikerin.

Gamon nennt die Bundeshauptstadt schon länger ihr Zuhause. Nach der Matura am Gymnasium in Bludenz zog es sie wie so viele junge Vorarlberger nach Wien, wo sie an der Wirtschaftsuniversität Internationale Betriebswirtschaftslehre studierte. Ihren Masterabschluss machte sie in International Management.

Ruf nach Reformen

Schon während dem Studium war Gamon politisch tätig. Seit dem Jahr 2009 mischte sie bei den Jungen Liberalen (JuLis) mit. Somit war sie schon in deren Gründungsphase mit dabei. Bei den Wahlen zur österreichischen Hochschülerschaft trat Gamon zwei Mal als Spitzenkandidatin an, nämlich 2011 und 2013. Mit ihr schafften es die JuLis in die Bundesvertretung der ÖH. Nächste Station für die Nenzingerin war der Nationalrat: Mit gerade einmal 26 Jahren wurde sie im Jahr 2015 als Abgeordnete angelobt.

Nun wartet mit der Arbeit im Europäischen Parlament die nächste Herausforderung auf die 30-Jährige. Zu tun ist genug, bekräftigt Gamon. „Ich halte es für sehr wichtig, dass man generelle Reformen, wie die Europäische Union funktioniert, voranbringt.“ Es müsse auf Unionsebene einfacher werden, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Das Einstimmigkeitsprinzip im Rat hält Gamon aus diesem Grund für überholt. Es würden überhaupt viel mehr Menschen wieder an das europäische Projekt glauben, wenn sie sähen, dass etwas vorwärts geht, meint die Neos-Politikerin. Auch die Digitalisierung und den Kampf gegen den Klimawandel hält sie für zentrale Zukunftsfragen. So fordert sie beispielsweise eine CO2-Steuer auf EU-Ebene.

„Besser vorbereiten“

Dass sie wahrscheinlich eine der jüngsten Abgeordneten im neuen Europäischen Parlament sein wird, schreckt die Politikerin nicht, wie sie betont. Im Gegenteil. „Das bin ich schon gewohnt.“ Oftmals müsse man sich aber besser vorbereiten als andere Kollegen, um ernst genommen zu werden.

Gamon ist außerdem der Ansicht, dass es mehr Frauen in der Politik braucht. Was sie jungen politikinteressierten Mädchen mit auf den Weg geben könnte? Da muss sie nicht lange überlegen: „Wenn man eine große Chance bekommt, sollte man Ja sagen. Man muss die Gelegenheit am Schopf packen.“

Claudia Gamon

zieht für die Neos als Abgeordnete ins neue EU-Parlament ein.

Geboren: 23. Dezember 1988 in Feldkirch, aufgewachsen in Nenzing

Laufbahn: Ab 2009 bei den Jungen Liberalen (JuLis) tätig, Spitzenkandidatin 2011 und 2013 und Einzug in die ÖH-Bundesvertretung. Seit 2015 Nationalratsabgeordnete.