Özlem Tura pflückt im Akkord Erdbeeren – und macht das gern

Vorarlberg / 28.05.2019 • 10:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Özlem Tura mag ihre Arbeit bei „Beeren Winder“. KUM

Özlem Tura arbeitet seit 14 Jahren bei „Beeren Winder“ in Dornbirn.

Dornbirn Özlem Tura (33) ist seit Kindertagen an schwere, körperliche Arbeit gewöhnt. Ihre Eltern betrieben eine große Landwirtschaft. „Ich musste oft mithelfen. Wir haben Sonnenblumen, Zuckerrüben, Mohn und Äpfel angebaut.“

Die Arbeit auf dem Feld blieb nicht ohne Wirkung auf das Mädchen. Als es heranwuchs, stand sein Berufswunsch fest: Özlem wollte Gärtnerin werden, aber auch einmal eine große Familie haben. „Ich habe mir immer vier Kinder gewünscht.“ Mit 18 heiratete die junge Frau einen türkischstämmigen Österreicher. Sie verließ ihre türkische Heimat und gründete in Vorarlberg eine Familie. Mit 21 bekam sie ihr erstes Kind. Es folgten drei weitere, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Noch bevor die Türkin Mutter geworden war, begann sie im Jahr 2005 bei „Beeren Winder“ in Dornbirn zu arbeiten. „Mein Mann hatte dort einmal als Siebzehnjähriger eine Saison lang gearbeitet. Ich gärtnere gerne“, erzählt die ungelernte Frau, warum sie gerade dort tätig wurde.

Ständig auf den Knien

In ihrer ersten Saison pflückte sie ausschließlich Erdbeeren. Bei dieser Arbeit muss man ständig knien. Abends, nach mehr als acht Stunden auf dem Erdbeerfeld, schmerzten ihre Knie. Trotzdem: Der Türkin gefiel die Arbeit in der Natur, unter freiem Himmel. Deshalb kam sie jedes Jahr wieder. Mit der Zeit wurde ihre Arbeit immer abwechslungsreicher. „Es wäre langweilig, sechseinhalb Monate nur Erdbeeren zu pflücken. Aber nach den Erdbeeren werden die Himbeeren geerntet, dann die Brombeeren und die Johannesbeeren.“ Himbeeren pflückt Özlem übrigens am liebsten. Denn: „Da muss ich mich nicht bücken.“

Inzwischen unterstützt Özlem ihren Chef Martin Winder auch beim Pflanzen der Obstkulturen und beim Schneiden der Sträucher. Außerdem hilft sie bei der mühsamen Ernte von Spargel und beim Marmelade- und Saftherstellen. „Ich bin sehr zufrieden mit Özlem. Wenn ich nicht da bin, ist sie der Chef“, hat Martin Winder größtes Vertrauen in seine langjährige Mitarbeiterin. Die vierfache Mutter zählt zu seinen besten Arbeitskräften.

„Ich pflücke tausend Mal lieber Erdbeeren, als irgendwo putzen zu gehen.“

Özlem Tura, Beerenpflückerin

Özlem pflückt derzeit gerade Erdbeeren. Im Akkord. Das bringt mehr Geld. Die 33-Jährige schafft es, an einem Vormittag 120 Kilo zu lesen. Das ist Schwerstarbeit. Doch Özlem empfindet das nicht so. „Ich pflücke tausend Mal lieber Erdbeeren, als irgendwo putzen zu gehen.“ Das hat mit ihrer Liebe zum Gärtnern zu tun, aber auch damit, dass sie sich mit ihrem Chef bestens versteht. „Er ist für mich wie ein Bruder. Er kennt auch meine Träume.“ Winder verpachtete ihr kürzlich 40 Ar Boden. Özlem hat darauf Tomaten, Gurken, Salat, Paprika, Bohnen und Mangold angebaut. Das Gemüse will sie auf dem Markt verkaufen.

Genießt die freie Zeit im Winter

Auch zu Hause bewirtschaftet die vierfache Mutter einen kleinen Gemüsegarten. Und ein Blumenbeet. Denn Özlem liebt Blumen über alles. „Sie sind für mich das Schönste“, sagt sie und wendet sich wieder den süßen Früchten zu.

Die Feldarbeit wird die Türkin noch bis Ende Oktober begleiten. Dann verabschiedet sie sich in die Winterpause. „Ich genieße die freie Zeit im Winter. Denn dann kann ich mit meiner Familie mehr Zeit verbringen.“ Wenn der Frühling ins Land zieht, geht für sie die Arbeit wieder los. „Ich freue mich sowohl auf den Anfang der Saison als auch auf das Ende.“

Özlem Tura

geboren 25. Juli 1985 in Civril (Türkei)

Wohnort Dornbirn

Familie verheiratet, vier Kinder

Hobby Garten