Naturbelassene Flächen im Vormarsch

Vorarlberg / 02.06.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So sieht der Rheindamm aus, wenn sich dort Bienen und andere Insekten wohlfühlen.
So sieht der Rheindamm aus, wenn sich dort Bienen und andere Insekten wohlfühlen.

Rheindämme, Wegränder, begrünte Hausdächer: Man kann den Bienen überall Heimat schaffen.

Schwarzach Es fällt auf: In Gemeinde- und Stadtgebieten lassen sich immer mehr Grünflächen ausmachen, die nicht gemäht sind. Diese Grünflächen finden sich an Straßen- und Wegrändern und immer häufiger auch auf Dächern. „Ich fand es bedauerlich, dass einige Rheindämme unlängst zur Gänze abgemäht wurden“, sagt der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Zadra (34). Man habe ihn dann aber aufgeklärt. „Die Mahd an den zum Teil 100-jährigen Rheindämmen sei wichtig, um jederzeit den Zustand der Bauwerke erkennen zu können. Das ist im Sinne der Hochwassersicherheit natürlich nachvollziehbar“, fügt Zadra an. Allerdings müsste es nicht immer die ganze Fläche sein. „Laut Experten würde das Mähen des unteren Drittels zur Straße hin ausreichen, um die Sicherheitskriterien zu erfüllen“, glaubt Zadra. Bestätigt wird das von Rheinbauleiter Matthias Speckle. „Es wurde heuer an einigen Stellen versehentlich zu viel abgemäht. Wir werden die Situation im kommenden Jahr gemeinsam mit Experten wieder neu bewerten und nur dort mähen, wo es für die Hochwassersicherheit notwendig ist“, sagt Speckle.

34 Gemeinden in einem Projekt

Die Lust zur Bereitstellung von möglichst naturbelassenen Grünflächen hat vor allem einen Grund: die Schaffung von idealen Lebensbedingungen für Insekten und speziell natürlich für die Bienen. Seit Jahren ist das auch ein Anliegen des Landes. In der Umweltabteilung laufen diesbezüglich bei Christina Machold die Fäden zusammen. Seit zehn Jahren beschäftigt sich Machold mit dem Thema, seit acht Jahren gibt es Kurse für Gemeindemitarbeiter darüber, wie sie die öffentlichen Flächen insektenfreundlich anlegen können. „Am Projekt beteiligen sich mittlerweile 34 Gemeinden. Ich muss sagen, dass sich in diesem Bereich wirklich einiges getan hat“, freut sich Machold.

Unter den Kommunen gibt es einige Vorzugschüler, zum Beispiel Götzis, Göfis oder Rankweil. In Rankweil hat sich vor allem Altbürgermeister und Imker Martin Summer für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bienen stark gemacht. „Es wurden auf den neuen Flächen 127 Wildbienenarten gefunden“, freut sich Machold.

Neue Blühräume finden sich an vielen Straßenrändern. Beispiel Lustenau Millennium Park: Dort sind entlang der Straße bunte und artenreiche Flächen zu entdecken, ein Gourmetgebiet für Bienen und andere Insekten.

Politisches Blühen

Einen Schwerpunkt auf der Suche nach Blühflächen bilden künftig Dachbegrünungen. „Da ist vieles möglich“, hält Machold fest. „Wir waren gerade auf einer Exkursion in der Schweiz. Dort haben wir vieles entdeckt.“ Die Schaffung von Blühflächen auf Betriebs- und Gemeindegründen ist das eine, die Bewusstseinsbildung bei privaten Gartenbesitzern das andere. Für Letzteres ist der Verein „Blühendes Vorarlberg“ verantwortlich. „Wir zeigen in Exkursionen, welche Möglichkeiten Private zur Schaffung von insektenfreundlichen Flächen haben“, berichtet Simone König, Projektleiterin von „Blühendes Vorarlberg“. Politisch bearbeiten im Land das Thema die Grünen. Sie haben kürzlich einen Antrag unter dem Titel „Aktionsprogramm – Artenschutz – für ein blühendes Vorarlberg eingebracht“. VN-HK

„Wir zeigen in Exkursionen Privaten die Möglichkeiten zur Schaffung von Blühflächen.“