Schritt für Schritt zur Pension

Vorarlberg / 02.06.2019 • 18:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seiner Leidenschaft fürs Mountainbiken kann Heinz Drexel jetzt öfter frönen, und der Internist tut es aus gesundheitlichen Gründen auch. drexel
Seiner Leidenschaft fürs Mountainbiken kann Heinz Drexel jetzt öfter frönen, und der Internist tut es aus gesundheitlichen Gründen auch. drexel

Forschung und Lehre sind dem ehemaligen Spitalsarzt immer noch wichtig.

Dornbirn Seit er Ende 2016 als Spitalsarzt in Pension ging, ist Heinz Drexel aus der Öffentlichkeit fast gänzlich verschwunden. Der medizinischen Forschung blieb der langjährige Primar der Internen Abteilung im Landeskrankenhaus Feldkirch jedoch erhalten. Neben dem VIVIT-Institut, dem er als Geschäftsführer vorsteht, arbeitet Drexel als Ordinarius für Kardiologie und Stoffwechsel an der Privaten Universität Liechtenstein sowie als Senior Consultant der Angiografie am Universitätsklinikum in Bern. „Gegen Irrtümer in der Medizin ist die Forschung ein probates Mittel“, befindet der Internist und freut sich, dass mittlerweile eine bessere Verschränkung zwischen Wissenschaft und Praxis stattfindet. Dennoch hat sich in den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Primar nicht alles nur zum Guten entwickelt. Vor allem der fortschreitenden Spezialisierung steht Heinz Drexel skeptisch gegenüber. „Sie ist notwendig, aber sie darf nicht übertrieben werden“, mahnt er, den gesamtheitlichen Blick auf den Patienten nicht zu verlieren.

Wichtige Teamarbeit

Im Landeskrankenhaus Feldkirch wurden in den vergangenen Jahren eifrig große Stationen gesplittet. So besteht die Interne inzwischen aus drei Abteilungen. „Vielfalt in der Einheit“, nennt Drexel diese Maßnahme, die aus seiner Sicht jedoch erforderlich war. Nicht geändert hat sich laut dem Arzt aber die Notwendigkeit eines guten Teamworks. „Ein Leiter sollte sein Team motivieren, und umgekehrt sollte ein Team seinen Leiter inspirieren“, erklärt Heinz Drexel und spricht vom großen Glück, ein fantastisches Team gehabt zu haben. „Was gut ist, kann immer noch besser gemacht werden“, ergänzt er seine Sicht der Dinge. Allerdings hätten die Führungspositionen im Krankenhaus an Attraktivität verloren, ortet Drexel insgesamt weniger Führungswillen. „Man wird gestaltet und kann nicht mehr selbst gestalten“, nennt er einen Grund.

Mehr geworden sind hingegen die Leitlinien. „Sie machen die Medizin international.“ Heinz Drexel hat schon in vielen Kommissionen an der Erstellung solcher Leitlinien mitgearbeitet. Sie sind wie Leitschie­nen, entlang derer eine Behandlung erfolgen sollte. Die Zukunft sieht Drexel in der Präzisionsmedizin. Die Medizin werde immer individueller und persönlichkeitsbezogener. „Sie ist es teilweise heute schon“, sagt er.

Familie, Sport und Freunde

Trotz seines nach wie vor starken beruflichen Engagements geht Heinz Drexel nicht ausschließlich in Forschung und Lehre auf. „Sport, Familie und Freunde sollen schließlich auch von der Pensionierung profitieren“, meint er mit einem Schmunzeln. Das Mountainbike bewegt er jetzt jedenfalls deutlich öfter. „Langsam kann ich die Leitlinien, die dreimal pro Woche eine Stunde Sport empfehlen, einhalten“, stellt er zufrieden fest. Von gänzlich aufhören ist jedoch noch länger nicht die Rede. „Ich möchte meine Tätigkeiten langsam Schritt für Schritt abbauen“, hält Heinz Drexel diese Taktik in seinem Fall für die bessere. VN-MM

Zur Person

Univ. Prof. Heinz Drexel

Geboren 1951 in Dornbirn

Werdegang 1970 Matura in Dornbirn, Medizinstudium in Innsbruck, 1976 Promotion sub auspiciis praesidentis rei publicae, 1977 bis 1992 Facharztausbildung für Innere Medizin, Oberarzt in Innsbruck und Dornbirn, Universitätsdozent für Innere Medizin in Innsbruck, Oberarzt und Leiter Diabetologie Uni Innsbruck, Dozent am Universitätsspital Zürich, 1994 bis 2016 Primarius für Innere Medizin LKH Feldkirch, 1996 Gründung VIVIT Forschung am LKH Feldkirch, 2004 bis 2006 Chefarzt LKH Feldkirch, Ehrendoktorat und Univ. Prof. der Drexel University in Philadelphia, Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft

Familie verheiratet, zwei Kinder