Gratulation zum Geburtstag

04.06.2019 • 16:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Hörbranz Anna Antlinger (92) gehörte einer deutschsprachigen Minderheit an, als sie am 5. Juni 1927 in Serbien als Tochter des Ehepaares Beifuß geboren wurde. Die Stadt, in der sie mit ihren beiden jüngeren Brüdern aufgewachsen ist, hieß damals Weisskirchen (heute: Bela Crkva). Dort unterhielt ihre Mutter eine Trafik und hielt Kleintiere. Während der Kriegswirren geriet die deutschsprachige Minderheit unter Druck, es durfte nicht mehr Deutsch gesprochen werden. Annas Jugendzeit war von manchen traumatischen Erlebnissen geprägt. Am 1. Oktober 1944, Anna war damals 17-jährig, musste die Mutter mit ihr und ihren Brüdern, der jüngere war zehn, überstürzt vor den Russen flüchten. Ebenso die Schwester der Mutter mit ihren beiden Töchtern. Mitnehmen konnten sie fast nichts. Mama packte Lebensmittel ein, Anna rettete ein Fotoalbum. In einem offenen Güterwaggon kamen sie, vom Regen durchnässt, in Belgrad an, doch dort konnten sie nicht bleiben. Es ging weiter nach Wien, der kleine Bruder weinte um Brot. Weiter ging es in ein Lager und später auf einen Bauernhof in Grieskirchen in Oberösterreich. Anna fand dann bei einer Metzgerfamilie Arbeit als Kindermädchen. In Grieskirchen lernte Anna den aus der Gefangenschaft heimgekehrten Johann kennen, der bei der Landmaschinenfirma Pöttinger arbeitete. Als Anna zwanzig war, heirateten sie, auf ganz einfache Art, in geliehenen Sachen, sie hatten fast keinen Besitz. Die Söhne Norbert und Walter wurden in die Familie geboren, Annas Mutter und Brüder lebten inzwischen in Bregenz, dorthin kamen dann Anna und ihre Familie nach. Johann stellte sich bei der Firma Saurer in Arbon vor und wurde noch am selben Tag eingestellt. Als die Kinder größer waren, arbeitete Anna zehn Jahre bei der Firma Benger im Zuschnitt und anschließend 17 Jahre mit viel Freude im Verkauf bei der Firma Hofmann, Lederwaren und Spielsachen. Kurz vor Weihnachten 1960 konnten sie in ihr Eigenheim in Hörbranz ziehen, und so wurde Hörbranz zu ihrer zweiten Heimat. 1998 musste Anna den Verlust ihres lieben Johann hinnehmen. Anna konnte viele Jahre im Haus ihres Sohnes Walter am Haggen leben. Nun lebt sie alleine in einer schönen Wohnung in Hörbranz. Im Haushalt wird sie einmal wöchentlich unterstützt, zum Mittagessen geht sie unter der Woche ins Altersheim, am Wochenende ist sie bei ihrem Sohn zu Gast. Früher hat Anna sehr gerne gehandarbeitet, viel gestrickt und gehäkelt, wunderschöne Gobelinbilder sind unter ihrer Hand entstanden. Über ihr Jubiläum freuen sich Sohn Norbert mit Familie, die Enkel Bernd und Irina und Sohn Walter mit Familie, die Enkel Stefan und die Zwillinge Clement und Vinzent. Alle wünschen ihr das Allerbeste!