Jährlich Tausende Vermisste in Österreich

Vorarlberg / 04.06.2019 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hilfe auch für die Angehörigen vermisster Personen: Christian Mader, flankiert von seiner Ehefrau Eva Maria (links) und Heike Lampert (Sektion Vorarlberg). VN/GS

Kriminalist Christian Mader (51) hat sich mit dem Verein „Österreich findet euch“ der Suche nach Abgängigen verschrieben.

Schwarzach Zunächst zu den Fakten:  Im Jahr 2018 wurden in Österreich rund 11.000 Abgängigkeitsanzeigen erstattet, 97 Prozent der Fälle sind spätestens nach einem Monat gelöst worden.

Die Ungewissheit ist für die Angehörigen der vermissten Personen das Schlimmste. Und manchmal endet sie in einer tragischen Gewissheit. So wie im Fall einer 26-jährigen Lustenauerin. Knochenfunde im September des Vorjahres in Dornbirn konnten eindeutig der Abgängigen zugeordnet werden.

Ehrenamtliche Hilfe

Nun gibt es im Bundeskriminalamt das Kompetenzzentrum für Abgängige Personen (KAP), zu dessen wichtigsten Aufgaben der Kontakt mit den Angehörigen von Vermissten zählt. Aber es gibt auch den bundesweiten Verein „Österreich findet euch“, gegründet im Jahr 2015 von Christian Mader, Beamter im Bundeskriminalamt. Es ist eine private Organisation, bestehend aus Ehrenamtlichen, mehr als ein halbes Dutzend davon auch in Vorarlberg. Unter ihnen Heike Lampert (38) von der Sektion Vorarlberg, die sich unermüdlich an die Spuren von Abgängigen heftet, sobald offiziell Anzeige erstattet wurde.

Und das ist auch die vordringlichste Zielsetzung von „Österreich findet euch.“ Christian Mader sagt, dass sie zwar keine „Fahnder“ seien, doch würden sie im Fall von Abgängigkeitsanzeigen in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv werden. Und das nicht nur in allgemeinen Medien, sondern auch über Social Media wie Facebook und der eigenen Homepage. Natürlich werde auch sehr gut mit der Polizei kooperiert.

Der 51-Jährige weiß, dass es mehrere Gründe für Abgängigkeiten gibt. „Zu einer Hauptgruppe gehören Kinder und Jugendliche, die aus Abenteuerlust davonlaufen. Doch da kommen die meisten wieder zurück.“ Ein solcher Fall von „Challenge“ (Herausforderung) ereignete sich etwa Anfang 2018 im Vorarlberger Kinderdorf.

Psychologische Unterstützung

„Ernst wird es aber, wenn Personen aus unerklärlichen Gründen abgängig werden“, so Mader. Der Verein tritt in solchen Fällen auch mit den Angehörigen der Vermissten in Kontakt. Seine Mitglieder versuchen dann möglichst viel über die betreffende Person herauszufinden. Etwa, ob sie unter Depressionen leidet oder medikamentensüchtig ist. „Außerdem sind wir auch in seelsorgerischer und psychologischer Unterstützung für die Angehörigen ausgebildet“, fügt der hauptberufliche Kriminalist hinzu. Der Verein möchte betroffene Angehörige aufrufen, sich in einem Vermisstenfall an „Österreich findet euch“ (gleichnamige Homepage) oder in Vorarlberg direkt an Heike Lampert (Tel. 0664 5581 981) zu wenden.