Knochen aus Baugrube sind gut 500 Jahre alt

04.06.2019 • 15:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Mitarbeiter der Firma Talpa bei der archäologischen Untersuchung der Baugrube.  Talpa
Ein Mitarbeiter der Firma Talpa bei der archäologischen Untersuchung der Baugrube.  Talpa

Knochenfunde im Pfarrweg auf Ende des 15. Jahrhunderts datiert.

Lustenau Ende November 2018 wurden in Lustenau bei einer Baustelle im Pfarrweg etliche menschliche Knochenfragmente gefunden. Diese wurden damals geborgen und die Firma „Talpa – Büro für archäologische Dienstleistungen“ mit ihrer Untersuchung betraut. Die Ergebnisse der vom Historischen Archiv in Auftrag gegebenen Expertise sind nun da:  Die Gebeine stammen wahrscheinlich aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert.

Bei den auf dem Gelände der ehemaligen BAST (Bezirksabgabestelle) aufgefundenen Knochen handelt es sich um die Überreste von rund 15 Personen. Das Ergebnis einer Altersbestimmung, die von einem Labor in den USA gemacht wurde, besagt, dass das betreffende Individuum im Zeitraum zwischen 1445 und 1632 n. Chr. bestattet wurde. Ein Sterbedatum zwischen 1445 und 1524 ist am wahrscheinlichsten. Unter den Toten befanden sich hauptsächlich erwachsene Frauen und Männer, aber auch mindestens zwei Kinder. Auffällig ist, dass alle erhaltenen Schädelteile Hinweise auf Mangelernährung (erkennbar in den Augenhöhlen) zeigten und zahlreiche Unterschenkelknochen Veränderungen durch Infektionskrankheiten aufwiesen, was wiederum Rückschlüsse auf eine damals suboptimale medizinische Versorgung zulässt. Die verheilte Kopfwunde eines der männlichen Individuen könnte von einer kriegerischen Auseinandersetzung stammen. Vermutlich waren einige der Verstorbenen eng miteinander verwandt. 

Umgebettete Gebeine 

Woher die Überreste der Toten ursprünglich stammten, lässt sich nicht mehr sagen, da sie in einem Graben für ein Stromkabel aufgefunden wurden. Man kann  davon ausgehen, dass bei früheren Bauarbeiten im 20. Jahrhundert irgendwann in der näheren Umgebung ein Friedhof aus dem 15. oder 16. Jh. angeschnitten wurde. Dabei handelte es sich möglicherweise um einen  Sonderfriedhof (Zum Beispiel ein Pest- oder Söldnerfriedhof). Nachdem die Knochen dabei ein paar Tage an der Erdoberfläche lagen, entschloss man sich, sie an der heutigen Fundstelle im Kabelkanal wieder zu vergraben. Gut zu dieser Annahme passt auch ein mit den Knochen geborgener Wallfahrtsanhänger jüngeren Alters, der wohl von einem gläubigen Bauarbeiter bei der „Wiederbestattung“ im Kabelgraben dazu gelegt worden ist. 

Diese Knochen stammen von 15 verschiedenen Individuen. Gemeinde
Diese Knochen stammen von 15 verschiedenen Individuen. Gemeinde