Das Leben ist voller Überraschungen

Vorarlberg / 05.06.2019 • 17:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Wertschätzung und Liebe sind wichtige Zutaten für eine glückliche Ehe“, bestätigen Marlene und Ferdl Rusch. K. Lässer
„Wertschätzung und Liebe sind wichtige Zutaten für eine glückliche Ehe“, bestätigen Marlene und Ferdl Rusch. K. Lässer

Bregenz Auf 50 arbeitsreiche, aber auch glückliche Ehejahre blicken heute Marlene, geb. Gabler, und Ferdinand Rusch zurück. Ihren großen Tag feiern sie im Kreis der Familie, wo genau wissen sie nicht, denn die Kinder haben eine Überraschung für sie vorbereitet, aber voraussichtlich soll es nach Lindau gehen . . .

Das Jubelpaar stammt aus Bregenz. Marlene und ihr Zwillingsbruder kamen in der „Neue Heimat“-Siedlung zur Welt. Sie erlebte mit einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester behütete Kinderjahre und arbeitete nach dem Schulbesuch zuerst bei der Firma Wolf, wechselte dann zur Seidenweberei Rhomberg und war bis zur Hochzeit zuerst Stockmädchen im Unfallkrankenhaus Böckle und dann im Haushalt der Familie tätig. „Meine Tochter Elisabeth konnte ich nicht bei mir haben, ich musste ja arbeiten, und so habe ich sie in Pflege gegeben, das war sehr schwer für mich“, erzählt die Jubilarin.

Ferdls Wiege stand in der Heldendankstraße. Als er sechs Jahre alt war, zogen seine Eltern in das neu erbaute Haus in der Prälatendammstraße. Er besuchte die Volksschule Rieden und begann eine Wagnerlehre, die er wegen der Kriegswirren nicht abschließen konnte. Traurig berichtet er, dass sein Vater wohlbehalten aus dem Krieg zurückkam, dann von der Besatzung als Kriegsgefangener nach Frankreich deportiert wurde und auf dem Weg dorthin verstorben ist. Seine Mutter stand nun mit acht Kindern alleine und ohne Unterstützung da, und so musste er als Ältester die Mutter finanziell unterstützen. Fünf Jahre arbeitete er in der Kammgarn und ab 1952 bei den Bundesbahnen beim Oberbau im Verschub, wo er 1956 einen schweren Unfall hatte, im Stellwerk, beim Schrankendienst und 16 Jahre in Lustenau als Springer. 1975 kam er zurück nach Bregenz zur Signalerhaltung und 1981 nach dem Bau des Güterbahnhofs nach Wolfurt. 1988 ging er in den ÖBB-Ruhestand, nahm einen Aushilfsjob in einem Lebensmittelkonzern in der Schweiz an, wo es ihm sehr gut gefiel. Nach einem nicht entdeckten Herzinfarkt mit 64 und gesundheitlichen Einschränkungen beendete er mit 65 Jahren sein Arbeitsleben.

Familiengründung

Begonnen hat alles im „Heidegger“, wo Marlenes Bruder arbeitete und Ferdl gelegentlich einkehrte. Im Fasching 1969 kamen sie sich bei einer Veranstaltung näher. Ferdl war schon zwei Jahre verwitwet und ihm gefiel die quirlige Marlene auf Anhieb. „Wir sind im Februar zusammengekommen und ich war gleich schwanger. Ferdl meinte, ,dann heiraten wir’, was wir am 6. Juni 1969 standesamtlich taten“, verrät Marlene. „Gewohnt haben wir in Ferdinands Haus, das er 1959 gebaut hatte, und ich konnte Elisabeth nach der Geburt unseres Helmut endlich zu mir nehmen, 1976 haben wir unsere Tochter Carmen in die Arme geschlossen.“ Die Rollen waren im Haus Rusch gut verteilt, Ferdl war für das Finanzielle zuständig, Marlene für den Haushalt, die Erziehung der Kinder und das Wohlergehen ihres Mannes. Es blieb wenig Freizeit und an Urlaub war nicht zu denken, denn das Haus musste abbezahlt werden und drei Kinder benötigten auch einiges. Erst nachdem Ferdl in der Schweiz arbeitete, gönnte sich das Paar Urlaube in der Wachau, in Südtirol und der Südsteiermark, wo es ihm sehr gut gefiel und es sich gut erholte. Öfter kehrten sie beim „Weiss Annele“ oder im Gasthaus Schendlingen ein, doch nachdem einer nach dem anderen gestorben ist, sind sie auch nicht mehr hingegangen.

Ruhige Jahre

Da Reisen für Ferdl zu anstrengend geworden ist, er schnell außer Atem gerät und auf sein Herz achten muss, genießen die Jubilare den Ruhestand in ihrem gemütlichen Heim und schönen Garten. Gemeinsame Einkäufe einmal die Woche, sonst ist Ferdl dafür zuständig, Mittagessen im Sozialzentrum oder in einem Gasthaus sind inzwischen zur Gewohnheit geworden. Marlene als Perfektionistin „pützalat“ im und ums Haus herum, während Ferdl den Garten in Schuss hält und es ruhig angeht. „Wir passen gut zusammen, ich bin temperamentvoll und Ferdl der ruhige Pol“, erklärt Marlene, und Ferdl ergänzt: „Am besten, man lässt sie reden, sie hört von selbst auf. Wir lieben und schätzen uns, wir hätten beide kein besseres Gegenstück bekommen können.“ Die sechs Enkel (einer ist leider schon gestorben), vier Urenkelkinder sowie die Kinder und ihre PartnerInnen freuen sich auf einen gemeinsamen gemütlichen 50. Hochzeitstag, der am 8. Juni gebührend gefeiert wird.

Ein glückliches Paar.privat
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