Gericht: Falsche Fünfziger in Wettlokalen verspielt

Vorarlberg / 05.06.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte vor Richter Richard Geschwendter am Landesgericht Feldkirch. ECKERT

Die Geschichte vom großen Unbekannten, der am Bahnhof Geld verkaufte, glaubte bei der Verhandlung niemand.

Christiane Eckert

Feldkirch Der 36-Jährige Angestellte wohnt in der benachbarten Schweiz und verdient monatlich 4300 Schweizer Franken netto. Dennoch hat der Mann 35.000  Franken Schulden. Der zweifache Vater besuchte regelmäßig Casinos, dann wurde er gesperrt, weil er die Sache nicht mehr im Griff hatte. Der Spielsüchtige absolvierte in der Schweiz eine sechswöchige Suchttherapie, danach ging eine Weile alles gut. „Dann begann es mit den Wettlokalen“, erzählt er, nun wegen Weitergabe nachgemachten Geldes angeklagt am Landesgericht Feldkirch. Fast täglich fuhr der Mann nach Vorarlberg und verspielte Geld. Dort nimmt man als Wetteinsatz zwar auch Franken, da der Kurs aber äußerst schlecht sei, habe er bereits in der Schweiz gewechselt, wenn er vorhatte, erneut ein Spielchen zu wagen.

Abenteuerliche Geschichte

Ende Februar besuchte er wieder einmal sein Stammlokal. Ausgestattet mit einem Bündel 50-er Scheinen. Doch die waren falsch. Prinzipiell nicht schlecht fabriiert, doch blass in der Farbe. Bei gutem Licht ist der Unterschied zu echten Scheinen erkennbar. Im schummrigen Wettlokal fiel der Schwindel zunächst nicht auf. Erst als eine Angestellte die Abrechnung machte, wurde man auf das Falschgeld aufmerksam. Die Frauen erinnerten sich an jenen Stammgast, der äußerst auffällig seine Wetten setzte. Sie riefen ihn an und stellten ihn zur Rede. Der Mann stritt alles ab. Eine Angestellte setzte ihm ein Ultimatum: Wenn er den Schaden begleiche, würde sie von einer Anzeige absehen. „Das müsst ihr mir erst einmal beweisen“, meinte er und die Frau erstattete Anzeige. Als der Mann die 650 Euro in echten Scheinen brachte, war es zu spät, die Ermittlungen hatten bereits begonnen.

Kriminelle Wechselstube

Der 36-Jährige bekennt sich nicht schuldig. Er habe das Geld in Heerbrugg am Bahnhof von einem Unbekannten gekauft. Der Mann habe 1000 Euro gebraucht, er selbst habe zufällig gerade 1000 Franken in der Tasche gehabt. So sei der Wechsel zustande gekommen. Dass der Unbekannte bei dem Kurs rund 100 Euro verschenkte, habe ihn nicht stutzig gemacht. „Der hat das Geld vermutlich dringend gebraucht“, so der Angeklagte. So viel Geld habe er zufällig gehabt, weil er am Vortag gewonnen hatte. Doch der Gewinn war ja in Euro, doch auch dafür hat der Mann eine Erklärung. „Ich habe den Gewinn so schnell wie möglich an einem Automaten in Franken rückgewechselt, als Absicherung, dass ich es nicht gleich verspielen gehe“, sagt der Beschuldigte. „Das ist alles so was von abstrus“, kommentiert die Staatsanwältin die Geschichte. Der Richter glaubt sie auch nicht, so endet der Fall mit einer Strafe von 4200 Euro unbedingter Strafe, 4200 werden zusätzlich auf Bewährung ausgesprochen.