Tod in der Schneehöhle

Vorarlberg / 05.06.2019 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Polizeihubschrauber „Libelle“ vor Ort im Einsatz. BR Mittelberg
Der Polizeihubschrauber „Libelle“ vor Ort im Einsatz. BR Mittelberg

Deutsches Urlauberpaar bei Alpinunfall am Widderstein tödlich verunglückt.

Mittelberg Es begann mit Orientierungslosigkeit: Am Dienstag gegen 15 Uhr unternahm eine dreiköpfige deutsche Wandergruppe eine Bergtour rund um den Widderstein. Es war in der Nähe der Neuen Hochalphütte, als die Deutschen in ein großes Schneefeld gerieten und dabei den Wanderweg aus den Augen verloren. Und damit nahm das Unglück seinen Lauf.

Verhängnisvoller Rettungsversuch

Auf der Suche nach dem Weg rutschte die 40-jährige Wanderin aus Hannover aus und stürzte in ein Schneeloch. Ihr 41-jähriger Partner und der dritte Begleiter versuchten sofort, die Frau zu bergen und stiegen hinterher.

Doch das sollte auch dem 41-Jährigen zum Verhängnis werden: Wie seine Partnerin glitt auch er auf dem Schnee aus, stürzte in die Mulde und verschwand im Wasser des Gebirgsbaches, der unter der beinahe sechs Meter dicken Schneedecke verläuft und derzeit sehr viel Wasser führt.

Notruf abgesetzt

In der verzweifelten Situation erlitt der Begleiter, der kein Handy mit sich führte, einen Schock. Es gelang ihm jedoch, leicht verletzt ins Tal abzusteigen und von dort einen Notruf abzusetzen. Kaum eine halbe Stunde später befanden sich bereits 50 Bergretter aus Mittelberg, Riezlern und Warth, die Alpinpolizei Kleinwalsertal, der Notarzthubschrauber C 8, der Polizeihelikopter Libelle und drei örtliche Canyonführer samt Kanalkamera vor Ort im Großeinsatz. Eine so ungewöhnliche wie dramatische Suchaktion sollte beginnen. In der nervenaufreibenden Gewissheit, im Wettlauf mit der Zeit zu sein, wurde zu Mitteln wie Dampfkameras gegriffen. Auch eine Hundestaffel kam zu diesem fieberhaften Einsatz, der um 23 Uhr abgebrochen und Mittwochfrüh wieder gestartet wurde. Doch von den Vermissten fehlte jede Spur. Auch eine Handypeilung blieb beim erfolglosen Versuch. Als Einsatzleiter vor Ort fungierte der Mittelberger Bürgermeister und Bergretter Andi Haid.

Im Gespräch mit den VN kündigte er am Mittwochvormittag auch die Anforderung eines sogenannten Schreitbaggers an, mit dem im Bedarfsfall rasch große Mengen an Eis und Schnee abgetragen werden können. „Wir haben auch Hilfskräfte aus St. Johann in Tirol angefordert“, ergänzte er. Am Mittwoch gegen 14 Uhr endete die Suchaktion schließlich mit einem tragischen Ergebnis. Einsatzleiter Haid zu den VN: „Die Canyoning-Führer konnten die beiden Verunglückten gegen 14 Uhr im unterirdischen Bach sichten, etwa 30 Meter von der Unfallstelle, Sie waren bereits tot. Für ihre Bergung musste sechs Meter tiefer Schnee abgetragen bzw. abgefräst werden.“ Die konkrete Todesursache des Urlauberpaars ist Gegenstand weiterer Ermittlungen.

„Die Canyoning-Führer konnten die Verunglückten im unterirdischen Bach sichten.“