Neuer Anlauf für Asylwerber in der Lehre

Vorarlberg / 06.06.2019 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hasan hat seine Lehre abgeschlossen. Jetzt muss er bangen. VN/Paulitsch
Hasan hat seine Lehre abgeschlossen. Jetzt muss er bangen. VN/Paulitsch

Neos starten neuen Versuch im Nationalrat. 42 Asylwerber absolvieren in Vorarlberg noch eine Lehre.

Schwarzach Hasan hat es geschafft. Der Koch im Hotel Krone in Dornbirn ist nun offiziell ausgebildet. Doch statt Freude über den Lehrabschluss überwiegt die Angst. Hasans Asylgesuch wurde abgelehnt, seine Beschwerde läuft in zweiter Instanz. Da es derzeit keine Möglichkeit gibt, dass ausgebildete Fachkräfte mit negativem Asylbescheid bleiben dürfen, befürchtet er das Schlimmste.

Der Koch aus Dornbirn ist einer der letzten Asylwerber, die eine Lehre abschließen dürfen. Aktuell befinden sich in Vorarlberg noch 42 Asylwerber in einer Ausbildung. Seit Herbst sind keine neuen mehr dazugekommen, eine entsprechende Erlaubnis hat die frühere Bundesregierung gestrichen. Das Vorarlberger Wirtschaftsparlament forderte darauf, den Beschluss zurückzunehmen. Auch im Vorarlberger Landtag pochten alle außer der FPÖ auf eine neue Regel. Ein Vorschlag war, das deutsche „Drei plus Zwei“-Modell umzusetzen, wonach Asylwerber im Anschluss an ihre Lehre zwei Jahre weiterarbeiten dürfen. Danach soll ihr Ansuchen neu bewertet werden.

Neuer Versuch

Die Bundesregierung ist bekanntlich Geschichte, was die Neos im Nationalrat zu einem neuen Anlauf motiviert. Sie appellieren an den neuen Innenminister Wolfgang Peschorn, die Abschiebung von Asylwerbern auszusetzen, die eine Lehre absolvieren. Nächste Woche wollen die Neos zudem im Nationalrat eine Mehrheit suchen, um ein Gesetz zu beschließen, das die Lehre für Asylwerber wieder erlaubt. Unterstützung kommt von Anton Strini, Vorarlbergs Flüchtlingskoordinator. „Das wäre eine wesentliche Hilfe in der Integration.“ Er schätzt, dass 80 bis 100 Asylwerber im Land eine Lehre beginnen könnten, sollte das wieder erlaubt sein.

Laut Auskunft des Landes leben in Vorarlberg derzeit 709 Asylwerber, die sich in einem laufenden Verfahren befinden, wobei 67 auf einen erstinstanzlichen Bescheid warten. Bei den anderen läuft bereits das Beschwerdeverfahren in zweiter Instanz. In den Quartieren der Caritas Flüchtlingshilfe leben insgesamt 1460 Personen, wie Bernd Klisch von der Caritas erläutert. „Die Anzahl ist stark rückläufig. Jeden Monat ziehen rund 50 Personen aus, weil sie eine Wohnung gefunden haben. Viele finden schnell eine Arbeit, was eine erfolgreiche soziale und berufliche Integration zeigt.“ Deshalb schließe die Caritas jede Woche ein Quartier.

Aktuell leben auch 95 Flüchtlinge in Vorarlberg, die einen rechtskräftigen negativen Asylbescheid in der Tasche haben. Sie müssen das Land verlassen, sofern es eine Möglichkeit dazu gibt. Nicht immer nehmen Herkunftsländer die Geflohenen zurück. 150 Personen gelten zudem als verschwunden. Sie haben ihr Quartier verlassen. Manche davon versuchen ihr Glück in anderen Ländern und kehren freiwillig oder unfreiwillig zurück, andere gar nicht mehr.

Hasan zählt nicht zu den rechtskräftig abgelehnten Asylwerbern. Er hofft auf die zweite Instanz; oder darauf, dass der Nationalrat gut integrierten Fachkräften wie ihm ermöglicht, doch noch zu arbeiten.