Gericht: 38-Jähriger filmte Jugendliche beim Sex

Vorarlberg / 07.06.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Prozess gegen den Angeklagten (hier mit Verteidiger Florin Reiterer) musste wegen Sprachproblemen vertagt werden. ECKERT

Strafrahmen bis zu drei Jahren Haft machen die Sache zu einer ernsten Angelegenheit.

Christiane Eckert

Feldkirch Der 38-Jährige kam nach Österreich, weil in seiner Heimat Bombenangriffe an der Tagesordnung sind und viele seiner Verwandten dabei umkamen. In Österreich fand der gelernte Journalist bislang weder Job noch Anschluss. Als ein paar Jugendliche mit ihm Kontakt pflegten und nicht ungern in seine Wohnung kamen, um dort gemeinsam abzuhängen, kam der Mann auf eine Idee, die ihm nun ein Strafverfahren wegen pornografischer Darstellung Minderjähriger bescherte.

Eifersüchteleien

Im Hintergrund der Geschichte stehen zwei junge Damen, die Gefallen an demselben jungen Mann fanden. Als die zwei Teenager miteinander stritten, entschied sich die 14-Jährige, der Kollegin den Freund auszuspannen. Die Jugendliche traf den 15-Jährigen in der Bregenzer Wohnung des Angeklagten. Dort begaben sie sich in das Schlafzimmer des Erwachsenen und tauschten Intimitäten aus. „Ich habe mit dem Jungen geschlafen, weil ich mit meiner Kollegin gestritten hatte“, sagte der Teenager später bei der Polizei. „Während wir im Bett lagen, kam der Angeklagte mindestens fünf Mal ins Zimmer“, gab das Mädchen zu Protokoll. Auf einem Kästchen stand ein Tablet, das zeichnete die sexuellen Aktivitäten auf. Drahtzieher der ganzen Sache war der Wohnungsbesitzer. Der gibt auch zu, gefilmt zu haben, behauptet aber, er habe nicht gewusst, dass die beiden noch minderjährig sind.

Falsch eingeschätzt

Der Angeklagte, der nur dürftig Deutsch spricht, gibt bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch an, er sei überzeugt gewesen, dass die beiden älter sind. „Das Mädchen hat Alkohol und Zigaretten im Spar gekauft“, behauptet er. Außerdem ist die Rede von einem Ausweis, in dem verbrieft sei, dass die junge Dame 18 Jahre alt ist. „Mein Mandant weiß, dass er einen Fehler gemacht hat, ihn belastet die Sache sehr“, sagt Verteidiger Florin Reiterer. Der 38-Jährige habe aufgrund der Kriegserlebnisse immer wieder Panikattacken, müsse nach Rankweil ins Krankenhaus und nehme Medikamente. Seit das Verfahren anhängig ist, sei es noch schlimmer, so Reiterer.

Noch alles offen

Aufgeflogen ist die Sache, weil eines der Mädchen auf dem Tablet zufällig das Sexvideo fand. Sie war außer sich, zu sehen, wie ihr Schwarm mit einer anderen Sex hat. Beschimpfungen folgten, auch die Drohung, den Film ins Netz zu stellen, damit alle sehen, was für eine Hure die 14-Jährige sei. Wegen der mangelhaften Deutschkenntnisse des Mannes wurde der Prozess vertagt, ein Dolmetscher muss kommen. Ob allenfalls eine Diversion infrage kommt, ist offen. Allerdings müsste dafür eine geständige Einsicht vorliegen und die Staatsanwaltschaft müsste diese Lösung akzeptieren. In drei Wochen geht der Prozess weiter.