Gericht: Schussattentat auf Bregenzer Waffengeschäft

Vorarlberg / 07.06.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der 20-jährige Beschuldigte widerrief vor Gericht die Angaben, die er ehemals vor der Polizei gemacht hatte. ECKERT

Vorbelasteter Angeklagter bestreitet, in der Bregenzer Innenstadt geschossen zu haben.

Christiane Eckert

Feldkirch Der 20-Jährige hat zwei Vorstrafen wegen unbefugten Gebrauchs eines Fahrzeuges, ansonsten aber nichts auf dem Kerbholz. Im vergangenen März war der gelernte Koch jedoch gemeinsam mit seinem Stiefvater auf Einbruchstour. In einem Kellerabteil eines Hauses brach das Duo einen Waffenschrank auf und stahl dort einen Revolver. Die Waffe war mit der Munition in einem speziellen Waffenschrank gelagert und versperrt. Den brachen die beiden Ganoven mit einem Brecheisen auf und nahmen beides heraus. Sie räumten die Diebsbeute in ihr Kellerabteil.

Neue Version

Etwas später sorgte eine zerborstene Scheibe in einem Bregenzer Waffengeschäft für Verwunderung. Ein Einschussloch, von den Tätern fehlte jede Spur. Doch es gab Videobilder von einer angrenzenden Kamera. Darauf waren die Männer zu sehen. Die Bilder wurden von den Medien veröffentlicht, da entschieden sich die beiden Männer, sich zu stellen. Die Bilder zeigen allerdings nicht, wer geschossen hat. Und so tauchte am Freitag bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch eine neue Version der Geschichte auf.

Stiefvater geschützt

Der 20-Jährige hatte damals vor der Polizei angegeben, er habe geschossen. Im Prozess behauptet er allerdings, dass nicht er, sondern sein Stiefvater die Schüsse aus dem gestohlenen Revolver abgefeuert habe. „Er sagte, dass ich ihn schützen soll“, gibt der junge Mann an.

Das Projekt hinterließ ein fingerdickes Loch in der Auslagenscheibe. VN/GS
Das Projekt hinterließ ein fingerdickes Loch in der Auslagenscheibe. VN/GS

Das Motiv für die Schüsse: angeblich eine weitere geplante Straftat. „Mein Stiefvater wollte auch in das Waffengeschäft einbrechen“, so der junge Mann. Bestätigt wird diese Version von der Freundin des jungen Angeklagten. „Das stimmt so, nicht mein Freund, sondern sein Stiefvater hat geschossen“, so die Zeugin.

Noch offenes Rätsel

Somit bleibt die Frage, wer im März eine Kugel auf das Waffengeschäft abgefeuert hat, zunächst unbeantwortet. Um Verfahrensverzögerungen zu vermeiden, wird vor Gericht zunächst der Einbruchsdiebstahl in den Waffenschrank sowie der unerlaubte Waffenbesitz erledigt. Diesbezüglich zeigt sich der Junge geständig, wenngleich er immer wieder betont, dass der Stiefvater der Drahtzieher gewesen sei. Er habe die Waffe nur ganz kurz in Händen gehabt, nur ein bisschen die Tür aufgehalten und so weiter.

Eine Videokamera hielt eine Gruppe mit den mutmaßlichen Tätern auf einer Aufzeichnung fest.
Eine Videokamera hielt eine Gruppe mit den mutmaßlichen Tätern auf einer Aufzeichnung fest.

„Mein Mandant war damals unter 21 Jahre alt und ist geständig“, plädiert Verteidiger Jürgen Nagel für ein mildes Urteil. Als Strafe werden 3840 Euro verhängt, dazu kommen 1500 Euro Schadenersatz für die Einbruchsschäden und 250 Euro Verfahrenskosten. Weiters werden drei Monate bedingte Haft verhängt. Das Urteil ist rechtskräftig.