Herz und Seele eines Ortes

Vorarlberg / 07.06.2019 • 18:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Max Danner hat Gertraud Pinkelnig von ihrer Mutter Erna Hilbe (Bild unten) übernommen. Sie führte es mehr als drei Jahrzehnte. VN/Lerch, Volare Risch-Lau
Das Max Danner hat Gertraud Pinkelnig von ihrer Mutter Erna Hilbe (Bild unten) übernommen. Sie führte es mehr als drei Jahrzehnte. VN/Lerch, Volare Risch-Lau

Gasthäuser bilden seit jeher wichtige gesellschaftliche Treffpunkte.

Dornbirn, Göfis Immer mehr Gasthöfe in Vorarlberger Orten verschwinden – und damit auch die Geselligkeit. „Stirbt der Wirt, stirbt das Dorf“, lautet ein bekannter Spruch. Seit jeher stellen Gasthäuser den gesellschaftlichen Mittelpunkt eines Dorfes dar. Man traf sich zum Essen und Trinken, Kartenspielen oder um Feste zu feiern.

Das Schäfle, das zwar offiziell so hieß, aber besser bekannt als Max Danner war, war über Jahrzehnte hinweg ein solcher Treffpunkt für Menschen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten. Gertraud Pinkelnig führte das traditionelle Gasthaus in Dornbirn-Hatlerdorf im alten Stil über 30 Jahre lang mit Leib und Seele. 1982 hat Pinkelnig das gemütliche Gasthaus behutsam renoviert. „Den ursprünglichen Charakter und den typischen Charme der Stuben zu bewahren, war mir sehr wichtig.“

Wie bei vielen Wirten in früheren Zeiten wurde damals auch eine Bäckerei und eine Gemischtwarenhandlung betrieben. „Dies war früher üblich, um auch in Krisenzeiten gut über die Runden zu kommen. Diese Nebengewerbe wurden im Familienverband geführt, wodurch sich natürlich die Personalkosten verringerten“, erklärt Johannes Herburger, der sich im Zuge einer Studie mit der Gasthaussituation in Vorarlberg auseinandergesetzt hat.

Während – wie die VN berichteten – viele traditionelle Gasthäuser mitunter keine Nachfolger mehr finden, scheiterte es in Pinkelnigs Fall allerdings nicht an fehlendem Personal, denn die Dornbirnerin betrieb das Danner seit jeher auf eigene Faust. „Ich wollte keinen Pächter, weil ich sehe, dass diese momentan keine Chance hätten, solange sich in der Politik nichts ändert“, stellt Pinkelnig fest. Die Küche, die Geräte, das alles sei teuer und rentiere sich kaum noch – wenn dann noch Personalkosten hinzukommen sowieso nicht. „Der Gast weiß oft nicht, welcher Aufwand hinter Qualität, Service und Ambiente steckt.“

Neue Wege in Göfis

Als sie sich vor drei Jahren zur Ruhe setzte, schlossen die Pforten des bekannten Gasthauses und damit ein wichtiger Treffpunkt in Dornbirn. „Die Wände könnten viel erzählen“, sagt die Wirtin mit ein wenig Wehmut in der Stimme. Sie blickt gerne auf diese Zeit zurück, auch wenn es selten Tage gegeben habe, an denen sie nicht vor den frühen Morgenstunden ins Bett gekommen ist: „Ich würde es sofort wieder machen, denn es hat mir einfach Spaß gemacht“, resümiert die Danner-Wirtin. Mit ihrem Ruhestand verschwand ein weiteres Vorarlberger Traditionsgasthaus, wie 500 andere, die in den vergangenen 50 Jahre geschlossen haben.

In Vorarlberg ändert sich die gastronomische Landkarte. Und auch in Göfis beschreitet man neue Wege. Die 3500-Einwohner-Gemeinde kennt das Problem der immer weniger werdenden Gasthäuser und damit der schwindenden Möglichkeiten zum geselligen Beisammensein. „Es bestand die Gefahr, dass aus Göfis eine Schlafgemeinde wird, dass es nur noch ein totes Zentrum gibt. Die Menschen fahren am morgen zur Arbeit und kommen am Abend wieder“, erklärt Rudi Malin, Leiter des „bugo“. Für ein Dorf sei dies das Allerschlimmste, wenn es ausgedünnt und ausgestorben ist.

Gemeinschaftsprojekt

Um das zu verhindern, wurde als Gemeinschaftsprojekt vor mittlerweile sieben Jahren das „bugo“ geschaffen. Die alte Bücherei wurde von der Gemeinde gekauft und revitalisiert. Mehr noch: Um einen Treffpunkt zu schaffen, wurde ein kleines Café, wo auch Veranstaltungen abgehalten werden können eingerichtet. Außerdem können Göfner Produzenten regionale Produkte anbieten. „Damit wird nicht nur das Zentrum gestärkt, sondern auch Identität mit dem Ort vermittelt“, erklärt Malin.

Ermöglicht wird das Gemeinschaftsprojekt durch 15 Mitarbeiter. Dass einige davon ehrenamtlich tätig sind, zeigt, wie wichtig der Dorfgemeinschaft der Treffpunkt ist. „Es ist einfach ein Miteinander“, betont Malin. Auch Gertraud Pinkelnig hat aus langjähriger Erfahrung gelernt, dass dieses Miteinander auch unter den Unternehmern wichtig ist. „Man soll nicht gegeneinander agieren. Jeder kann vom anderen lernen, egal welche Größe der Betrieb hat“, betont sie.

Lesen Sie kommenden Samstag: Wie dem Gasthofsterben durch Kooperationen und neue Impulse entgegengewirkt wird.