Kostengünstig und klimaneutral wohnen

07.06.2019 • 16:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Versuchsobjekt für künftiges Wohnen: Die KliNaWo-Anlage. VN/Schweigkofler
Versuchsobjekt für künftiges Wohnen: Die KliNaWo-Anlage. VN/Schweigkofler

Rezepte gegen steigende Wohnkosten? Fachleute nehmen Stellung.

Feldkirch Architekten, Städteplaner, Sozialpolitiker und Interessenvertreter setzen sich mit dem Thema auseinander. Die VN bat um ihre Vorschläge für kostengünstiges Wohnen. Den Anfang macht AK-Direktor Rainer Keckeis. Mit dem Anspruch, hohe Qualität und Nachhaltigkeit im Wohnungsbau zu vertretbaren Kosten zu verwirklichen, ist auf Initiative der Vorarlberger Arbeiterkammer das Projekt klimagerechter und nachhaltiger Wohnbau (KliNaWo) in Angriff genommen worden. In enger Abstimmung mit dem Energieinstitut, dem Land Vorarlberg und der Forschungsstelle AlpS hat die Vogewosi in Feldkirch ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen errichtet.

Der Aufwand war beachtlich: „Aus rund 60.000 technisch möglichen Varianten wurde die optimale Ausführung ermittelt und gebaut“. Zentrale Punkte waren eine optimale Gebäudehülle, die Beheizung über eine Wärmepumpe und eine Abluftanlage. Herausgekommen ist eines der energieeffizientesten Mehrfamilienhäuser Österreichs, was vom Klimabündnis mit einer Auszeichnung honoriert wurde.

Was aber für die Arbeiterkammer von besonderer Bedeutung ist, sind die in diesem Projekt erzielten Kosten. Die abgerechneten Netto-Errichtungskosten beliefen sich pro Quadratmeter Wohnnutzfläche auf 2530 Euro. Der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser liegt bei einer Dreizimmerwohnung bei knappt 200 Euro pro Jahr.

Aufbauend auf den Erkenntnissen dieses Projektes sollen nun Anpassungen in der Wohnbauförderung vorgenommen werden. Vor allem die horrenden Preise, die Bauträger von den Wohnungskäufern auf dem freien Markt verlangen, dürfen nicht länger durch die Wohnbauförderung gestützt werden, so Keckeis. Hingegen sind Investitionen in zukunftstaugliche, klimagerechte Heizsysteme und in die Gebäudehülle äußerst sinnvoll, weil nur diese zu entsprechenden Einsparungen beim Heizen führen. Keckeis: „Damit kann Vorarlberg den bereits erfolgreich eingeschlagenen Weg in Richtung Klimaneutralität im Bereich der Gebäudewärme fortsetzen“. Immerhin ist es zwischen 2005 und 2016 gelungen, im Bereich der Wärmeversorgung von Wohngebäuden den CO2-Ausstoß um 30 Prozent zu senken, obwohl die Wohnnutzfläche in diesem Zeitraum um fast 15 Prozent zugenommen hat. Allein durch die Senkung des Heizölverbrauchs um 45 Prozent konnte 2015 gegenüber 2005 fast 200.000 Tonnen CO2 vermieden werden.

Für die AK Vorarlberg ist laut Direktor Keckeis klar: „Absolute Priorität in der künftigen Landeswohnbaupolitik muss die Dämpfung der enormen Wohnungspreise haben. Diese orientieren sich, wie das Projekt KliNaWo beweist, schon lange nicht mehr an den Entstehungskosten der Gebäude, sondern nur noch am erzielbaren Marktpreis“. Die starke Stellung der Wohnbauträger wurde durch den geringen Anteil an sozialem Wohnbau in den letzten Jahrzehnten gefestigt und führt heute dazu, dass es hinsichtlich der Preise kaum mehr einen Wettbewerb am Markt gibt.

Lesen Sie nächsten Samstag, wo Dr. Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Institutes für Immobilien, Bauen und Wohnen den Hebel bei Wohnkosten ansetzen würde.