Pfingsten ist wunderbar

07.06.2019 • 14:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Pfingsten verstört. Am fünfzigsten Tag nach Ostern feiern Christinnen und Christen, wie der Heilige Geist über die Apostel kam. Plötzlich waren alle Sprachbarrieren beiseitegeschoben. In verschiedenen Sprachen und Dialekten erzählten die Jesus-Jünger von den „großen Taten Gottes“ (Apostelgeschichte 2,1-13). Die Multikulti-Gemeinde, die zuhört, ist „entsetzt und ratlos“, sie staunt über das Wunder. Die Spötter hingegen sagen: „Sie sind voll süßen Weins.“

Es bleibt das Staunen über das Pfingstwunder. Oder eher die Skepsis, ob dies alles nur eine rauschhafte Illusion ist? Was einen von vorneherein für den Geist einnimmt: Er weht wo er will, man wird seiner nicht habhaft, er lässt sich nicht festlegen, er bleibt unberechenbar, er wirbelt festgefahrene Vorstellungen durcheinander, er wirkt inspirierend und antihierarchisch.

Zu Pfingsten führt der Heilige Geist Regie. Heute ist sein Fest! Meist ist er der Dritte im Bund, kann sich kaum behaupten gegen Gott, den Schöpfer aller Dinge, und erst recht nicht gegen Jesus, den Christus, der mit Weihnachten, Ostern und anderen Festen im Jahr gehörig gefeiert wird.

Belebend

Das liegt vielleicht auch an der unerträglichen Leichtigkeit des Seins, mit dem er schwebt, der Geist, von Anfang an über den Wassern. „Ruach“, das hebräische Wort für Geist, bedeutet auch Lebenshauch, Atem oder Wind. Der Heilige Geist hat keinen Thron im Himmel und keinen Amtssitz auf Erde. Er ist zuhause über den Wolken, wo die Freiheit grenzenlos ist. Der Wind ist sein Gesell, manchmal Atemhauch, manchmal Sturmgebrause, doch zu fassen kriegt ihn keiner. Feuerflammen sind seine Boten, Dornbüsche lässt er auflodern im Wüstensand und Herzen setzt er in Brand. Gott lächelt vielleicht gelegentlich über die Kapriolen dieses dynamischen Teils seiner selbst.

So war es denn auch bei jenem legendären Pfingstfest in Jerusalem. Die Jünger Jesu waren beisammen und haben sich hinter verschlossenen Türen verbarrikadiert. Sie konnten das schwere Erbe, das ihnen ihr gekreuzigter Herr und Meister hinterlassen hatte, nicht antreten. Es war ihnen zu schwer! Da musste der Heilige Geist, der Geist des Lebens, ordentlich hineinblasen und die Türen aufstoßen. Da musste er mit göttlichen Flammen züngeln, bis der Funke überspringt und sie ihre Verschanzungen überwinden. Und sie begannen zu reden, über das, was ihnen widerfahren ist – und hören nicht mehr auf damit.

Unbeschreiblich

Den Heiligen Geist zu beschreiben, das geht nicht. Kann man Wind darstellen? Wohl aber, was er bewirkt: Als sich Jesus von Johannes taufen ließ, öffnete sich der Himmel und der Geist Gottes kam wie eine Taube auf ihn herab. In der bildenden Kunst wird der Heilige Geist daher gerne als Taube dargestellt. Aber er ist kein Geflügel. Es ist nur ein Vergleich, ein Symbol! Sanft und leise kommt er herab und nimmt Platz in einem Menschen. Die Stimme von oben spricht dazu: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen!“(Markus 1,11). Seither wird es allen in der Taufe auf den Kopf zugesagt: „Du bist ein geliebter Mensch!“.

Feuer und Flamme, Wind und Sturm, zählen zu den biblischen Bildern für den Geist Gottes. Als die Jünger nach der Kreuzigung Jesu verstört zurückgeblieben sind, tritt er ihnen als Tröster und Ermutiger entgegen. In der Aufzählung der Gaben des Heiligen Geistes nennt Paulus neben der Liebe auch Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.

Der Dichter Benjamin Schmolck gerät über den Heiligen Geist geradezu ins Schwärmen. Für ihn ist er „Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und Tat, starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad.“ Ein anderer, Philipp Spitta, bittet: „O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.“ Wäre diese Bitte nicht auch angesichts gegenwärtiger Verwirrungen in der Politik und der Gesellschaft angebracht?

Bewegende und inspirierende Pfingsten!

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