Video: Diesem Graureiher in Lustenau sind Würmer zu wenig – wie er sich einen Hasen schnappt

Vorarlberg / 07.06.2019 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Graureiher schlägt im Ried zu. Die Beute: ein Feldhase. Ein Video dokumentiert die Ereignisse. ACHTUNG: der Inhalt des Videos (unten) kann verstörend wirken.

Im Rheintal haben sich Störche und Graureiher in stattlicher Zahl etabliert. Viele bleiben im Winter.

Lustenau Heuschrecken, andere Insekten, Würmer und Mäuse: Das steht laut Experten auf dem Speiseplan von Storch und Graureiher, die seit einigen Jahren das Rheintal besiedeln und sich vor allem im Ried wohlfühlen. Dass die Großvögel aber auch dem Verzehr von noch größeren Geschöpfen nicht abgeneigt sind, beweist ein Video aus dem Schweizer Ried bei Lustenau. Dort schnappt sich ein Graureiher einen kleinen Hasen und verspeist ihn mit Haut und Haaren.

ACHTUNG: der Inhalt des Videos kann verstörend wirken.

Das Storchenprojekt

Vor 20 Jahren waren sie noch eine Sensation: Störche in freier Natur. Das hat sich geändert. Die stolzen Vögel sind in großer Zahl zum Blickfang im Rheintal geworden, speziell im Ried. Während die Väter des Storchenprojekts diese Entwicklung mit Freude und Gelassenheit beobachten, tun andere Riedkenner das nicht. „Der Bestand ist nicht zu hoch“, sagen die einen. „Es sind zu viele“, behauptendie anderen. Sie verweisen auch auf den Graureiher, der sich als Großvogel neben dem Storch etabliert hat. Beiden Vögel haben großen Hunger und brauchen viel Futter.

Jungstörche beringt

„Es haben heuer einige Jungstörche die kalten Regentage nicht überlebt“, meldet Walter Niederer, seines Zeichens Mitbegründer des Storchenprojekts und Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta. Wieder einmal haben er und seine Helfer die Jungstörche in ihren Nestern aufgesucht und ihnen Ringe an den Füßen angebracht. Damit können sie die Flugwege der Tiere verfolgen und Rückschlüsse auf ihr Siedlungsverhalten ziehen. „Im vergangenen Jahr konnten wir 60 Jungstörche beringen, heuer waren es lediglich 20. Das heißt: Es haben einige der Vögel die Starkregentage nicht überlebt.“

Die Jungstörche stellen sich tot, wenn sie von Vertretern des Storchenprojekts einen Ring am Fuß verpasst bekommen.Naturschutzverein Rheindelta
Die Jungstörche stellen sich tot, wenn sie von Vertretern des Storchenprojekts einen Ring am Fuß verpasst bekommen.Naturschutzverein Rheindelta

Im heurigen Jahr sind in Vorarlberg 48 Brutpaare gemeldet worden. Der Bruterfolg war laut Niederer heuer eher gering.

Genau beobachten

Gefährdet ist der Storch dennoch nicht. Der Gesamtbestand dürfte weiter wachsen, sagt der Experte. Viele Störche ziehen auch im Winter nicht mehr in den Süden. Dabei lassen sie sich auch an Orten nieder, wo sie unerwünscht sind. Zum Beispiel auf Strommasten. Besonders an den Seitenarmen der Strommasten will man sie nicht haben, da die Tiere Verunreinigungen verursachen und dadurch die Stromsicherheit gefährden.

Wie sich die Situation und der Bestand weiter entwickeln, wolle man genau beobachten, betont Niederer. Die Tiere fänden im Rheintal auch dank der Mülldeponie Loacker ein ausreichendes Futterangebot vor. Hinweise darauf, dass sie anderen Vögeln, vor allem den Wiesenbrütern, schaden, gebe es nicht, versichert Niederer. „Wir werden jedoch weiter beobachten“, versichert der Storchenexperte.

Keine natürlichen Feine

Die Ansichten Niederers teilt Reinhard Hellmair, Gebietsaufseher im Auer Ried, nicht wirklich. „Es sind zu viele Störche geworden“, hält er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. „Sie haben keine natürlichen Feinde und brauchen viel Futter. Vor zehn Jahren waren im Ried noch zehn Brutpaare, vergangenes Jahr waren es 75.“ Hellmair sieht in der Vogelstrategie im Ried einen Widerspruch. „Wir wollen die Wiesenbrüter genauso schützen wie jene Vögel, die sie von oben aus beobachten und gefährden können.“ Hellmair bewertet das Verhalten vieler hier lebender Störche als unnatürlich. „Im Burgenland freut man sich, wenn im April der erste Storch aus dem Süden zurückkehrt. Bei uns habe ich heuer am 9. Februar die erste Paarung eines Storchenpaares beobachten können.“

„Im Burgenland freut man sich im April auf den ersten Storch, bei uns paaren sie sich im Februar.“

Reinhard Hellmair, Gebietsaufseher Auer Ried

Auch die Graureiher sind im Ried massiv vorhanden. „Von denen gibt es fast noch mehr als von den Störchen. Und dass die ebenfalls nicht nur kleine Würmer fressen, beweist – wie erwähnt- das obige Video, in dem zu sehen ist, wie ein Graureiher einen kleinen Hasen mit Haut und Haaren verschlingt.