Goodbye Vorarlberg: René Leuc wanderte vor elf Jahren mit seiner Frau Sara nach Australien aus

10.06.2019 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
René und Sara Leuc ließen sich im Jahr 2006 in der Fünf-Millionen-Metropole Sydney nieder, der größten Stadt Australiens.

Das Vorarlberger Ehepaar Sara und René Leuc lebte elf Jahre auf dem Fünften Kontinent.

Rankweil-Brederis Schon als Kind wusste René Leuc (37): „Um Karriere zu machen und Großes zu tun, musst du auswandern.“ Der Traum des Buben aus Hohenems war es, nach Amerika zu gehen und Drehbücher zu schreiben. Der kleine René war ein Träumer und sehr kreativ. Am liebsten zeichnete und schrieb das Kind Comics. Dafür brannte es. „Das war mein Leben.“ Seine Begabung blieb nicht unbemerkt in der Familie. „Ein Onkel riet mir, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen.“ René hörte auf ihn und ließ sich in Oberösterreich zum Grafiker bzw. Mediendesigner ausbilden. Deswegen zog er eigens nach Wels. Dort fühlte sich der Sohn zweier Steirer auf Anhieb wohl. „Oberösterreich gefiel mir. Die Leute waren sehr herzlich.“

In die Heimat des Vaters ausgewandert

Nach der Lehre fand er einen Job in einer Werbeagentur in Liechtenstein. „Ich dachte mir Werbung für Gesundheitsprodukte aus.“ Als er den Militärdienst ableistete, kam es zu einer schicksalhaften Begegnung mit seiner Sandkastenfreundin. „Sara und ich verliebten uns und wurden ein Paar.“ Mit ihr verwirklichte er seinen Kindheitstraum und wanderte aus. Und das kam so: „Saras Vater ist Australier. Sie verbrachte einige Wochen in der Heimat ihres Vaters. Meine Freundin war von dem Land so angetan, dass sie mit mir dorthin ziehen wollte.“ Bevor das Paar seine Zelte 2006 in Vorarlberg abbrach, heiratete es. „Die Hochzeit war unser Abschiedsfest.“

„In Australien gibt es die schönsten Strände der Welt.“

René Leuc, Auswanderer

Die Fünf-Millionen-Metropole Sydney wurde zur neuen Heimat für die zwei Vorarlberger. Beiden fiel sofort auf, dass die Uhren in Down Under anders ticken. „Die Menschen dort sind viel entspannter, weniger gestresst, lockerer und offener. Sie sprechen dich an und fragen, woher du kommst.“ René und Sara erklären sich das so: „Das liegt am Klima. Der Himmel ist immer blau, die Temperaturen bewegen sich zwischen 30 und 40 Grad. Darum sind die Australier so freundlich.“ Der Mediendesigner ist ein Mensch, der es gerne warm mag. Deshalb fühlte er sich gleich wohl in Sydney, der größten Stadt Australiens. Auch die weißen und teilweise unberührten Sandstrände taten es ihm an. „In Australien gibt es die schönsten Strände der Welt.“

Ein Blick auf die Fünf-Millionen-Metropole Sydney.

Ein Blick auf die Fünf-Millionen-Metropole Sydney.

Aber das Wichtigste war, dass das Paar innerhalb weniger Wochen Arbeit fand. „Ich war im Marketing tätig und habe mir Werbung ausgedacht. Mir gefiel der Job, weil ich kreativ sein konnte“, erzählt René. Später wechselte er aus Karrieregründen mehrmals die Firma. Er brachte es bis zum Stellvertreter des CO (Chief Officer).

Sara mit den Kindern am Strand.
Sara mit den Kindern am Strand.

Auch Freunde fand das Ehepaar aus dem Ländle schnell in der neuen Heimat. „Die Australier lernen gerne Fremde kennen. Sie laden dich zu Barbecue-Partys ein.“ Gegrillt wird auch am Staatsfeiertag und zu Weihnachten in den Parks oder an den Stränden. Das erste Weihnachtsfest im Hochsommer mutete für das junge Ehepaar seltsam an. „Wir mussten uns daran gewöhnen, dass es an Weihnachten heiß ist.“ Gewöhnungsbedürftig war auch der Slang der Australier. „Anfangs habe ich die Hälfte nicht verstanden“, sagt René, der eigentlich gut Englisch spricht. Inzwischen weiß er, dass selbst die Amerikaner die Australier nicht verstehen.

Auswanderer René Leuc. Im Hintergrund sieht man die Sydney Harbour Bridge.
Auswanderer René Leuc. Im Hintergrund sieht man die Sydney Harbour Bridge.

Als René und Sara Eltern wurden, zogen sie in einen Vorort von Sydney und bezogen dort ein Haus. „Wir haben vier Kinder. In Australien ist es normal, viele Kinder zu haben. Das Land ist sehr familienfreundlich. Das merkt man auch in den Restaurants, wo man als Familie freundlichst bedient wird“, gibt René Einblick in ein Land, dass mehr als 14.000 Kilometer von uns entfernt ist. Dem Hohenemser gefiel es so gut in seiner neuen Heimat, dass er nicht an Heimweh litt. Seine Frau hingegen wollte wieder zurück nach Österreich. „Sara war es wichtig, dass unsere Kinder mit Großeltern aufwachsen und in Vorarlberg eingeschult werden.“

„Sydney ist eine Weltgourmetstadt“

Elf Jahre verbrachten die Leucs auf dem Fünften Kontinent. Im Jahr 2017 kam die Familie ins Ländle zurück. Die Kinder verkrafteten den Umzug besser als die Eltern. René: „Für Sara und mich war es ein Kulturschock.“ Das Ehepaar musste sich an vieles erst wieder gewöhnen: an die Kälte, das Regenwetter, die festen Schuhe und die vielen Ämter. Vor allem aber vermisste es das gute, abwechslungsreiche Essen. René: „Sydney ist eine Weltgourmetstadt und auch kulinarisch multikulti.“ Gerne denkt der Auswanderer an die Sushi-Shops an den Stränden zurück, wo täglich frisches Sushi ausgegeben wird, und an die Verkaufsbuden, die an den Autobahnen frische Früchte feilbieten. Dennoch: Wenn der vierfache Vater sieht, wie die Augen seiner Kinder strahlen, wenn die Großeltern auf Besuch kommen, weiß er, dass er das Richtige getan hat.