Warum in Vorarlberg die meisten Mietverträge befristet sind

Vorarlberg / 10.06.2019 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In keinem Bundesland ist der Anteil auch nur annähernd so hoch wie in Vorarlberg.

SCHWARZACH Vorarlberg ist das Bundesland, in dem die mit Abstand meisten Mietwohnungen nur befristet vergeben werden. Sprich: Wenn der Vertrag nach mindestens drei Jahren ausläuft, erhalten die Bewohner eine Verlängerung oder müssen ausziehen. Laut Mikrozensus 2018, den die Statistik Austria erstellt hat, beträgt der Anteil ganze 71,4 Prozent. Österreichweit ist es umgekehrt; dort haben 77,3 Prozent der Mieter ihre Wohnung unbefristet.

Befristungen


Dass Vorarlberg derart ausschert, ist auf einen besonderen Umstand zurückzuführen: Während Gemeindewohnungen sowie Wohnungen von gemeinnützigen Bauträgern sonst überall unbefristet vergeben werden, ist das hierzulande anders; seit 2001 gibt’s hier nur noch Befristungen. Aus guten Gründen, wie Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen analysiert.
Doch eines nach dem anderen: Im privaten Wohnungssektor sind Befristungen die Regel. Für die Eigentümer lassen sich so auf Dauer höhere Mieten erlösen. Auch wenn das der Intention des Gesetzgebers widerspricht. Zumindest bei Richtwertwohnungen müssten befristete Mieten demnach um 25 Prozent niedriger sein als unbefristete. Weil dieser Abschlag aber nicht extra ausgewiesen werden muss, ist das eine Bestimmung, auf die man sich in der Praxis nicht so einfach berufen kann.
Dass befristete Mietwohnungen auf dem freien Markt teurer sind, hat auch mit der Nachfrage zu tun, so Amann: „Befristete Wohnungen gehen typischerweise an Haushalte mit einem kurzen Planungshorizont.“ Gemeint sind damit zum Beispiel junge Leute, die für einen bestimmten Job auf ein paar Jahre irgendwohin ziehen und nicht die Absicht haben, dort alt zu werden: „Sie sind eher bereit, mehr zu bezahlen.“ Gehe es dagegen darum, sich sesshaft zu machen und etwa eine Familie zu gründen, weite sich der Planungshorizont aus: „Diese Leute suchen etwas Längerfristiges. Wobei sie mehrere Optionen haben: Haus bauen, Wohnung kaufen oder mieten. Entscheiden werden sie sich für die günstigste Option“, erklärt Amann.
Dass im Unterschied zu allen anderen Bundesländern in Vorarlberg auch die generell billigeren Sozial- bzw. gemeinnützigen Wohnungen befristet vermietet werden, ist seiner Ansicht nach sinnvoll: „Das reduziert Fehlbelegungen. Indem immer wieder darauf geachtet wird, ob die Mieter die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, wird verhindert, dass auch Personen mit sehr hohen Einkommen in gemeinnützigen Wohnungen leben.“ Das erspart Vorarlberg nicht nur Schlagzeilen wie in Wien, wonach ebendort auch „Bonzen im Gemeindebau“ leben. Laut Amann ist es im Übrigen auch unproblematisch: „Bei all jenen, die unter den Einkommensobergrenzen bleiben, wird die Befristung immer wieder verlängert.“ JOH