Bademeister schlägt Alarm: Immer mehr vernachlässigen Aufsichtspflicht wegen Smartphones

Vorarlberg / 11.06.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der gebürtige Kalifornier Kris Elwell will eine Debatte anstoßen. VN/STEURER

Bademeister Kris Elwell warnt vor zunehmendem Risiko: Erwachsene vernachlässigen ihre Aufsichtspflicht wegen Social Media & Co. Vor allem im Schwimmbad kann das fatale Folgen haben.

Feldkirch Die Badesaison ist in vollem Gange, bei warmen Temperaturen laden Vorarlbergs Schwimmbäder zur Abkühlung ein. Doch was die meisten Menschen mit Sommer, Idylle und Spaß verknüpfen, kann ganz schnell zum Albtraum werden – nämlich dann, wenn Kinder in Ertrinkungsgefahr geraten. Kris Elwell, Bademeister im Schwimmbad Feldkirch-Gisingen, kennt solche Situationen nur zu gut. Nun möchte der gebürtige Kalifornier auf ein Sicherheitsrisiko aufmerksam machen, das seiner Meinung nach in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: Ablenkung durch Smartphones und insbesondere Social Media.

Bis zu 3000 Besucher am Tag

„Während man eine Nachricht auf dem Handy bekommt, liest und rasch beantwortet, kann es sein, dass ein Kind bereits zehn Zentimeter unter Wasser ist und zu ertrinken droht“, warnt der 57-Jährige. „Kinder gehören beobachtet! Es kann so schnell etwas passieren.“ Deswegen ist es Kris Elwell so wichtig, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

In das Waldbad Feldkirch kommen an Spitzentagen im Sommer bis zu 3000 Besucher zur Abkühlung. Drei Bademeister sind dann im Einsatz: „Doch es ist nicht unsere Aufgabe, die Aufsichtspflicht für alle Kinder zu übernehmen. Denn das ist schlichtweg unmöglich“, sagt der Bademeister und Rettungshelfer. Es war ein Vorfall in der vergangenen Saison, der Elwell dazu bewegt hat, vor Smartphones zu warnen.

Bereits eine kurze Ablenkung kann im Ernstfall lebensbedrohlich enden. VN/Steurer
Bereits eine kurze Ablenkung kann im Ernstfall lebensbedrohlich enden. VN/Steurer

Damals hat er ein Kind kurz vor dem Ertrinken aus dem Wasser gezogen, weil es nur ungenügend beaufsichtigt wurde. Ein Ereignis, das ihn bis heute beschäftigt: „Ich sehe nachts oft noch die Augen dieses hilflosen Kindes vor mir“, sagt er. Damit spricht er den Schock an, den ein Unfall beim Opfer, dessen Familie, aber auch beim Rettungspersonal verursachen kann, selbst wenn dieser glimpflich endet. „Es gibt ein Risiko, für das wir Bademeister ausgebildet werden. Wir tragen aber keine Verantwortung für Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden, weil sie sich lieber mit Social Media beschäftigen“, sagt Elwell und fügt hinzu: „Wir sind keine Nannys.“

In Österreich zählen tödliche Unfälle durch Ertrinken zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr. Bei bis zu Fünfjährigen ist es sogar die häufigste, bei älteren Kindern nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache, geht aus dem Fokusreport „Ertrinken von Kindern in Österreich“ des Forschungszentrums für Kinderunfälle hervor. Insgesamt sind im Jahr 2017 33 Personen österreichweit ertrunken.

Bewusstsein bilden

Während Menschen beim Thema Ablenkung durch Smartphones während dem Autofahren durchaus schon sensibilisiert seien, fehle dieses Bewusstsein beim Schwimmbadbesuch noch, ist Kris Elwell überzeugt. Seiner Ansicht nach sei dies ein Thema, über das kaum jemand offen sprechen will. „Wenn meine Botschaft hilft, mindestens ein Menschenleben zu retten, dann hat es sich gelohnt“, ist der leidenschaftliche Bademeister überzeugt.

Elwell wünscht sich eine offene Debatte über das Thema. „Legt das Handy einfach einmal weg und spielt mit den Kindern. Genießt die Natur gemeinsam, damit der Sommer zu einer glücklichen Zeit für alle wird“, appelliert Elwell an die Aufsichtspersonen.