Ein aggressiver Schwarzfahrer

Vorarlberg / 11.06.2019 • 22:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 18-Jährige vor Gericht: Nach einer bereits dritten Verhandlung kam es nun zu einem Schuldspruch. eckert
Der 18-Jährige vor Gericht: Nach einer bereits dritten Verhandlung kam es nun zu einem Schuldspruch. eckert

Rumänischer Bettler trat Kontrolleur gegen Bein: 800 Euro Geldstrafe.

Feldkirch Geboren ist der 18-jährige Mann in Italien, er hat jedoch die rumänische Staatsbürgerschaft und verdient sich sein Geld mit Betteln. 50 bis 60 Euro pro Tag, sagt er bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Vor drei Wochen wurde er Vater. Im Sommer war der Arbeitslose mit der ganzen Familie ohne Fahrschein im Zug unterwegs, als dem Kontrolleur die Gruppe in Hohenems auffiel. Der Zugfahrgast war ohne Ticket unterwegs, der Schaffner drängte aufs Aussteigen.

„Es war ein ganzer Clan, sie fingen sofort an, mich zu provozieren, blockierten die Türen, so dass der Zug nicht weiterfahren konnte. Einige stiegen aus, andere blieben drin“, beschreibt der damalige Kontrolleur das Chaos. Als der Schaffner wieder in den Zug einsteigen wollte, trat ihn der junge Rumäne kräftig gegen das Bein, drei Wochen Schmerzen waren die Folge gewesen. Dafür wird dem Opfer ein Schmerzengeld von 400 Euro zugesprochen. Die muss der Täter innerhalb von 14 Tagen bezahlen.

Märchenstunde

Der Angeklagte erzählt eine ganz andere Version. Er sei ohne Fahrkarte gewesen, das Kontrollorgan wollte auch seinen kleinen, siebenjährigen Bruder kontrollieren. „Er hat meinen kleinen Bruder angeschrien und ist mit Fäusten auf das Kind losgegangen und hat es auch geschlagen und getreten“, behauptet der Angeklagte.

Es habe einen Streit gegeben, weil er seinem kleinen Bruder helfen wollte. „Man schlägt doch kein Kind“, meint der Beschuldigte. Auch ihn habe der Schaffner schlagen wollen, gibt er an. Das alles wiederum dementiert der Zeuge. „Was? Da war überhaupt kein Kind, geschweige denn, dass ich eines geschlagen hätte.“ „Dann ist das nicht üblich bei den ÖBB?“, erlaubt sich der Richter einen Scherz. „Nein, sicher nicht“, antwortet der Zeuge lachend.

Weitere Zeugen

Dass er getreten hat, räumt der Angeklagte ein, doch seinen Angaben nach nur in Notwehr. Eine weitere ÖBB-Bedienstete wird einvernommen und ein Video als Beweismittel angesehen. „Auch wenn das Video vieles nicht zeigt, was man jedoch deutlich sieht, ist ein äußerst aggressiver Angeklagter, der von anderen zurückgehalten werden muss, damit er nicht weiter zuschlägt“, so Richter Richard Gschwenter in der Urteilsbegründung. „Man war hier als Schwarzfahrer unterwegs, wurde erwischt und wollte den Starken markieren“, so der Richter. Die Zeugen waren für Gschwwenter absolut glaubwürdig.

Er verurteilt den 18-jährigen Rumänen wegen Körperverletzung zu 400 Euro Strafe, die er sofort bezahlen muss, weitere 400 Euro werden auf Bewährung ausgesprochen. Zudem die 400 Euro für das Opfer. EC