Hochwasseralarm am Rhein

11.06.2019 • 17:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Unterhalb der Wiesenrainbrücke waren die Fußgänger- und Radwege entlang des Rheins am Dienstag gesperrt. vol.at/Vlach
Unterhalb der Wiesenrainbrücke waren die Fußgänger- und Radwege entlang des Rheins am Dienstag gesperrt. vol.at/Vlach

Heftiger Regen in der Schweiz: Vorland überschwemmt, Vorkehrungen in Vorarlberg.

Geraldine Reiner

Lustenau, Höchst So hoch war der Rhein schon drei Jahren nicht mehr: In der Nacht auf Dienstag schüttete es in der Schweiz buchstäblich wie aus Kübeln. Zahlreiche Flüsse und Bäche, darunter der Rhein, traten über die Ufer.

Von den heftigen Gewittern an stärksten betroffen waren das Tessin, das Oberwallis und die zentralen Alpen, wo innerhalb von 48 Stunden bis zu 170 Millimeter Niederschlag gemessen wurden (Stand 13 Uhr). Aber auch im Jura sowie im zentralen und östlichen Mittelland kamen stellenweise über 100 Millimeter zusammen.

Gefahrenstufe 2 und 3

Die Schweizerischen Rheinhäfen meldeten am Dienstagmorgen, dass die Hochwassermarke I bei der Messstelle Basel-Rheinhalle überschritten wurde (719 Zentimeter). Um 7 Uhr wurden am Alpenrhein unterhalb der Einmündung der Landquart die Gefahrenstufe 2 und zwischen Domat-Ems und der Mündung der Landquart die Gefahrenstufe 3 ausgerufen.

Die Verantwortlichen der Internationalen Rheinregulierung (IRR) veranlassten bereits am Pfingstmontag Sicherheitsvorkehrungen, erläutert der österreichische Rheinbauleiter Mathias Speckle (46). Als absehbar war, dass es in Richtung einer Abflussmenge von 1000 Kubikmeter pro Sekunde gehe („die Prognosemodelle sind doch recht kurzfristig“), wurden die Pächter der Vorländer informiert. „Zum Teil war Weidevieh drinnen“, erläutert Speckle. Die Austria Lustenau räumte ihren Fußballplatz, die Fuß- und Radwege zwischen Widnau und Lustenau wurden gesperrt und die Baggerschiffe der Firma Zech Kies aus dem Vorstreckungsbereich in den Bodensee gebracht. Eine gute Entscheidung, denn am Dienstag in den frühen Morgenstunden lagen die Prognosen bereits bei 1600 Kubikmeter pro Sekunde, im Laufe des Vormittags wurden die Rheinvorländer zunehmend überflutet. Entwarnung konnte der Rheinbauleiter dann am frühen Nachmittag geben. Gegen 14 Uhr war der maximale Abfluss erreicht. An der Messstelle Höchster Brücke schossen zu diesem Zeitpunkt knapp 1550 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei. Zuletzt führte der Rhein laut Speckle am 16./17. Juni 2016 so viel Wasser wie am Dienstag. „Damals waren es 2200 Kubikmeter pro Sekunde. Seither hatten wir keinen Vorlandabfluss mehr“, ergänzt er.

Für den Starkregen verantwortlich sind laut Schweizer Meteorologen ein Hoch über Osteuropa mit heißer Subtropenluft und ein Tiefdruckkomplex über Westeuropa mit deutlich kühlerer Luft. Da die Schweiz genau zwischen den zwei unterschiedlich temperierten Luftmassen liegt, wird die feuchte Mittelmeerluft dort regelrecht ausgepresst. Noch bis heute Abend sind lokal heftige Regenfälle möglich.

„Am Montag wurden die Pächter der Vorländer informiert. Zum Teil war Weidevieh drinnen.“

Sehr viel Wasser in kurzer Zeit: Am Dienstag gegen 14 Uhr wurde an der Höchster Brücke ein Pegel von knapp 1000 Zentimeter gemessen. VN/Steurer
Sehr viel Wasser in kurzer Zeit: Am Dienstag gegen 14 Uhr wurde an der Höchster Brücke ein Pegel von knapp 1000 Zentimeter gemessen. VN/Steurer