Mario Enzinger hilft Tätern aus der Gewaltspirale

Vorarlberg / 11.06.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mario Enzinger fand beim IfS seine berufliche Heimat. IFS

Neuer Leiter für den Fachbereich Gewaltberatung des Instituts für Sozialdienste.

feldkirch Es ist kein Job der einfachen Sorte, auf den sich Mario Enzinger da eingelassen hat, weil auch die Leute, für die er da ist, keine einfachen sind. Seit 1. Mai 2019 leitet der 36-Jährige beim Institut für Sozialdienste (IfS) den Fachbereich Gewaltberatung. Obwohl Enzinger seine Tätigkeit als anstrengend und oft auch belastend beschreibt, erfüllt sie ihn. „Ich kann Menschen dabei unterstützen, Gewalt zu beenden, und weitere Gewalttaten verhindern“, spricht er von einer besonderen Qualität, die dieser Arbeit innewohnt. Als wichtigste Voraussetzung für diesen Beruf bezeichnet Mario Enzinger die Bereitschaft, auch Themen zu besprechen, die nicht immer angenehm sind, und im Gespräch stets aufmerksam zu sein, denn Täter würden sich häufig lieber als Opfer denn als Verursacher präsentieren. Ihnen klarzumachen, dass sie Verantwortung für ihr Verhalten tragen, ist die große Kunst, in der sich Enzinger und sein Team tagtäglich üben.

Viel Erfahrung gesammelt

Dabei kommt Mario Enzinger gar nicht aus diesem Metier. Nach der Matura arbeitete er im kaufmännischen Bereich, ehe es ihn zu neuen Ufern drängte. „Ich wollte einfach etwas gänzlich anderes kennenlernen“, erzählt er. Enzinger entschied sich für ein Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck. Noch vor dem Abschluss schickte er eine Blindbewerbung an das Institut für Sozialdienste. Er bekam eine Einladung zum Bewerbungsgespräch und schließlich auch den Job in der Fachstelle für Gewaltberatung. Das war im September 2012. Sechs Jahre hatte Mario Enzinger Zeit, sich in die sensible Materie einzuarbeiten, sich fachliche Kompetenzen im Umgang mit Tätern und Täterinnen, ihrem Umfeld sowie den Kooperationspartnern anzueignen. Er tat es erfolgreich, wie sein Aufstieg mit jugendlichen 36 Jahren in die Führungsposition eindrücklich belegt.

Der leidenschaftliche Sportler schätzt es, einen aktiven Beitrag zur Beendigung von Gewaltspiralen leisten zu können. Bei vielen Klienten spürt er auch die Bereitschaft, bei diesem Bemühen mitzuziehen. „Es gibt eine hohe Anzahl von Selbstmeldern“, bestätigt Mario Enzinger. Im vergangenen Jahr gab es Kontakt mit insgesamt 588 Personen, 460 nahmen eine Beratung in Anspruch, 128 davon kamen aus dem sozialen Umfeld des Gefährders bzw. der Gefährderin. Die Zuweisungen erfolgen hauptsächlich über die Kinder- und Jugendhilfe und andere Behörden. „Grundsätzlich kann aber jeder, der gewaltbereit ist, unsere Hilfe in Anspruch nehmen“, betont Enzinger.

Der Wille, sich zu bessern, ist ebenso da, wie die Erwartung an die Beratung hoch ist. „Viele Klienten kommen und meinen, wir können sie quasi reparieren“, berichtet Mario Enzinger aus der Praxis. Doch fertige Lösungen gibt es nicht. „Es braucht die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten, Normen und Verhaltensmustern, und die muss vom Klienten ausgehen. Wir können ihn nur unterstützen.“ Oft genug hört Enzinger die wildesten Rechtfertigungen. Oft genug versuchen Gewalttäter, die Verantwortung für ihr Tun abzuschieben. Auf solche Fährten lässt sich der Fachmann nicht locken. „Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt“, stellt er in solchen Fällen seine unmissverständliche Haltung dagegen.

Bis zu einem Jahr kann eine Gewaltberatung dauern. Rückfallquoten sind schwer zu evaluieren. „Wir sehen jedoch, dass sich ehemalige Klienten wieder melden, wenn sie in schwierige Situationen geraten“, sagt Mario Enzinger. Das verdeutlicht ihm immer wieder auch die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit seiner Arbeit. Daraus und auch aus der präventiven Arbeit, die er mit Workshops und Vorträgen leistet, zieht er seine Energie.